Kinder müssen lernen zu tun, was sie wollen




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Kinder müssen lernen zu tun, was sie wollen
Diese auf den ersten Eindruck provokativ erscheinende These ist eine der Erkenntnisse des letzten Fortbildungsseminars des Perspektivteams.

2. Vorsitzender des BLLV Bezirksverbands Niederbayern, Rainer S. Kirschner, konnte Herrn Dr. Alfred Schlesier als Referenten zum Thema „Erziehungsschwierigkeiten“ gewinnen. Dr. Schlesier arbeitet in der begabungspsychologischen Beratungsstelle der LMU München, hat eine eigene psychologische Praxis in Kirchseeon und unterstützt und coacht darüber hinaus Schulen und Lehrkräfte.


Das Seminar begann nach einer Vorstellungsrunde mit einer Übung, in welcher gruppenweise mitgebrachte Fälle aus dem Schulalltag rekonstruiert und auf Band aufgezeichnet wurden. In anschließenden Diskussionen beleuchteten die Seminarteilnehmer Lehreräußerungen kritisch, reorganisierten und reflektierten. Erziehungsschwierigkeiten entstehen immer dann, wenn der zu Erziehende1, also der Schüler, nicht so reagiert, wie der Erziehende, also der Lehrer das von ihm erwartet. Im Verlauf des Seminars erfuhren die Teilnehmer, dass diese Probleme nicht immer von den Schülern, sondern auch von Lehrern verursacht oder unterstützt werden können. Erschwerend auf die schulische Arbeit wirkt es sich aus, wenn Schüler Anweisungen erhalten, die sie als Befehl empfinden und sich weigern, diese auszuführen. Ein Befehlsgeber erwartet, so Schlesier, die unmittelbare Erfüllung des Auftrags in exakter Form, ohne Widerspruch oder Warum-Frage. Ein Mensch kann aber diese Anforderungen nicht erfüllen. Er läuft immer Gefahr, eine oder mehrere Bedingungen zu durchbrechen und die Erwartungen zu frustrieren, oft mit sehr unangenehmen Folgen. Schüler nehmen Aussagen oftmals sehr wörtlich. Eine Ermahnung, ein Störverhalten zu unterlassen in Form einer Frage kann sehr riskant sein. „Muss das jetzt sein?“ kann auch mit „Ja!“ beantwortet werden. Zielführender ist es, sich in die Rolle des Schülers hineinzuversetzen und zu überlegen, was eine bestimmte Aufforderung in einem Kind auslöst, welches Lehrerverhalten dieses auch kränken oder verletzen kann. Ohnmachtsgefühle können sich schnell in Wut verwandeln.

Wirksamer als Befehle ist eine gezielte Einflussnahme auf andere Menschen und ihre Absichten. Jeder Mensch ist ein Lebewesen, das in jeder Situation immer das Beste tut, was ihm zum Zeitpunkt der Entscheidung zur Verfügung steht. Jeder Versuch, etwas anderes zu verlangen oder gar zu erzwingen, muss als kränkend oder feindlich empfunden werden. Und- evolutionsbiologisch betrachtet- wäre es ungeschickt das zu tun, was der Feind sagt.


Gesprächspartner müssen sich also gegenseitig nicht nur freundlich, sondern nach Dr. Schlesier „freundhaft“ begegnen und aufeinander zugehen. Das erfordert:

  • klare Informationen des anderen über die eigenen Vorstellungen, Wünsche, Gefühle

  • Selbstbewusstsein, um Bedürfnisse klar mitteilen zu können

  • die Unterstützung das anderen bei der Betrachtung und Beurteilung seiner Pläne und Ideen

Beeinflusst werden kann das Handeln durch



  • Lernen am Modell

  • Appelle an das Verständnis

  • Alternativen

  • Raum zur Selbstfindung

  • angebotene Anreize

Der Gesprächspartner muss sich unterstützt und verstanden fühlen. Erreicht werden kann dies durch wohlwollendes Einfühlen, das durch stellvertretendes Sprechen sichtbar werden kann. Dabei versucht der Zuhörer mit seinen Worten den aktuellen inneren Zustand des Sprechenden zu beschreiben. Es kann auch nicht von Schuld gesprochen werden, daher sind Verurteilungen und Tadel keine angemessenen Werkzeuge. Jeder ist für sein eigenes Verhalten und seine Gefühle sowie seinen Anteil an einer Situation verantwortlich, nie für den eines anderen. Verantwortung können Menschen aber nur dann erkennen und übernehmen, wenn sie sich nicht angegriffen fühlen.


Für den Unterricht bedeutet dies, dass Ermahnungen und Zurechtweisungen nicht nur überflüssig, sondern auch kontraproduktiv sein können. Wichtig ist es, sich als Lehrkraft mit seinen Gefühlen den Kindern zu erklären und zu benennen, was ein Verhalten auslöst. So genannte „Ich-Botschaften“ beschreiben einen gewünschten Zustand und zeigen Wirkung, wenn sie wohlwollend und achtungsvoll formuliert werden. Abschließend wurde die Übung vom Anfang wiederholt. Dabei wurde durch die Anwendung des Erarbeiteten deutlich, dass Problemsituationen häufig vermieden, zumindest aber entschärft werden können.
Eine Demokratie kann es sich in unserer Zeit nicht mehr erlauben, Kinder zu Untertanen zu erziehen. Wir brauchen mündige Menschen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen und gestalten können. Unsere Aufgabe als Erwachsene und als Lehrer ist es, Kinder dabei zu unterstützen herauszufinden, was sie wollen, was sie brauchen und wie sie es bekommen. An die Stelle von Unterricht sollte Coaching treten mit dem Ziel: Ich helfe dir, es besser zu machen, eine für dich bessere Lösung zu finden.
Literaturempfehlung:

Thomas Gordon: „Lehrer-Schüler-Konferenz: Wie man Konflikte in der Schule löst“


Stefanie Horinek



1 Der Einfachheit halber wird nur die männliche Form verwendet.


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