Lesestoffe in westungarn II. KŐSzeg (GÜNS), rust (ruszt) eisenstadt




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LESESTOFFE IN WESTUNGARN
II.
KŐSZEG (GÜNS), RUST (RUSZT)
EISENSTADT (KISMARTON)
FORCHTENSTEIN (FRAKNÓ)


1535—1740

SZEGED, SCRIPTUM KFT


1996

ADATTÁR XVI—XVIII. SZÁZADI SZELLEMI


MOZGALMAINK TÖRTÉNETÉHEZ
(MATERIALIEN ZUR GESCHICHTE DER GEISTESSTRÖMUNGEN DES 16—18. JAHRHUNDERTS IN UNGARN)

18/2


Herausgegeben von

BÁLINT KESERŰ

in Verbindung mit
BURGENLÄNDISCHE FORSCHUNGEN
Herausgegeben vom Burgenländischen Landesarchiv
Sonderband XV

ISBN 3 901517 03 0

HU ISSN 0230-8495

ISBN 963 8335 29 7



LESESTOFFE IN WESTUNGARN
II.
KŐSZEG (GÜNS), RUST (RUSZT)
EISENSTADT (KISMARTON)
FORCHTENSTEIN (FRAKNÓ)


1535—1740

Herausgegeben von

TIBOR GRÜLL, KATALIN KEVEHÁZI,
KÁROLY KOKAS, ISTVÁN MONOK, PÉTER ÖTVÖS, HARALD PRICKLER

SZEGED, SCRIPTUM KFT


1996

Herausgegeben in Zusammenarbeit


des Burgenländischen Landesarchivs (Eisenstadt),
der Zentralbibliothek der Attila-József-Universität (Szeged) und
des Lehrstuhls für Bibliothekswissenschaft
der Gyula-Juhász-Paedagogischen-Hochschule (Szeged)

Redaktion

ISTVÁN MONOK, PÉTER ÖTVÖS, HARALD PRICKLER

Vorwort von

ISTVÁN MONOK
Übersetzt von

ÉVA und PÉTER ÖTVÖS

Medieninhaber (Verleger) für die „Burgenländische Forschungen”:
Amt der Burgenländischen Landesregierung, Abt. XII/2. (Landesarchiv und Landesbibliothek),
Vorstand: W. Hofrat Dr. Johann Seedoch,
A — 7001 Eisenstadt, Freiheitsplatz 1.
Medieninhaber (Verleger) für die „Adattár ...”:
József Attila Tudományegyetem Központi Könyvtára
Direktor: Dr. Béla Máder
H — 6701 Szeged, Dugonics tér 13. Pf. 393.

Mit Unterstützung


des „Magyar Könyv Alapítvány” und des Forschungsfonds „Erschließung, Registrierung und Veröffentlichung der kulturellen Traditionen Ungarns”
INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort 7

Abkürzungen 27

Kőszeg (Güns) 31

Rust (Ruszt) 97

Forchtenstein (Fraknó) 157

Eisenstadt (Kismarton) 183

Kleinere Orte (Kisebb helyek) 193

Appendix I.: Sopron (Ödenburg) 207

Appendix II.: Ausgewählte bibliographie zur Geschichte


der Bibliotheken und Erudition der Region 261

Register 279

VORWORT

Über die Buchkultur Westungarns
Die Erforschung der Buchgeschichte im Karpatenbecken des 16. und 17. Jahrhunderts weist die wesentliche Charakteristik auf, daß die Anzahl der in dieser Region veröffentlichten Bücher im Vergleich zu der der wirklich gelesenen (oder zumindest erworbenen) Bücher äußerst gering ist.1 Diese Feststellung gilt besonders für jenes Gebiet, dessen Buch- und Lesekultur die zwei Bände der „Lesestoffe in Westungarn” anhand von Archivquellen darzustellen versuchen.2 Die in der erwähnten Region veröffentlichten Bücher sind schon neben den Bän­den der retrospektiven ungarischen National­bibliographie3 auch in den Sonder­bän­den „Burgenländische Forschungen Bd. IV. und X.”4 monographisch vollstän­dig aufgenommen. Aus diesem Grunde verzichten wir diesmal auf die Behand­lung dieser Frage sowie der Details der Geschichte der Papier­herstel­lung.5

I
7


m Rahmen einer systematischen Forschungsarbeit der letzten 15 Jahre, die auf das ganze Gebiet des historischen Ungarns zielte, wurden grundsätzlich zwei Quellentypen ins Auge gefasst: (1) Die handschriftlichen Eintragungen, haupt­sächlich Possessorenvermerke in den heute noch vorhandenen Büchern und damit die Rekonstruktion der privaten Sammlungen; (2) die Erschließung der handschriftlichen und archivalischen Quellen sowie die Aufarbeitung derjenigen Dokumente, die den Besitz oder das Lesen von Büchern betreffen.6 Bezüglich Westungarns gibt es schon Ergebnisse auf den beiden Forschungsgebieten, aber in den zwei Bänden der „Lesestoffe in Westungarn” werden trotzdem nur die Forschungsergebnisse der Erschließung des zweiten Quellentyps veröffentlicht. In diesem Vorwort machen wir aber den Versuch, auch die bis jetzt noch un­ver­öffentlichen Resultate der Possessor-Forschung darzustellen.7

In der Zeit von 1526 bis 1750 sind uns etwa 1500 Bücherverzeichnisse vom Ge­biet des frühneuzeitlichen Ungarns bekannt, zwei Drittel davon stammen aus Ver­lassenschaftsinventaren.8 Die Forschung der Possessorenvermerke hat uns aber gleich­zeitig ermöglicht, die Lesestoffe einiger außerordentlich wichtiger Ver­fas­ser von Druckwerken zu erfassen, wie z.B. die Lesestoffe von Andreas Du­ditius,9 Ni­co­laus Olahus10 oder von einigen lutherischen Superintendenten in Sie­ben­bürgen.11


I. Die lesegeschichtlichen Quellen Westungarns
Unsere Forschungsarbeit war von Anfang an darauf gerichtet, die Ver­zeich­nisse über den Buchbesitz und die Dokumente über das Lesen zu erschließen. Da­ne­ben haben wir natürlich auch die nicht verzeichnismäßigen Quellen in die Unter­suchung gebracht und für die Analyse registriert.

Wir verfügen aus der untersuchten Region über folgende Bücher­verzeich­nisse: Breitenbrunn (1), Csanak (1), Eisenstadt (2), Forchtenstein (2), Franke­nau (1), Güssing (3), Kleinfrauenhaid (1), Kobersdorf (1), Kőszeg (27), Neu­siedl am See (2), Oslip (1), Páli (1), Pottendorf (2), Rust (33), Sopron (144), Unter­frauenhaid (1).12 Unserer Quellentypologie nach13 sind die 223 Ver­zeich­nisse folgendermaßen zu strukturieren: (a) 4 Kataloge (Kőszeg, die Bücherei des Stadtrats aus dem Jahre 1614; 1651–1656 Güssing, die Batthyány-Bibliothek; Anfang des 18. Jahrhunderts Forchtenstein, die Esterházy-Bibli­othek; 1727 Sopron, die Bücherei des Jesuitenordens); (b) 9 Verzeichnisse wurden als Inventare laut Verordnung von oberen Behörden zusammengestellt (die Güter der katholischen Pfarre in Kőszeg aus dem Jahre 1535; Verzeichnisse der Immo­bilien in dem Soproner Haus der Diözese Veszprém 1571, bzw. der Heiligen Geist Kirche in Sopron aus 1608; die Inventare der Sammlungen der katho­li­schen Pfarren in den Gemeinden Kleinfrauenhaid (1641), Csanak und Páli (1659), Oslip und Unterfrauenhaid (1674), Frankenau (1697), die während Kanonischen Visitationen aufgenommen wurden); (c) 2 Konfiskationsbücher enthalten Bücherverzeichnisse (Ferenc Nádasdy 1671–1672); (d) 4 Verzeich­nisse oder Rechnungen über Kauf von Büchern (1571–1588 Boldizsár Bat­thyány, 1619 Daniel Gruber, 1651–1652 Kristóf und Pál Batthyány, Erwer­bun­gen des Matthias Lang für die Bücherei der evangelischen Gemeinde in Sopron). Ein Verzeichnis, das in Sopron entdeckt wurde, enthält die Liste der Auflagen der Ungnad-Truber-Druckerei in Urach (Tübingen). Die Veröffentlichungen die­ser Druckerei zeigen das Interesse der Buchhändler der Region für die Verbrei­tung der slowenischen und kroatischen Drucke der Reformation auf.14

Von den 223 Dokumenten stammen also 201 Verzeichnisse aus den Verlas­sen­schaftsinventaren. Dieses Verhältnis ist harmonisch zur Quellenlage der übri­gen ungarischen und europäischen Städte.

In mehreren Aufsätze haben wir schon darauf hingewiesen,15 daß die Lesekultur der einzelnen Städte in den Verlassenschaftsinventaren sich verschie­den­artig darstellt: diese Inventare, die für uns die wichtigsten Quellen bedeuten, wurden nach verschiedenen Arten der Administration zusammengestellt. Man muß demgemäß zwischen dem sozialen Stand und dem Wohnort des Verstor­benen unterscheiden.

Das Buch bedeutete für die Aristokratie und den wohlhabenden Adel keineswegs einen solchen Wert, daß sie in ihren Verlassenschaften auch eine detaillierte Liste von den Büchern aufgenommen hätten. In dieser Weise ist das Verlassenschaftsinventar nicht als buchgeschichtliche, vielmehr als lesegeschicht­liche Quelle zu sehen. Es gibt auch wesentliche Unterschiede zwischen den Ad­ministrationen einzelnen Regionen oder Städte. Damit ist vermutlich die relativ geringe Anzahl der Bücherverzeichnisse aus Kőszeg zu erklären. In den Städten mit ungarischer Administration wurde das Verlassenschaftsinventar vielmehr summarisch aufgenommen, die Bücher sind deswegen auch nur kurzgefasst angegeben. Aus dieser Sicht ist zB. die Praxis in Kőszeg (Güns) bemerkenswert: Anfangs des 17. Jahrhunderts ist hier schon eine Mehrheit der ungarischen Be­völkerung zu registrieren, von dieser Zeit an wurde die Administration ungarisch geführt und das Archivmaterial ist nur wenig geeignet, die Buch- und Lesekultur genauer zu erfassen. In der Stadt Kolozsvár (Klausen­burg) sind die sächsischen Traditionen der Administration von Verlassenschafts­in­ventaren Mitte des 17. Jahrhunderts völlig ver­schwunden, in Kassa (Kaschau)­wurden die ungarische sowie die deutsch­sprachige Praxis der Verwaltung jährlich gewechselt. Schiess­lich soll noch erwähnt werden, daß um die Wende des 17. und 18. Jahrhunderts die detaillierten, auch die einzelnen Bücher angebenden Verlassenschafts­in­ven­tare schon nicht mehr gebräuchlich sind.16
II. Über die Buchkultur der Magnaten in Westungarn
In den maßgebenden Monographien der Buch- und Bibliotheksgeschichte von Europa wird über die Buchkultur im Ungarn der frühen Neuzeit höchstens so viel mitgeteilt, daß die Bibliotheca Corviniana nach dem Tode des Königs keinen würdigen Verwalter fand und es nach der Eroberung von Buda (1541) schon nicht mehr möglich war, dem ungarischen königlichen Hofe (oder den fürst­lichen Hofhaltungen) ähnlich den anderen Nationen im Europa auch in dem Büchersammeln eine beispielhafte kulturschaffende und damit bildungs­organi­sa­to­rische Rolle zuzusprechen. Nach dem Zeugnis der erzählenden Quellen haben dennoch mehrere Fürsten Siebenbürgens diese Funktion erfüllt und eine bedeutsame Bibliothek in Gyulafehérvár gegründet, sie wurde aber beim Ein­bruch der Tataren im Jahre 1658 völlig vernichtet.

Das Fehlen eines zentralen Hofes bzw. die Tatsache, daß der Hof nicht in Ungarn, sondern in Wien residierte, hatte zur Folge, daß die zahlenmäßig un­wesent­lichen Verlassenschaften von Gelehrten und Bürgern, sowie die Bücher der verstorbenen Adelsfamilien nicht im Lande blieben, sondern (in unseren Falle) in die kaiserliche Hofbibliothek gelangten. Denken wir dabei an die Büchereien von Hans Dernschwam17 und János Zsámboky (Sambucus)18 oder an die eifrigen Konfiskationen nach der Wesselényi-Verschwörung, die sowohl die reichen bürgerlichen Sammlungen von Eperjes als auch die Büchereien von Adeligen (Ferenc Nádasdy, Péter Zrínyi etc.) betrafen.19

Das System der kulturellen Institution war aber nicht allein wegen der Abschaffung des königlichen Hofes mangelhaft. Auch das Schulsystem war unvollständig: in Ungarn existierte lange Zeit keine Universität, erst die im Jahre 1635 gegründete Jesuitenuniversität in Nagyszombat (Tyrnau) wurde dann nicht aufgelöst.20 Aus der Sicht der Bibliotheksgeschichte bedeutete dies alles, daß in Ungarn die historisch-organisch entwickelten Sammlungen fehlten. Die Ausbil­dung der Intelligenz konnte natürlich der Bibliothek einer Universität nicht ent­behren. Die ungarische Intelligenz, die in etwa 70 Bildungsstätten des damaligen Europa ihre Ausbildung erwarb, brachte reiche geistige Munition mit sich nach Hause und begann sich in der Heimat in der Schule, in der Kirche oder eben als Praeceptor zu betätigen. Die größeren Schulen waren in der Lage, wenn auch nicht in solchem Maße wie der königliche Hof, die kleineren Büchersammlungen der Lehrer, Bürger und Adeligen, die im Laufe der Zeit sicherlich verschwunden wären, zusammenzusammeln und zu bewahren. Passende Beispiele liefern dazu die Bibliothek der kurzlebigen Jesuiten­universität in Kolozsvár,21 die Geschichte der Bibliotheken der reformierten Kollegien22 oder die Erwerbungspolitik des Kardinals Péter Pázmány. Er machte auch den Versuch, die reiche Bibliothek des Palatins György Thurzó zu erwerben.23

Die Geschichte Ungarns im 16. und 17. Jahrhundert ist neben politischen Krisen, wirtschaftlichen Rückfällen auch von kulturellen Schwierigkeiten geprägt. Die organisierte katholische Hierarchie und ihr weltliches sowie kirchliches Schul- und Bibliothekssystem wurde nach der totalen Niederlage bei Mohács völlig vernichtet. Die Schulen und Ordenshäuser und damit ihre Biblio­theken wurden abgeschafft und nur selten kam vor, daß das Institutionssystem des siegreich vorwärtsscheitenden Protestantismus die alte Tradition bewahren wollte. Es gibt natürlich Ausnahmen, wie zB. Brassó (Kronstadt)24 oder Kassa.25 Hier haben die neugesinnten Schulen oder die Stadt selbst die Bibliotheken der verjagten Ordensbrüder (Dominikaner, Franziskaner) aufbewahrt und damit deren geistigen Schatz weitervermittelt. Das 17. Jahrhundert bedeutete wiederum eine wesentliche Wende. Die protestantischen Schulen nebst ihren Bibliotheken auf den Gütern der rekonvertierten Adeligen haben das traurige Schicksal erlebt, das man als „geistige Entwaffung” bezeichnen könnte. Das markantste Beispiel liefert dazu die Geschichte der evangelischen Schule in Güssing: zur Zeit der Konversion des Grafen Ádám Batthyány enthielt die Bibliothek auch die theologischen Bücher der privaten Bücherei von Boldizsár Batthyány. Eine der reichsten protestantische Büchereien des 16. Jahrhunderts in Ungarn wurde also in einem Raum des Franziskanerklosters am Ort eingesperrt und auch die Patres benötigten eine Sondergenehmigung, wenn sie in diese Bibliothek wollten. In dieser Weise konnte aber die Bibliothek bis heute vollständig aufbewahrt werden.



Nach der Vertreibung der Osmanen wurde die Vernichtung des protestan­tischen Bildungssystems mit staatlicher Assistenz durchgeführt: Die berühmten reformierten Kollegien (zB. Szatmár, Nagybánya, Zilah, Szászváros) wurden zu Elementarschulen degradiert, ihre Bibliotheken zerstreut.26
Das von uns dargestellte Bild über die Bibliotheksgeschichte in Ungarn ist ohne Zweifel düster, wenn schon anders als in der Sicht der traditionellen Literatur. Das Bild wird noch düsterer, wenn man parallel mit den ungarischen Ereignissen auch die europäische Perspektive betrachtet. Die bis zum heutigen Tage existierenden größeren Bibliotheken wurden mit ihrer institutionellen Basis zu dieser Zeit gegründet. Franz I. hat die Basis für die Französische Na­tional­bibliothek geschaffen, Maria aus Ungarn, die Witwe des Königs Ludwig II., hat ihre von ihrer Tante (Margarete aus Österreich) testierte Erbschaft von Me­che­len (Malines) nach Brüssel bringen lassen und damit die Belgische Königliche Bibliothek gegründet. Philipp II. bemühte sich um die Gründung des Escorials, die großen italienischen Renaissancesammlungen konnten sich weite­rent­wickeln. Die größte Bibliothek der unabhängig gewordenen nordniederländischen Terri­to­rien wurde von Breda nach Haag verlegt. Viele Bücher aus ihrem Bestand gelangten dann im 18. Jahrhundert in andere Büchereien, trotzdem bedeutete sie den Kern der heutigen Königlichen Bibliothek. Die große Bibliothek in München, die heutige Bayerische Staatsbibliothek, wurde ebenfalls zu dieser Zeit gegründet. Unter den landesfürstlichen Sammlungen war die sg. „Silber­bib­lio­thek” in Kö­nigs­berg äußerst bedeutend; Mitte des 17. Jahrhunderts katalogisierte Herzog August selbst den Großteil seiner 35.000 Bücher. Die Hoffmann-Bibliothek ist mit ihren 10.000 Bänden zu der repräsentativsten Sammlung des 16. Jahrhunderts in den Steiermark geworden, etwa einen solchen Buchbestand besaß auch die slo­wenische Valvasor-Bibliothek im 17. Jahrhundert. Die British Library wurde gestiftet, die protestantisch gewordenen Kantone bewahrten die im 15. Jahr­hundert erworbenen Bücherschätze der Bibliotheken. Im Norden haben die Schweden mit denjenigen Büchern die Königliche Bibliothek gegründet, die sie während des Dreißigjährigen Krieges einzogen. Solche Bücher­samm­lungen von Universitäten werden diesmal nicht einmal erwähnt, die fürst­liche Bibliotheken sich eingliederten. Diese Sammlungen sind von großer Be­deutung, sie konnten nämlich die Lesekultur der in Ausland studierenden Ungarn wesentlich beein­flußen und damit auch das Profil fast aller privaten oder Schulbibliotheken im Karpatenbecken bestimmen.

Während der Untersuchung der Lesekultur sowie der Entstehungsgeschichte der Bibliotheken des ungarischen Hochadels muß man unbedingt die Tatsache beachten, daß sich im Karpatenbecken keine Büchereien entwickeln konnten, die in ihren Beständen, in dem Unfang und in der Aktualität der Aufnahme von Geistesströmungen sowie in ihrer Wirkung mit den Bibliotheken der Kurfürsten oder der europäischen Monarchen zu vergleichen wären. Die Lesekultur einiger Mitglieder der ungarischen hochadeligen Familien kann aber mit der der Grafen des zeitgenössischen Europa vergleichen werden. Hier darf man aber keineswegs außer acht lassen, daß die Politiker, die sich für die Angelegenheiten in Ungarn verantwortlich fühlten, d. h. ein Großteil der Adeligen, ihre Lebensweise und das Profil ihrer Büchersammlungen nicht allein nach ihrem Gefallen entwickeln konnten. Die Erwerbung von Bücher war ziemlich beschränkt, die heimische Buchproduktion war mäßig und der Buchhandel nicht genügend organisiert. Uns sind nur einige Händler in Oberungarn oder in Siebenbürgen bekannt, die sich auch mit der Vermittlung der Bücher beschäftigten, aber ihre Tätigkeit war vor­wiegend auf das bürgerliche Publikum gezielt. Wenn die Agenten von aus­län­dischen, vor allem Wiener und süddeutschen Verlagen regelmäßige Kontakte mit den ungarischen Hochadeligen aufzunehmen versuchten, hatten sie die Absicht, ohne wirkliche Konkurenz die Produkte ihrer eigenen Verlage zu verkaufen. Die auf Kosten der Familien im Ausland studierenden Alumnen haben sich zwar um die Vermehrung der Familienbibliotheken relativ viel und gut betätigt, die Bibliotheken ihrer Gönner wurden durch ihren Geschmack, Studien und damit auch die Art und Weise ihrer Lesekultur erheblich bestimmt. Die oben dar­gestellten Charakteristika einer beschränkten Erwerbstätigkeit erweisen sich aber als allzu bedeutungslos, wenn wir noch andere Zusammenhänge in Betracht ziehen. Die Adelsfamilien machten den Versuch, ihre Höfe, zwar nicht aufgrund einer Hoftheorie, jedoch bewußt, auszubilden. Diese Bewußtheit bestand darin, daß der Bibliothek, die im Zielbereich des Hofes für die Wissenschafter, Lehrer, Pfarrer und Studenten schon teilweise öffentlich war, im der Kirchen­orga­ni­sation, in dem Funktionieren des Schul- und Alumnatswesen eine wichtige Rolle zukam. Dies war von großer Bedeutung, nach der Schlacht bei Mohács (1526) und infolge der Vernichtung der Büchersammlungen waren nämlich die Kultur und Bildung bewußt unterstützenden Familien in Ungarn, der fürstliche Hof in Siebenbürgen an Stelle des Königs zu dieser Tätigkeit gezwungen. Unter den Beständen der einzelnen größeren Magnatenbibliotheken gab es natürlich in­halt­liche Unterschiede und der Geschmack des Gründers bzw. Besitzers blieb nicht völlig außer Betracht. Aus dem 16. und 17. Jahrhundert ist uns aber keine private Bibliothek bekannt, die im 18. Jahrhundert eine damals schon übliche repräsen­tative Funktion in einem Schloß bekommen hätte. Auch in solchem Zusammen­hang keine – wofür es schon Beispiele gibt –, daß der Bibliothekssaal mit neuen Möbeln nach einheitlichem Stil eingerichtet wurde, die Bücher einheitlich neugebunden und alle mit Super-Exlibris versehen wurden, für das Ordnen der Bibliothek schon ein Fachbibliothekar gesorgt hat und neben der inhaltlichen Gruppierung einer Bücherei (Sachordnung) auch in den privaten Sammlungen schon die Signatur und der Bestandkatalog vorkommen.

Es versteht sich von selbst, daß uns über die Entstehung und Entwicklung der hochadeligen Bibliotheken ausschließlich die Archivalien und die erzählenden historischen Werke berichten. Auch die Bestände kennen wir leiderzumeist nur aus den zeitgenössischen Verzeichnissen, manchmal aus Katalogen. Die erhalte­nen Bücherbestände, trotz ihrer Unvollständigkeit, sind für uns von nicht geringer Bedeutung. Die aufgrund der Possessorenvermerke rekonstruierte Bibliothek gibt uns einige Informationen darüber, in welcher Stadt und bei welchem Verlag die Bücher gedruckt wurden, wem sie früher, vor dem hochadeligen Besitzer, gehört hatten und wie sie in seine Bibliothek gelangt waren. Wir werden weiter auch darüber informiert, ob der Besitzer neben seinem Possessorvermerk Exlibris verwendete und wie er mit den Marginalien umging.


Wenn wir jetzt diejenigen westungarischen Magnatenbibliotheken aus dem 16. und 17. Jahrhundert auflisten, deren inhaltliche Zusammensetzung und Entstehungsgeschichte uns bekannt ist, werden unsere Feststellungen bestätigt.

An der ersten Stelle seien diejenigen Dokumente erwähnt, die sich auf die Buch­kultur von drei Generationen der Familie Batthyány beziehen.27 Im Unter­schied zu seinen Zeitgenossen war Boldizsár Batthyány sehr stark französisch orientiert.28 Er selbst lebte kurze Zeit in Frankreich und neben lateinisch, deutsch, italienisch sprach und schrieb er französisch. Er war der erste Protestant in seiner Familie, was ihm auch besondere Anforderungen bereitete. Er gründete eine Schule in Güssing und unterstützte die Pfarrer auf seinen Gütern. Uns steht kein Gesamtkatalog seiner Bücher zur Verfügung, etwa 350 Bände aus seiner Bibliothek sind heute noch in die Hand zu nehmen. Die in­halt­liche Zusammensetzung der von ihm gegründeten und vermehrten Bibliothek zeigt nicht nur sein persönliches Interesse. Die historischen Bücher, besonders über die zeitgenössische Geschichte und über die Religionskriege in Frankreich, kamen sicherlich durch seine eigene Erwerbung in die Bibliothek, die im 16. Jahrhundert nicht frequentierte französische Belletristik (schöngeistige Literatur) zeigt wiederum nicht das Interesse eines seiner Familiaren. Eine Gruppe der geschichtsphilosophischen und politiktheoretischen Bücher, unter denen be­sonders Jean Bodins „La république” hervorzuheben ist, kann ebenfalls seiner Erwerbungstätigkeit zugeschrieben werden. Wenn diese Bücher erhalten geblie­ben wären, würden wir Sie mit großen Interesse durchblättern. Mit dem Posses­sor­vermerk Boldizsár Batthyány sind uns aber leider nur diejenigen Bü­cher erreichbar (nur diese wurden aufbewahrt?), die aus seiner Bibliothek zunächst in die evangelische Schule von Güssing, dann nach Katholisierung seines Enkels Ádám Batthyány in das örtliche Franziskanerkloster gelangten. Die nähere Unter­suchung des reichen Handschriftenmaterials, der frühen Drucke, aber vor­wiegend der Werke der protestantischen Theologie, ermöglicht uns, betreffs der Sammeltätigkeit des Freiherrn Boldizsár Batthyány mehrere Folgerungen zu ziehen.

Es ist auffallend, daß diese Bücher von ihm allem Anschein nach nicht gelesen wurden, allenfalls nicht in solcher Weise, daß das Lesen von bemerkens­werten Reaktionen begleitet gewesen wäre. In den mittelalterlichen Kodizes finden wir keine Eintragungen außer Possessorenvermerken von ihm, er besaß mehrere Exemplare der frühen Breviarien aus Esztergom (Gran), in allen diesen Exemplaren sind autographe Eintragungen zu finden. In den für ihn zeit­genössi­schen rhetorischen bzw. philosophischen Werke emendierte er ab und zu die Druckfehler der ersten Kapitel, die Bücher scheinen (und das gilt besonders für die theologischen Werke) nicht allzu benützt zu sein. Nach ihrer Aufstellung im Bibliotheksraum des Franziskanerklosters wurden sie sicherlich kaum gelesen, aber weder die Familienangehörigen (Boldizsár und Ferenc) noch die Lehrer der evangelischen Schule und die Pfarrer haben uns in den Büchern schriftliche Spur über ihre Lesetätigkeit hinterlassen.

Das kann soviel bedeuten, daß Boldizsár Batthyány mit dem Fleiß eines Bib­lio­philen die Bücher in seiner Umgebung und vermutlich des örtlichen, inz­wischen aufgelösten Augustinerklosters aufbewahrt und anschließend noch eigene Bücher kaufte. Der Ankauf von Büchern erfolgte teils während seiner Reisen aus seinem eigenen Interesse, er kaufte Bücher von den Erben des nach Frank­furt am Main geflüchteten Hugenottendruckers und Verlegers André Wechel (Jean Aubry), deren Rat folgend von dem Wiener Erhardt Hiller und natürlich gemäß den Vorschlägen der Gebildeten seiner humanistischen Hof­haltung und evangelischen Umgebung. Er stand mit seinen Verwandten, unter diesen auch mit der Familie Zrínyi in Ozaly, in engem Kontakt. Da sich die Verwalter der Zrínyi-Familie oft in Venedig aufhielten, brachten sie auch Bücher mit sich nach Hause und empfahlen auch dem Freiherrn Boldizsár Batthyány Lesestoffe.29

Nach dem Zeugnis der erhalten gebliebenen Bände (das gilt gleichfalls als repräsentatives Muster für uns) kaufte Freiherr Boldizsár seine Bücher mit dem Einband des Verlags, er verwendete keinen Buchbinder. Er hat seinen Namen in alle Bücher eingetragen, auch wenn er diese später nie in die Hand nahm. Ein Batthyány-Exlibris ist uns nicht bekannt, ein zeitgenössischer Katalog wurde von ihrer Bibliothek nicht angefertigt.

Sein Sohn und Enkel hatten rege Kontakte mit den ungarischen Gelehrten der Zeit und legten auf die ungarischen Drucke ständiges Augenmerk. Der Katalog ihrer Bücher aus den Jahren 1651–1656 enthält zahlreiche Hungarica. Die Bücher von Ferenc und Ádám Batthyány kennen wir leider nur aus diesem Katalog, außerdem ist uns der Briefwechsel des Grafen Ádám züglich der von ihm unterstützten Bücher bekannt. Es versteht von sich selbst, daß der konvertierte Graf Ádám nebst seinen Ratgebern auch das katholische Gepräge der Bibliothek für wichtig hielt.30

Die Bibliothek enthielt zur Zeit des Freiherrn Boldizsár etwa 1000 Bände, der Gesamtbestand wurde im Laufe von zwei Generationen höchstens verdop­pelt.

Die schon erwähnte verwandte Zrínyi-Familie blieb immer katholisch. Zur Zeit von Ferenc Batthyánys Zeitgenossen György Zrínyi enthielt die Bibliothek in Ozaly 200 Bände, uns steht aber kein Bücherverzeichnis zur Verfügung. Aufgrund den Eintragungen in den Büchern von Miklós Zrínyi wissen wir Bescheid, daß sein Vater besonders darauf achtete, im Falle des Todes eines seiner auch Bücher hinterlassenden Verwalters diese Bücher von der Witwe oder von den Erben zu kaufen.

Die zwei Söhne Péter und Miklós gründeten je eine Bibliothek. Péter blieb in Ozaly, und die, nach seiner Hinrichtung (1671), beschlagnahmten Bücher sprechen dafür, daß der kroatische Dichter gebildet, geschichts- und rechts­kundig war.31 Viel interessanter ist die Buchsammlung des ungarischen Dichters Miklós in Csáktornya. Ihre inhaltliche Zusammensetzung ist nicht typisch für den zeit­genössischen Adel, diese Tatsache macht sie aber noch interessanter.32
In Ermangelung ausreichender Dokumente könne wir uns keine einheitliche Vorstellung über die Gesamtheit der Nádasdy-Bibliothek in Pottendorf ma­chen.33 Die Gemäldesammlung mit den die Bibliothek betreffenden vorhan­denen Angaben des 1671 hingerichteten Ferenc Nádasdy ermöglicht uns an­zunehmen, daß er wohl eine solche Bibliothek angesammelt hat, die größten­teils die Erudition des Besitzers bereicherte und die daneben nicht zum Dienste einer nationalen oder regionalen kulturpolitischen Rolleübernahme eingerichtet wurde, sondern weil einerseits die unmittelbare Umgebung des Aristokraten das Vorhandensein bestimmter Bücher für „comme il faut” nötig hielt, andererseits das Buch einen Wert verkörpert und daher bewahrt werden mußte. Wir wollen nicht behaupten, daß Ferenc Nádasdy seine Bibliothek als Anlagegut betrachtet hat, denn diese Erscheinung tritt in Ungarn erst während des 18. Jahrhunderts auf, es ist aber mit Sicherheit zu sagen, daß der wesentliche Teil der Bücher nicht für das Erreichen der politischen Ziele und für Erweiterung der politischen oder wirtschaftlichen Kenntnisse des Grundbesitzers, der sich in seinen wirtschaft­lichen Angelegenheiten auszukennen wünscht, bestimmt war, und sie war nicht einmal die Fachbibliothek für den Historiker Nádasdy. Die noch vorhanden annähernd 150 Bücher verblieben uns in gut erhaltenen Einbänden, gerade diese Werke dürfen von Nádasdy nicht so oft gelesen worden sein.

Nach den Verzeichnissen aus den Beschlagnahmsprotokollen stellen die in der Österreichischen Nationalbibliothek aufbewahrten Bücher bestimmt nicht die ganze Sammlung denn sie bilden keine geschlossene inhaltliche Einheit, und sie reichen nicht einmal zur Zusammenstellung des „Mausoleum” aus. Manche Teile des Verzeichnisses beginnen auch folgendenmaßen: „Ex classe ...” mit der Bezeichung des Faches. Wenn wir nicht irren, spiegelt das Verzeichnis von Pottendorf aus dem Jahre 1672, das nur die weggebrachten Bücher auflistet, die ursprüngliche Fachordnung der Bibliothek wieder. Nádasdy hielt also eine geordnete Bibliothek, obwohl die Auswahlkriterien traditionell, ziemlich veraltet, den mittelalterlichen nahestehend waren (Bibel, Werke von Kirchenväter, Redesammlungen, Glaubensstreite, Humanisten, Theologia speculativa, Recht, Medizin, Philosophie–Politik–Mathematik zusammen, weltliche Geschichte, Kir­chen­geschichte). Es ist undenkbar, daß diese Ordnung von Nádasdy selbst aufgestellt worden ist.



Pál Esterházy besaß mehrere Bibliotheken, die bedeutendsten in Eisenstadt bzw. in Forchtenstein.34 Uns hinterblieb nur der Katalog der letztgenannaten aus den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts. Die Tendenz, die schon im Zusam­men­hang mit Ferenc Nádassdy angedeutet wurde, scheint bei Forchtensteiner Sammlung sich zu verstärken. Diese Bibliothek ist zwar die des barocken komponierenden Aristokraten, aber bei8 weitem nicht mehr eine funktionell, aus begrenzten Mitteln, auf einem engen Buchmarkt beschafte Sammlung, und auch keine von den Alumnen zusammengebrachte Hofbibliothek. Bezeichnend daß, wenn ein Springbrunnen zu einem der Schlösser errichtet werden sollte, 20–30 hydrographische Werke, zum Teil zur Demonstration, zum Teil für den Baumeister, angekauft wurden. Es waren nämlich genügend Geld und Leute, die die Bücher auswählten, vorhanden, und die begehrten Bücher waren auf dem europäischen Buchmarkt auch erreichbar.

Wir müssen die Fachordnung der Forchtensteiner Bibliothek auch anspre­chen (bei der Untersuchung des Bücherkanons ist die Reichenfolge verschie­de­ner Fächer auch wichtig!): Recht, Medizin, Politik–Geschichte zusammen, Kriegskunst–Geometrie, Zoologie, Botanik (getrennt!), „Canonici” (hauptsäch­lich Dekrete), „diversi antiqui oratores”, Astrologie–Mathematik–Chemie zusam­men, Geographie, Topographie (getrennt!). Wenn wir das Verzeichnis von Se­bastian Ferdinand Dobner über die geographischen und hydrographischen Werke (die sich nicht in Forchtenstein befanden, wo das Fach Geographie mit 10 Büchern repräsentiert wird) hinzunehmen, dann zeigen die insgesamt 650 Bücher, daß die Erudition von Esterházy sehr modern war, sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Vergessen wir nicht, daß das Französische in adeligen Kreisen gerade in diesen Zeitraum obligatorisch wird. Während die Französisch­kennt­nisse des Boldizsár Batthyány neben den nicht so oft vorkommenden italie­ni­schen und den selbstverständischen Latein- und Deutschkenntnissen als selten anzusehen waren, wurde das Französische zu Zeiten Esterházys sogar in Ungarn unter den gebildeten Aristokraten üblich.

Die dem Wiener kaiserlichen Hof nahestehenden ungarischen Hochadeligen hatten sich also bis zur zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auch in ihren Buchkaufsgewohnheiten wesentlich gewandelt, genau, wie sich die Wende bei ihnen vollzieht, daß statt der theoretischen Bildung die Vorbereitung zur künftigen politischen, weltlichen Rolle in Vordergrund steht. Während Zsigmond Széchényi 1699–1702 an eine Kavaliers-Tour unternahm, ging sein Zeitgenosse, der Siebenbürger Pál Teleki, den traditionellen Weg der Peregrinatio Academica. Dieser Unterschied zwischen den Bildungsgewohnheiten des ungarischen und siebenbürgischen Hochadels deutet schon den Unterschied an, der sich auch in den Bucherwerbsgewohnheiten manifestiert.35

Zurück zu einem Ausgangspunkt unserer Studie: Abgesehen von den großen Bibliotheken der Herrscher und Kurfürsten blieb die Buchkultur und die Bildung des westungarischen Hochadels im Vergleich mit der des zeitgenössischen europäischen Adels nicht zurück.36 Es zeigen sich natürlich Abweichungen im Charakter und im Inhalt der Erudition, und falls ein westeuropäischer Adeliger sein spezifisches Interesse mit der Einrichtung einer Quasi-Fachbibliothek befriedigen wollte (sei es Politiktheorie oder Beschreibungen der Neuen Welt), bereitete ihm die Besorgung der Bücher keine Schwierigkeiten. Die ungarische Buchkultur verfügte hingegen über keine Infrastruktur, und die Gründer oder Eigentümer von Bibliotheken waren in der frühen Neuzeit auf mittelalterliche Methoden bei der Buchanschaffung angewiesen. Der ungarische Aristokrat (und das stimmt allgemein auch für alle gesellschaftlichen Schichten) las vielseitiger und berührte dabei mehr Fachgebiete als die europäischen Klassengenossen. Dies ergab sich aus dem Umstand, daß zwischen den Verleger und den Leser ein dritter treten mußte (zB. ein Auslands-Student, ein Diplomat, ein Textilhändler, ein Verwalter etc.), der seinen persöhnlichen Geschmack auch durchzusetzen vermochte, und auch daraus, daß die hochadeligen Höfe in Ungarn lange Zeit ihre Schul-, Kirchen- und allgemein kulturorganisatorischen Aufgaben beibe­hielten, die eine inhaltlich heterogenere Zusammensetzung der Sammlungen erforderten.

III. Bürgerliche Bibliotheken
Was die Dokumente betrifft, sind wir in einer günstiger Lage: Private bürger­liche Bibliotheken kennen wir aus allen geographischen Gebieten des Landes. (Hier bildet natürlich das von den Osmanen besetzte Gebiet wiederum eine Ausnahme.) Uns steht reiches Quellenmaterial aus den sächsischen lutherischen Städten von Siebenbürgen (Brassó, Nagyszeben, Beszterce, Kolozsvár), aus den ethnisch und religiös nicht homogenen Städten von Oberungarn (Kassa, Lőcse, Selmecbánya, Besztercebánya) weiter aus Sopron zur Verfügung.37 Es ist mit Nachdruck festzustellen, daß wir bis zum Ende des 16. Jahrhunderts nur solche bürgerliche Bibliotheken kennen, deren Possessor ausnahmslos deutscher Nationalität waren und der lutherischen Kirche angehörten. Diese ethnische Zusammensetzung wurde zwar im 17. Jahrhundert heterogener, die deutschen Einwohner behielten aber die Dominanz.
Diejenigen Nachlaßinventare aus Westungarn, die auch Bücherverzeichnisse enthalten, bieten eine genügende Basis zu dem Vergleich der Lesestoffe von Bürgern verschiedener Städte. Ich möchte daran erinnern, daß uns folgende Bücherverzeichnisse dieses Quellentyps zur Verfügung stehen: aus Kőszeg 27, aus Rust 33, aus Sopron 144, und zum Schluß aus Eisenstadt und Neusiedl am See je 2. Wollen wir einen Vergleich mit jenen Gebieten und Städten anstellen, wo die programmatische Forschung schon abgeschlossen wurde, ergeben sich folgende Daten: Beszterce 78; Kolozsvár 32; Kassa 69; Lőcse 71; Besztercebánya 113; Körmöcbánya 32; Selmecbánya 73.
Die thematische Zusammensetzung der Bücherbestände

Uns steht nur über die Buchkultur der Bergstädte in Oberungarn und der Stadt Ödenburg eine detaillierte Aufarbeitung zur Verfügung, über Kőszeg, Kassa und die sächsischen Gemeinden in Siebenbürgen gibt uns die Sekundärliteratur einen umfassenden Überblick. Die Erforscher der Lesekultur bestimmter ungari­schen Städte (aus der jüngeren Generation zB. Viliam Cicaj, Tibor Grüll, Károly Kokas und Gábor Farkas)38 macht den Versuch, nach der Analogie der Erfor­schung der bürgerlichen Lesekultur in Europa die eigenen, aus der For­schungs­arbeit gewonnenen thematischen Gruppen zueinander in Verbindung zu stellen. Es gibt keine international anerkannte wissenschaftliche Terminologie. Diese thematischen Gruppen basieren wesentlich auf dem System des Katalogs, die klassischen Autoren bilden aber im Fall eine Sondergruppe, obwohl die Verfasser und die Werke auch nach ihrer eigentlichen Thematik (Geschichte, Philosophie etc.) einzuordnen wären. Diesmal liegt uns keine der bisher ange­wandten Gruppierungen als Muster vor, wir sind lieber bestrebt, die Bücherverzeichnisse der Nachlaßinventare aus den drei Städten (Sopron, Kőszeg, Rust) aus theo­lo­gischer, philosophischer, geschichtsphilosophischer und politik­theo­re­tischer Sicht auszulegen. Auf dieser Basis kann die jüngst öfters dargelegte These der neueren historischen Monographien überprüft werden, daß das 16. Jahrhundert die Zeit des Laizismus sei, ab dem zweiten Drittel des 17. Jahr­hunders aber der Prozeß der Retheologisierung wahrzunehmen sei. Das ist zB. das For­schungs­ergebnis von Katalin Péter, die ihre Folgerung aus der the­ma­tischen Analyse der in Ungarn gedruckten Werke gezogen hat.39

Wir sind natürlich nicht der Meinung, daß der Vergleich der Frequenz von klas­sischen Autoren und grammatischen bzw. rhetorischen Werken überflüssig und ohne Ergebnis wäre. Die Forschungen von Tibor Grüll weisen wesentliche Unter­schiede der Frequenz griechischer und römischer Autoren in den Lesestoffen von Kas­sa und Sopron auf: Im Durchschnitt sind in Kassa mehr Klassiker zu finden, un­ter den griechischen Autoren kommen Homer und Platon häufig vor, in Sopron aber selten oder nie. In Kassa sind die Werke von Ovid stark repräsentiert, in Sop­ron die von Virgil. In Sopron kommen die Autoren Cicero, Terentius, Caesar und Ta­ci­tus häufig vor, in Kassa ist Livius beliebt. Dies sind interessante Forschungs­er­geb­nisse, wir halten aber die Tatsache für wichtiger, daß die Lesestoffe in Kőszeg und Kassa ähnlich sind. Obwohl in Kőszeg die beliebten klassischen Schulautoren mit denen in Sopron gleich­zustellen sind, gibt es einen wesentlichen Unterschied: Es ist nämlich auffallend, daß die Verzeichnisse in Sopron und seit 1662 in Rust im­mer weniger klassische Autoren enthalten, die von in Kőszeg und Kassa aber gibt keine Änderung. Diese Tatsache kann damit erklärt werden, daß die Bürger von Sopron und nach unserer nicht vollkommenen Kenntnis, auch von Rust im letz­ten Drittel des 17. Jahrhunderts nicht mehr die antiken Geschichten, Histo­rien oder moralischen Meditationen gelesen haben, sondern, wie bei Tibor Grüll un­ab­hän­gig von diesem Themenkreis festgestellt wird, das zwei Jahrhunderte lang po­pu­läre Narrenschiff von Sebastian Brandt, das Narrenherz von Aegidius Albertinus, die Paraphrasen des Faustbuchs, den spanischen Amadis-Roman auf deutsch, selte­ner Rabelais, aber schon im Erscheinungsjahr den Simplicissimus. Die antiken Schul­autoren sind nur in der Schulpraxis erhalten geblieben oder stan­den den Lesern neuer Auflagen zur Verfügung. Die Identifizierung dieser in den Ver­zeich­nis­sen meistens nur mit den Autoren aufgenommenen Auflagen ist nicht mehr mög­lich. Es wäre aber sehr wichtig zu wissen, welche Auflage in der Bibliothek stand.

Kommen wir auf die Frage der drei untersuchten Städte zurück, aber halten wir uns die sekularisierenden Tendenzen vor Augen. Die Forschungsergebnisse zeigen im Falle von Sopron eindeutig auf, daß gegen Ende des 17. Jahrhunderts — unabhängig vom Beruf der Possessoren — auch geographische Werke in die Bibliotheken aufgenommen wurden, etwa ein Viertel der Possessoren besitzt geographische Werke. Die in Europa besonders beliebte Serie Respublika der Elsevirs ist auch in Sopron populär. Die Forschung muß natürlich auch die Zusammenstellung der Bibliothek immer ins Auge fassen: Es gibt Unterschiede, wenn diese Taschenbücher neben historischen Werken (wie z.B. in Kőszeg) oder Reisebeschreibungen (wie z.B. neben den Werken von Johannes Magister oder Martin Zeiller etc.) bzw. neben der geographischen Einführung von Philippus Cluverus zu finden sind. Es ist interessant, aber für den realen Buchbesitz in Sopron charakteristisch, daß die Bibliotheken neben reichem geographischen Material nur sporadisch astronomische Werke enthalten. In dieser Hinsichticht kann das Verhältnis zwischen den astronomischen und botanischen Werken der bearbeiteten Bibliotheken in Sopron für typisch gehalten werden: die ersten sind mit weniger als zwanzig, die letztgenannten mit fast dreißig repräsentiert.

Diese Gruppe enthält natürlich die verschiedenen Auflagen des Werks von Dioscorides Pedianos und die zeitgenössischen Herbarien bzw. das Buch von Clusius über die pannonischen Pilze.

Die Zahl der mathematischen, physichen und chemischen Facharbeiten ist noch gering, nimmt aber bis zum Beginn des 18. Jahrhundert wesentlich zu. Als Grenze der Säkularisation kann aufgefaßt werden, daß die Kochbücher, wenn sie überhaupt von dem Scriptor angegeben wurden, in Sopron ohne Ausnahme handschriftlich erhalten sind. Demgegenüber kommen machmal Werke über Würfelspiel und Schach vor.

Bis jetzt wurden die Lesestoffe in Sopron und Kőszeg verglichen. Das Quellenmaterial in Rust bezeugt, daß der Ort im Geschmack Sopron nahe-, ökono­misch aber zurückstand. Das Verhältnis zwischen den einzelnen thema­tischen Gruppen wird uns erst nach dem Abschluß der Forschungsarbeit und einer elektrischen Datenverarbeitung klar werden. Soviel kann aber schon jetzt festgestellt werden, daß sich die Bücherverzeichnisse in Rust von denen in Kőszeg wesentlich unterscheiden.

Die Feststellungen über die drei Siedlungen besonders über den Sonderfall von Kőszeg können wesentlich erweitert werden, wenn man die sg. theoretischen Gruppen in der Thematik untersucht. Das Militärwesen war überall unter­repräsentiert, es ist aber mit dem Unterschied zwischen den bürgerlichen und adeligen Bibliotheken zu erklären. Bücher, die das Militärwesen betreffen, waren in der Bibliothek derjenigen Possessoren, die, wie z.B. der Advokat in Sopron István Vitnyédi, im Dienste der Hochadeligen tätig waren.

Die Zahl der rechtswissenschaftlichen Werke und Gesetzbücher war im Vergleich zu den übrigen thematischen Gruppen überall ziemlich groß. Es ist aber wichtig zu betonen, daß diese Bücher im Besitz der Possessoren von relativ niedriger Zahl vorzufinden sind: im Besitz der Advokaten und Rechtskundigen bzw. derjenigen Bürger, die zum Mitglied des Stadtrats gewählt wurden und ein minimaler Rechtskenntnis bedurften. Neben den klassischen rechtswissen­schaft­lichen Handbüchern (wie z.B. den Werken von Justinian) sind deren Kom­mentare und deutsche Übersetzungen (z.B. die Institutiones-Übersetzung von Andreas Berneder) in den Bibliotheken zu finden. Außerdem wurden die Standardwerke derjenigen Professoren in den Bestand aufgenommen, die an den von den Studiosen dieser Städte frequentierten Universitäten unterrichteten. Als Beispiele können hier z.B. der Schüler von Melanchthon Valentin Forscher, der ebenfalls in Wittenberg tätige Rechtsgelehrte Matthias Wesenbeck, der römische Rechtsgelehrte in Heidelberg (früher in Padua) Julius Pacius de Beriga oder der Professor in Jena Malthaeus Coler erwähnt werden. Die Handbücher von Be­ne­dictus Carpov bedeuteten wesentliche Hilfsmittel bei den alltäglichen Rechtsfällen. Aus der Sicht der rechtswissenschaftlichen Bücher ist also kein beson­derer Unterschied der Buchbestände in den untersuchten Städten aufzu­zeigen.

Die Geschichte ist in Rust nur sporadisch vertreten. In den Verzeichnissen von Sop­ron und Kőszeg sind die klassischen Historiker vor allem als Schulautoren vor­han­den. Die protestantische Geschichtsschreibung war — unabhängig vom Beruf der Possessoren — sehr populär. Die Werke von Johann Carion und Johannes Slei­da­nus, die Geschichte der einzehnen Länder (z.B. die Chronik von Sebastian Franck oder die Germania Sancta des Wiener Rechts­ge­lehrten Carolus Caraffa) ge­lang­ten schon in die Büchereien der Lehrer, Pfarrer und Rechtsgelehrten. Es ist auf­fallend, daß vorwiegend in Rust und Sopron, aber auch in Kőszeg Werke über das Osmanenreich kaum vorzufinden sind, aber auch die Zahl derjenigen his­to­ri­schen Werke ist äußerst gering, die auch die ungarische Geschichte behandeln.

Die Wende des 16. und 17. Jahrhunderts wird in der ungarischen Kultur­ge­schichte als eine Epoche des Späthumanismus betrachtet. Diese Meinung kann auch durch das Werk der führenden Intelligenz und die gleichzeitige Rezeption der europäischen Geistesströmungen (vielleicht zum letztenmal in unserer Geschichte) bestätigt werden. Neben den Angehörigen des Klerus sind solche Lebens­werke zu erwähnen wie das mehrschichtige Werk von János Decsi Baranyai bzw. das des Europäers Albert Szenci Molnár. In den Bibliotheken der eruditiven Vertreter der Intelligenz sind solche Geistesströmungen repräsentiert, wie z.B. der christliche Neostoismus, als die Moralphilosophie der späthuma­nis­ti­schen Gelehrtsamkeit, der Irenismus als die zentrale Richtung des politischen Denkens und eine der wichtigen theologischen Richtungen der protestantischen Kirche der Zeit, der im Sinne einer unio christiana auch die Möglichkeit der Befreiung von den Osmanen enthält.

Die Geschichtsphilosophie und die Politikwissenschaft sind nicht typisch für die bürgerliche Lesekultur der Zeit, an der Jahrhundertwende und anfangs des 17. Jahrhunderts kommen diesbezügliche Werke wie z.B. die von Hugo Grotius oder Christophorus Besoldus aus Tübingen tatsächlich nur sporadisch vor. Die Zahl der zeitgenössischen politikwissenschaftlichen Werke nimmt aber bis zur zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu. Dabei muß man aber auch die Unter­schiede beachten: In den Bibliotheken der Magnaten (Batthyány, Zrínyi, Nádasdy später Esterházy) ist eine starke italienische und französische Orientie­rung im gegebenen Themenkreis wahrzunehmen, demgegenüber sind in den Verlassenschaftsinventaren der drei untersuchten Städte fast ausschließlich deutsche Autoren vertreten, wie z.B. Georg von Schönborn, Christophorus Cella­rius, Georgius Horn, Christophorus Lehmann. Die Werke der wenigen italie­ni­schen oder französischen Autoren sind meistens in deutscher, seltener in latei­nischer Übersetzung vorhanden. Hier können z.B. die Tacitus-Kommentare von Traiano Boccalini als politikwissenschaftliche Traktate, das Werk von Tommaso Campanella über die spanische Monarchie oder die politische Bibliographie des französischen Arztes Gabriel Nudaeus erwähnt werden. Wir müssen hier darauf hinweisen, daß diese Autoren vorwiegend in den Soproner Inventaren zu finden sind. Der Fall Kőszeg kann ab der Mitte des 17. Jahr­hunderts als gutes Beispiel sogar eine Bestätigung für die erwähnte Theorie der Retheologisierung hervor­gehoben werden. Solche Werke sind aber häufiger, die sich an der Grenze der Politikwissenschaft und Moralphilosophie thematisch nicht eindeutig einordnen lassen. Die reine Politikwissenschaft ist selten. Die fiktive Marc-Aurel-Biographie von Antonio Guevara kann für typisch gehalten werden, besonders in Kőszeg kommt sie häufig vor. Das Werk von Justus Lipsius, das als Morallehre für die Untertanen, d. h. Bürger, geschrieben wurde, war neben seinem anderen Werk für die Fürsten über die fürstlichen Sitten sowohl in Kőszeg als auch in Sopron populär. Diese letzterwähnten Autoren sind ab der Mitte des 17. Jahrhunderts weder in Sopron noch in Rust bestimmend, in Kőszeg aber, wo die Zahl der ungarischen Bevölkerung inzwischen zunahm, behielten sie die Popularität weiter. Die Rezeption des Neostoizismus ist im Kreise der ungarischen Intelligenz (vorwiegend in Siebenbürgen) lange Zeit ununterbrochen. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Lipsius sogar neu übersetzt.

Auch diese Tatsache zeigt den ständigen Rückstand von den europäischen Ereignissen und die immer stärker asynchrone Rezeption der europäischen Geistesströmungen.

Der eigentliche Unterschied zwischen den Lesestoffen der drei Städte (Sopron, Kőszeg, Rust) kann aber am deutlichsten in der theologischen Literatur bzw. in den Büchern der alltäglichen Religionspraxis aufgezeigt werden.

Sowohl von der älteren als auch von den neueren Sekundärliteratur ist darauf hingewiesen worden, daß die lutherischen Lehren zunächst in Westungarn, in und um Sopron Echo fanden. Gleichzeitig muß aber festgestellt werden, daß die Reformationsgeschichte in Westungarn und vorwiegend in Kőszeg bzw. in der Gegend der Stadt nur eine relativ langsame Institutionalisierung der Kirche auf­weist: Das helvetische Glaubensbekenntnis hat sich erst 1612 als selbständige Richtung von den anderen separiert.

Die Lesestoffe in Kőszeg können im Vergleich zu denen in Sopron um die Wende des 16. und 17. Jahrhundert für heterogen gehalten werden. Die helve­tischen Autoren (Zwingli, Bullinger, Beza, Petrus Martyr, Hieronymus Zanchius und noch einige niederländischen Verfasser) sind relativ wenig repräsentiert, um so häufiger kommen aber diejenigen Autoren vor, die den sächsischen Philip­pismus vertraten und nicht an der Spaltung der Kirche interessiert waren. Diese Überzeugung hatten z.B. neben Melanchthon auch sein Schüler Zacharius Ur­sinus, der später zum Kalvinismus übertrat, David Chytraeus und im 17. Jahr­hundert Aegidius Hunnius und Martin Chemnitz. Die aus Heidelberg verbreitete theo­lo­gische Richtung des Irenismus ist ebenfalls stark repräsentiert: In den Lehrer- und Pfarrerbibliotheken sind alle Werke von David Pareus bzw. zahl­reiche von seinen Nachfolgern, wie von Abraham Scultetus und Johannes Pi­tiscus, zu finden. Das orthodox lutherisch Schrifttum ist demgegenüber relativ schwach vertreten: Vor allem kommen solche Autoren vor wie Johann Branz, Georg Maior, Johann Bugenhagen, Georg Nigrinus, Matthias Flacius Illyricus, Johann Wigand.

Die Dominanz des orthodoxen Luthertums ist auffallend in Sopron. Die Reihenfolge ist hier Luther, Philipp Kegelius, Johann Habermann, Conrad Diete­ricus und – überrraschend – Johann Arndt, ihnen folgt Johann Spangenberg; Melanchthon findet unter den ersten Zehn kaum einen Platz.

Für die Lesestoffe in Rust ist die Dominanz der lutherischen Ortodoxie charakteristisch, diese Dominanz entspricht dem Beispiel von Sopron. Die Frequenz der Autoren in Reihenfolge: Luther, Spangenberg, Selneccer, Aegidius Hunnius, Kegelius und Simon Pauli.

Die frühpietistischen Verfasser müssen näher behandelt werden. In Sopron kommen die Hauptwerke Johann Arndts, d. h. das Wahre Christentum und das Paradeißgartlein, ziemlich häufig vor, in Kőszeg ist auch der Name des Meisters Johann Gerhardt zu finden. (Sein Diskussionspartner Marcus Fridericus Wendelinus ist in den Inventaren ebenso vorzufinden!)

Balthasar Meisner ist ebenfalls in Kőszeg häufiger. Die Namen der heute noch geschätzten Autoren, wie z.B. der Name Jakob Speners, sind aber nicht vorhanden.

Abschließend soll also festgestellt werden, daß Kőszeg im Unterschied zu der lutherischen Orthodoxie von Rust und Sopron mehrere Richtungen des Pro­tes­tantismus aufweist, vor allem durch die Werke der Vertreter des sächsischen Philippismus und des Irenismus aus Heidelberg. Die Vermehrung der Bestände in Sopron zeigt die zunehmende Beliebtheit der weltlichen Themen, die Biblio­the­ken wurden größer und thematisch heterogener. Diese Bereicherung schei­terte in Rust vermutlich aus Mangeln an finanziellen Mitteln.

Am Ende des 17. Jahrhunderts verloren die Lesestoffe in Kőszeg an Aktua­lität. Die Zahl der Hungarica nahm verständlicherweise zu, die Tatsache kann aber auf die heftigen theologischen und religiösen Diskussionen des Jahrhun­derts­beginns zurückgeführt werden. Die Lesestoffe sind schon konservativ geworden. Die katholischen Verfasser, abgesehen von einigen katholischen Ver­lassenschaften, sind nur spärlich vorhanden. Diejenigen Werke sind in den Büchereien zu finden, die von der protestantischen Seite stark diskutiert wurden.


Die auf den vorgeführten Quellen basierende Statistik wird geeignet sein, die erwähnten Tendenzen genau aufzuzeigen. Es scheint aber wichtig zu sein, die von uns für charakteristisch gehaltenen Schwerpunkte schon hier darzustellen. Die genauen statistischen Angaben stehen uns etwa in einem Jahr zur Verfügung.

ABKÜRZUNGEN

ADATTÁR  —  Adattár XVI–XVIII. századi szellemi mozgalmaink történetéhez. (Materialien zur Geschichte der Geistesströmungen in Ungarn in 16–18. Jahrhundert.) Szerk./Hrsg. von: Keserű, Bálint.

ADATTÁR 11.  —  A magyar könyvkultúra múltjából. Iványi Béla cikkei és anyag­gyűjtése. Sajtó alá rend. és a függeléket összeáll. Herner János, Monok István. (Über die Geschichte der ungarischen Bücher und des Lesens. Ausgewählte Aufsätze und Forschungsangaben von B. Iványi. Hrsg. von J. Herner, I. Mo­nok.) Szeged, 1983.

ADATTÁR 12.  —  A Dernschwam-könyvtár. Egy magyarországi humanista könyv­jegyzéke. Kísérőtanulmánnyal közreadja Berlász Jenő. Sajtó alá rend. és a mutatót összeáll. Keveházi Katalin, Monok István. (Die Bibliothek Dernsch­wam. Bücherinventar eines Humanisten in Ungarn.) Szeged, 1984.

ADATTÁR 12/2.  —  A Zsámboky-könyvtár katalógusa. Gulyás pál olvasatában. Bev. Ötvös Péter. Bibliográfia: Varga András. Szerk. Monok István. (Die Bibliothek Sambucus. Nach der Abschrift von Pál Gulyás.) Szeged, 1992.

ADATTÁR 12/3.  —  Dudith András könyvtára. Részleges rekonstrukció. Össze­áll. utószó: Jankovics József, Monok István. (Die Bibliothek Dudith. Partielle Rekonstruktion.) Szeged, 1993.

ADATTÁR 13.  —  Magyarországi magánkönyvtárak. I. (1533—1657). Sajtó alá rend. Varga András. (Privatbibliotheken in Ungarn. Bd. I. 1533–1657.) Bp.—Szeged, 1986.

ADATTÁR 13/2.  —  Magyarországi magánkönyvtárak. II. (1580—1721). Sajtó alá rend. Farkas Gábor, Katona Tünde, Latzkovits Miklós, Varga András. (Pri­vat­bibliotheken in Ungarn. Bd. I. 1533–1657.) Szeged, 1992.

ADATTÁR 14.  —  Partiumi könyvesházak 1621-1730. Sárospatak, Debrecen, Szatmár, Nagybánya, Zilah. Sajtó alá rend. Fekete Csaba, Kulcsár György, Monok István, Varga András. (Bibliotheken in den Partium Regni Hungariae 1623—1730. Sárospatak, Debrecen, Szatmár, Nagybánya, Zilah.) Bp.— Szeged, 1988.

ADATTÁR 15.  —  Kassa város olvasmányai 1562—1731. Sajtó alá rend. Gácsi Hedvig, Farkas Gábor, Keveházi Katalin, Lázár István Dávid, Monok István, Németh Noémi. (Lesestoffe der Stadt Kaschau. 1562-1731.) Szeged, 1990.

ADATTÁR 16/1.  —  Erdélyi könyvesházak I. Jakó Klára: Az első kolozsvári egye­temi könyvtár története és állományának rekonstrukciója. 1579—1604. (Bib­lio­theken in Siebenbürgen I. Die Geschichte der ersten Universitäts­bib­lio­thek in Kolozsvár und die Rekonstruktion ihres Bestandes 1579–1604.) Szeged, 1991.

ADATTÁR 16/2.  —  Erdélyi könyvesházak II. Kolozsvár, Marosvásárhely, Nagy­enyed, Szászváros, Székelyudvarhely. Sajtó alá rend. Monok István, Németh Noémi, Tonk Sándor. (Bibliotheken in Siebenbürgen II. Klausenburg, Neu­markt, Nagyenyed, Broos, Oderhen.) Szeged, 1991.

ADATTÁR 16/3.  —  Erdélyi könyvesházak III. 1563–1757. A Bethlen-család és környezete. Az Apafi-család és környezete. A Teleki-család és környezete. Vegyes források. Sajtó alá rend. Monok István, Németh Noémi, Varga András. (Bibliotheken in Siebenbürgen. Bd. III. 1563–1757. Die Familie Beth­len und ihr Kreis. Die Familie Apafi und ihr Kreis. Die Familie Teleki und ihr Kreis. Miscellanea.) Szeged, 1994.

ADATTÁR 18/1.  —  Lesestoffe in Westungarn I. Sopron (Ödenburg) 1535–1721. Hrsg. von Tibor Grüll, Katalin Keveházi, József László Kovács, István Mo­nok, Péter Ötvös, Katalin G. Szende. Red. István Monok, Péter Ötvös, Ha­rald Prickler. Szeged, 1994. = Burgenländische For­schungen SB. XIV.

ADATTÁR 18/2.  —  Lesestoffe in Westungarn II. Kőszeg (Güns), Rust (Ruszt), Eisenstadt (Kismarton), Forchtenstein (Fraknó). 1535–1740. Hrsg. von Tibor Grüll, Katalin Keveházi, Károly Kokas, István Monok, Péter Ötvös, Harald Prickler. Szeged, 1996. = Burgenländische For­schungen SB. XV.

HÁZI  —  Házi Jenő: Soproni polgárcsaládok 1535–1848. 1–2. kötet. (Öden­bur­ger Bürgerfamilien 1535–1848. Bde 1–2.) Bp., 1982.

KtF I–VII.  —  Könyvtártörténeti Füzetek. I–VII. kötet. (Magán- és intézményi gyűj­te­mé­nyek Magyarországon 1533–1721.) Könyvjegy­zé­kek bibliográfiája. (Hefte zur Bibliotheksgeschichte Bd. I–VII. Private- und Institutionsbibliotheken in Ungarn aus den Jahren 1533–1721. Bibliographie von Buchverzeichnissen und Inventaren.) Szerk./Hrsg. von: Monok, István. Szeged, 1981–1991.

KUZMICH 1992.  —  Kuzmich, Ludwig: Kulturhistorische Aspekte der bur­gen­land­kroatischen Druckwerke bis 1921 mit einer primären Bibliographie. /Burgenländische Forschungen. Sonderband X./ Eisenstadt, 1992.

MONOK 1993.  —  Könyvkatalógusok és könyvjegyzékek Magyarországon 1526–1720. /Olvasmánytörténeti Dolgozatok V./ (Kataloge und Buchverzeichnisse in Ungarn 1526—1720. Aufsätze zur Lesege­schichte. Bd. 5.) Szeged, 1993.


RMK I–II.  —  Szabó Károly: Régi magyar könyvtár. I–II. kötet. (Alte ungarische Bibliothek. Bde. I–II.) Bp., 1879–1885.

RMNy  —  Régi magyarországi nyomtatványok. 1473–1600–1635. I–II. kötet. Összeáll. Borsa Gedeon et alii. (Alte ungarländische Druckwerke 1473–1600–1635. Bde. I–II.) Bp., 1971–1983.

SEMMELWEIS 1972.  —  Semmelweis, Karl: Der Buchdruck auf dem Gebiete des Burgenlandes bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts (1582–1823). /Bur­gen­ländische Forschungen. Sonderband IV./ Eisenstadt, 1972.
Bd.  —  Band

Bp.  —  Budapest

Cod.  —  Codex, Codices, Codicum etc.

D.  —  Dominus, Domini etc.

Fasc.  —  Fasciculus

Fol., fol.  —  folio

Hung.  —  Hungaricum

Lad.  —  Ladula

Lt.  —  Levéltár (Archiv)

MOL  —  Magyar Országos Levéltár (Ungarisches Staatsarchiv)

MS  —  Manuscriptum

No.  —  Numero

Nr.  —  Numerus

OSzK  —  Országos Széchényi Könyvtár (Ungarische Széchényi–National­biblio­thek)

ÖNB  —  Österreichische Nationalbibliothek

R. P.  —  Reverendus Pater etc.

S. J.  —  Societas Jesu etc.

SVL  —  Soproni Városi Levéltár (Stadtarchiv Ödenburg)

Tom.  —  Tomus etc.

Vol.  —  Volumen etc.




KŐSZEG  /  GÜNS

1

1535



Inventarium der Bücher der katholische Pfarrkirche
IX stück pergamenein geschriben messpüecher

V stück getrukt papirin messpüecher

Ain geschriben pergamenein psalter und

ain papirin getrukter psalter

(5) Zway pergamenein gradual und

zway pergamenein antiphonar

Auch ain papirer getrukter antiphonar

Ain pergamener grosser ordinarium oder messepuch

Ain getrukte bibel utrumque testamentum

(10) Stephani Novi sermones und sentenciarum(!) auf pergamen geschriben


Die Besitzerin war die katholische Pfarrkirche der Stadt.

Veröffentlicht: Kőszeghy, Sándor, MKsz 1894. 302.

Standort: Budapest, Magyar Nemzeti Múzeum Lt., Chernel család letéte (Archiv des Ungarischen Nationalmuseum, Depositen der Familie Chernel)

KtF VI. 1.

2

9. März 1594.



Verlassenschaft der Magdalene, Witwe des Sebastian Kegel
Inventarium Undt Abtheillung der Kegelischen Verlassung.

Inuentarium der büecher

Marci Tullij Rhetoricorum in folio

Peinliche Halsgericht Vnd geschribene Formular in folio

Examen Concilij Tridentini Martini Chemnitij in folio

Christian trimonij institutio Eras(mi) Rot(erodami)

(5) Nicolai

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