Die Akademien der Platoniker im Altertum




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Die Akademien der Platoniker im Altertum.

Nebst Beiträgen zur Geschichte des Platonismus in den christlichen Zeiten.




Von Ludwig Keller.1

Eine ähnliche Bedeutung wie die Philosophie des Aristoteles sie für die Entwicklung der Kirchenlehre, insbesondere der Scholastik, seit alten Zeiten gewonnen hat, besitzt der Platonismus für die Lehrentwicklung derjenigen Geistesrichtungen, die, obwohl auf dem Boden des Christentums stehend, der Herrschaft der Scholastik sich nicht unterworfen haben. Aber während der Einfluss des Aristoteles hinreichend bekannt und gewürdigt ist, kann man das gleiche von der Einwirkung Platos nicht behaupten. Zwar kennt man z. B. die nahe Berührung, in welcher der Neuplatonismus und das Christentum der ersten Jahrhunderte gestanden haben, man weiss auch, dass der Gnostizismus trotz mancher Kämpfe nahe Beziehungen zum Neuplatonismus besessen hat, aber eine Geschichte ihrer Wechselwirkung und eine Darstellung der beiden grossen Systeme harrt noch des zukünftigen Meisters. Ebenso weiss man, dass die Renaissance des 15. und 16. Jahrhunderts, die doch zugleich auch ein Wiederaufleben älterer christlicher Gedanken darstellt, in ihren meisten Vertretern eine warme Verehrung für Plato an den Tag gelegt hat. Aber es fehlt bisher an geschichtlicher Klarheit über die Wurzeln dieser Erscheinung und wir wissen nichts genaueres darüber, wie weit die Ideen Platos die religiösen Auffassungen jener Kreise im einzelnen bestimmt haben.


[- S. 271 -] So wichtig nun die Untersuchung des Platonismus wie des Neuplatonismus gerade für das Arbeitsfeld und Ziel, das wir uns gesteckt haben, ist, so soll doch hier die Frage mehr angeregt als beantwortet werden. Die nachfolgende Abhandlung hat in erster Linie den Zweck, die Aufmerksamkeit auf die Organisation und die Formen der von Plato selbst im 4. Jahrhundert v. Chr. gestifteten Kultgenossenschaft zu richten, die er zum Träger seiner Lehre bestimmt hatte, um gleichzeitig am Schluss auf die verwandten Akademien der christlichen Zeiten zu verweisen.
Den äusseren Anlass zu dieser Untersuchung haben einige archäologische Funde der neueren Zeit gegeben, deren Zusammenhang mit den antiken Philosophenschulen unbestritten ist und deren symbolische Darstellungen an sich merkwürdig genug sind. Da die gleiche Symbolik sich in den sog. platonischen Akademien des Mittelalters und der neueren Zeiten wiederfindet, so schien es der Mühe wert, die Frage nach der Fortpflanzung der platonischen Ideen durch die Jahrhunderte wenigstens aufzuwerten.
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Erfüllt von dem Gedanken, die Grundsätze seiner Philosophie, die zugleich das gesamte sittlich-wissenschaftliche Leben und dessen Ausgestaltung umfassten, mit Hilfe eines mächtigen Fürsten zur Durchführung zu bringen, hatte Plato um das Jahr 390 v. Chr. von Athen aus grössere Reisen angetreten und war, nachdem er Ägypten besucht hatte, zuletzt in Unteritalien gewesen, wo er mit den Pythagoräern in nahe Beziehungen getreten war. Enttäuscht und mit fehlgeschlagenen Hoffnungen, soweit sie sich auf fürstliche Hilfe gerichtet hatten, kehrte er um 387 nach Athen zurück; aber er war weit entfernt, seine Pläne aufzugeben. Was auf dem einen Wege unerreichbar schien, versuchte er jetzt auf einem ändern: er entschloss sich, einen Bund zu gründen, der der Träger und Verbreiter seiner Gedanken sein sollte.
Es ist nicht zweifelhaft, dass Plato bei diesem Versuche ältere Vorbilder gehabt hat und man hat mit Recht auf den Philosophenverein des Pythagoras († um 507)2, der sich einst von Kroton aus über ganz Unteritalien und Sizilien verbreitet hatte, [- S. 271 -] wie auf die Schule des Thales (geb. um 624), die in Milet ihren Mittelpunkt besass, verwiesen3.
In viel grösserem Umfange, als wir es heute ahnen, strebten die Vertreter von Künsten und Wissenschaften im Altertume nach festen Organisationen längst vor Platos Zeiten4. Hinter und neben den uns zufällig erhaltenen Werken bekannter Meister und Schulhäupter bemerkt man bei näherem Zusehen, sagt H. Diels, eine zahlreiche und arbeitsame Schülerzahl, die nach der Art fleissiger Bauleute in zahlreichen Werkstätten thätig sind, das Material herbeischaffen, die Steine zubereiten und nach dem von dem Meister entworfenen und geleiteten Plane den Bau zur Ausführung bringen. So war es in der griechischen Kunst, besonders der Architektur, wo die Schulen die Bewahrerinnen der technischen Fertigkeiten und Geheimnisse bildeten, und so war es auch, in der Philosophie, deren Grundlagen seit Thales die Mathematik und die Geometrie gewesen sind.
Es hat gar keine Schwierigkeit, sagt H. Diels5, sich den Thales als den Mittelpunkt einer schon völlig regelrecht organisierten Innung zu denken. Diese Innung war nach dem Vorbild verwandter Genossenschaften für das ganze Leben geschlossen und entbehrte zugleich eines religiösen Elementes nicht.
Die Thatsache, dass Thales in hervorragender politischer Stellung thätig war, schliesst die Annahme aus, dass wir es bei den Organisationen, die er schuf, mit den Spielereien eines müssigen Kopfes zu thun haben. Die Philosophie, die er vertrat, - es war wesentlich Naturphilosophie - lässt eine mathematisch-naturwissenschaftliche Schulung erkennen, die sich an der Praxis gebildet hatte, und alle Anzeichen deuten darauf hin, dass die von ihm geschaffene Schule sich zäh durch die Jahrhunderte behauptet und einen grossen Schatz mathematischer und geographischer Kenntnisse den jüngeren Geschlechtern übermittelt haben muss6. Als sein vornehmster Nachfolger wird Anaximander (geb. um 611) genannt, der seinerseits auf seinen Zeit- [- S. 272 -] genossen, den Syrer Pherekydes, Einfluss besessen hat, während als dritter der weit jüngere Anaximenes von Milet (geb. um 525) in Betracht kommt.
Auf gewisse uns nicht näher bekannte Zusammenhänge mit der milesischen Schule, die nach Diels noch in der Zeit des Anaxagoras (gest. um 430 v. Chr.) bestanden hat, deutet die antike Überlieferung, welche besagt, dass Pythagoras, der zu Samos ums Jahr 580 v. Chr. geboren war, ein Schüler des Anaximander und des Pherekydes gewesen sei. In Unteritalien, wo Pythagoras um 530, aus der Heimat vertrieben, einen Wirkungskreis fand, erscheint er au der Spitze einer festen Organisation, die sittlich-religiöse und wissenschaftliche Ziele verfolgte: es ist der in der Geschichte hinreichend bekannte Bund der Pythagoräer7.

Die Zusammenhänge zwischen der Philosophenschule des Thales und des Pythagoras, auf die die Überlieferung hindeutet, könnten sich auch durch die Benutzung gleicher Quellen erklären: denn es steht fest, dass sowohl Thales wie Pythagoras die Lehren ägyptischer Weltweisen und Priester an Ort und Stelle kennen gelernt haben8.


Wie dem auch sein mag, so steht fest, dass uns von den Lehren des Thales und des Pythagoras, die beide nichts aufgezeichnet haben, nur durch die von ihnen gegründeten Schüler Nachrichten erhalten sind und dass die Schule des Sokrates nach der antiken Überlieferung mit den älteren Organisationen im Zusammenhang stand. Der Bund dieser Männer, in welchem das Zusammenleben an gewisse Formen und Regeln gebunden war, und in dem neben der Philosophie die Mathematik und die Musik mit Vorliebe gepflegt wurden, unterschied sich nach Diels (a. O. 247) vielleicht nur dadurch von den Jüngern, uns besser bekannten Philosophenvereinen, dass letztere das ethisch-politische Element mehr als jene zurücktreten Hessen und sich mehr auf die Pflege wissenschaftlich-religiöser Fragen beschränkten.
Plato hatte schon vor der Errichtung seiner Philosophen-Innung im Heiligtum des Heros Hekademos, der Akademeia, [- S. 273 -] das am Kephisos lag, jungen Leuten Vorträge gehalten; das in diesem Heiligtum vorhandene, mit Gartenanlagen und Wasserleitung versehene "Gymnasium" war der Sammelplatz des Sokratikers und seiner Schüler gewesen. Vor dem Eingang stand Bild und Altar des Gottes der Liebe, des Eros, und da Plato den Begriff der Liebe zum beherrschenden Mittelpunkt seiner Lehre gemacht hatte, so bot sich ihm hier eine erwünschte und wirksame Anknüpfung, indem dem Eros die Huldigungen der Schule dargebracht werden konnten.
Wir ersehen aus Platos Phädrus, wie er in der Anschauung des Ewigen, die ihm mit der Weisheit zusammenfiel, das Ziel alles Strebens erkannte. Der Weg zu diesem Ziel war ihm der Eros, die Liebe, und der Führer war der "Liebesdrang". Plato selbst wollte ein Diener der Liebe sein und gemeinsam mit Gleichgesinnten danach streben. Zwar war dieser Eros für ihn kein Gott in dem Sinne wie die Griechen ihre Götter verehrten, sondern nur der Mittler zwischen Himmel und Erde. Aber die gemeinsame Verehrung für die im Eros verkörperte Idee der Liebe konnte, wenn man sie zu benutzen wusste, die Formen für ein wissenschaftliches und geistiges Zusammenarbeiten und für eine feste Organisation abgeben, wie Plato sie erstrebte. Indem man einen Dienst des Eros und der Musen - auch die Philosophie war ja eine Muse - schuf, liess sich eine Genossenschaft mit sakralen Formen () stiften, wie man sie bedurfte, um vor dem Gesetz die Rechte einer Korporation zu gewinnen.
Es war nur eine Anpassung an herrschende Vorstellungen, wenn als religiöser Mittelpunkt der Kultgenossenschaft Apollo mit den Musen erscheint und wenn der Tag des Apollo Thargelios - es war zugleich der Geburtstag Platos - als Tag des Bundesfestes gefeiert ward.
Da nach athenischem Recht jede Kultgenossenschaft einen ihr gehörigen Ort für ihre Kulthandlungen besitzen musste, so schenkte Plato ein von ihm neben dem Dorfe Kolonos in der heute wie damals Akademeia genannten Niederung am Poseidonshügel erworbenes Grundstück der von ihm gestifteten Genossenschaft und überliess es ihr gemäss den Grundsätzen seiner pythagoräischen Freunde als gemeinsames Eigentum von Freunden9.
[- S. 274 -] Zugleich erbaute er hier für sich als Haupt der Schule ein Haus und schuf geschlossene Räume, in welche nunmehr die bis dahin öffentlichen Vorträge verlegt wurden. Zugleich stattete er die neue Genossenschaft mit Einkünften aus, die sich im Laufe der Zeit erheblich vermehrten.
Die Form der Kultgenossenschaft ermöglichte nach den bestehenden Rechtsverhältnissen der "Akademie" die Schaffung eines viel festeren Gefüges als sie anderen Genossenschaften möglich war: so war das Amt des von dem Bunde frei erwählten Schulhauptes (des ) ein lebenslängliches, das keiner staatlichen Aufsicht unterworfen war. Ausserdem gab es einen wechselnden Vorstand, der die Aufsicht über die Hörer besass und Schaffner, welche die an jedem Neumond stattfindenden Liebesmahle (Symposien) auszurichten hatten u. s. w.
Die Genossenschaft schuf sich auf ihrem Eigentum einen Tempel, in dem ein Altar angebracht war. Auch Säulen bezw. Pfeiler mit oder ohne Bekrönung, welche den heiligen Bezirk andeuteten, waren vorhanden10 und Bilder der Musen und Grazien, sowie Ehrenstatuen (z. B. die der Schulhäupter) zierten den heiligen Raum. Daher hiess der Tempel der Akademie auch das Museion.
Als eines der Sinnbilder des "Museum" galt, wie es scheint, die Sonnenuhr11, ohne dass wir einstweilen die nähere Bedeutung derselben kennen. Auch VVohoräume, Bücher, Hausrat und Sklaven waren vorhanden, und alle Mitglieder waren zu einer "philosophischen Familie" als Brüder vereint. Über der Thüre der Akademie stand der Spruch: "Nur dem Kenner der Geometrie ist der Eintritt gewährt" (), der doch unter Anderm beweist, dass der Zutritt nicht für Jedermann frei war.
Regelmässige Arbeiten vereinigten die Mitglieder an festen Monats- und Jahrestagen und feste Regeln und Bräuche herrschten bei jeder Zusammenkunft, gleichviel ob man zu Festen oder zu Arbeitssitzungen zusammenkam. Überhaupt gab es feste Gesetze12, deren Wortlaut aber als Geheimnis behandelt zu sein scheint; die [- S. 275 -]
Mitglieder nannten sich Freunde (), die durch Liebe zur Weisheit () verbunden waren; die Vertrauteren hiessen Bekannte () und Genossen ().
Die Zahl der Mitglieder umfasste, wie Usener sagt, "eine Stufenreihe von dem zum ersten Mal an die Wissenschaft herantretenden Jüngling bis zu dem selbständig forschenden Manne"13. Es bestand eine scharfe Scheidung zwischen einem engeren Kreise, den Forschern, und einem weiteren, den Schülern; diese Kreise zusammen mit dem Oberhaupt bildeten die Genossenschaft oder die Schule; die Scheidung zwischen den Schülern () und den Meistern () ergab sich schon daraus, dass nur die letztern das Recht hatten, das Schulhaupt zu stellen und zu wählen. Dagegen durften die Lehrlinge an dem Kult und den Opfermahlen, auch an den Unterrichts-Sitzungen teilnehmen und die Bücher benutzen.
Wir sehen aus den uns erhaltenen Resten der zeitgenössischen Litteratur, dass der Bund der Akademiker allmählich in weiten Kreisen Beachtung fand, dass er aber auch zahlreiche Gegner besass, die ihn zu verkleinern strebten. Besonders sind es gewisse Lustspiel-Dichter, welche die Akademie zum Gegenstande der Satire zu machen suchten; die Sittenstrenge, die man ihnen nachsagte, und die Abschliessung von der Welt wurden zu Anlässen von Angriffen genommen, welche in den grossstädtischen Theatern lauten Beifall fanden14.
Nach Platos Tode († 347) übernahm dessen Schwestersohn Speusippos bis 339 v. Chr. die Leitung der Akademie, sodann, bis 314 Xenokrates von Kalchedon und nach diesem Heraklides der Pontiker, dann Philippus von Opus, Hermodorus, Polemon, Krantor, Krates und Andere. Die Zahl der berühmten Schüler ist gross, wie denn z. B. Eudoxus aus Knidus (gest. um 355 v. Christus) sich als Mathematiker und Astronom einen Namen gemacht hat; er hatte (um 378) in Ägypten seine astronomischen Studien gemacht, wohin ihn Agesilaus an den dortigen König Nectanebus empfohlen hatte; auch in Sizilien und Tarent hielt er sich auf und errichtete im höheren Lebensalter zu Knidus eine Sternwarte.
[- S. 276 -] Es war natürlich, dass die Mutter-Akademie zu Athen allmählich Tochter-Verbünde an ändern Orten sich angliederte, wie es s. Z. die milesische Schule und der Bund des Pythagoras gethan hatten, welch letztere seit dem Emporkommen der Akademie aus unserem Gesichtskreis verschwinden und offenbar in den Hintergrund getreten sind. Was Diels von den Philosophenschulen im Allgemeinen sagt (siehe oben), traf auch hier zu: eine Schaar fleissiger Arbeiter war in zahlreichen Werkhütten thätig, jeder nach der Art seiner Begabung und Kräfte, aber "alle geleitet von einem baumeisterlichen Willen".
So entstand seit dem vierten Jahrhundert vor Christus eine feste Organisation, die unter der einheitlichen Leitung des Meisters in straffen Formen doch eine gewisse Freiheit der Bewegung gestattete und die Heranziehung mannigfaltiger Kräfte für das gleiche Ziel ermöglichte.
Es ist daher nicht zu verwundern, wenn sich die Schöpfung Platos als lebensfähig und überaus dauerhaft erwiesen hat. Wir können ihre Geschichte fast ein Jahrtausend hindurch verfolgen.
Um das Jahr 87 v. Chr. war Philon von Larissa, ein Schüler des Klitomachus, Leiter der Akademie. Er hielt sich während des ersten mithridatischen Krieges in Rom auf, wo ihn auch Cicero hörte. Dessen Schüler Antiochus von Askalon folgte dem Lehrer als Haupt der Schule bis in die sechziger Jahre, wo er starb. Zur Zeit des Augustus wirkten Eudorus, Arius Didymus und Andere, welche die Vorläufer des Neuplatonismus geworden sind.
Erst im Jahre 529 n. Chr. beschloss Kaiser Justinian die gewaltsame Anflösung dieser Akademien wie aller Philosophen-schulen und befahl die Einziehung ihres Vermögens. Es ist indessen sehr unwahrscheinlich, dass eine so alte Körperschaft, die tausend Jahre lang den Fährlichkeiten aller Umwälzungen getrotzt hatte und die selbstverständlich eine starke innere Kraft besass, mit einem Schlage vernichtet werden konnte. Zweifellos haben die erfahrenen Männer zwar in den verbotenen Formen ihre Arbeiten ruhen lassen, aber es wäre merkwürdig, wenn sie nicht heimlich Mittel und Wege gefunden hätten, in den Formen erlaubter Kollegien die alten Bestrebungen bis auf Zeiten fortzupflanzen, wo die Akademien unter staatlichem Schutz wieder ans Licht treten konnten.

[- S. 277 -] Als Apollo und die Musen ebenso wie die andern Götter und Göttinnen vom Staat für abgeschafft erklärt wurden, war zwar die äussere Form, unter der einst die "Familie" der Brüder nach pythagoräischem Vorbild eine Daseinsberechtigung vor dem Gesetz gesucht hatte, zerschlagen. Aber diese "Götter und Göttinnen" waren für die Platoniker immer nur Repräsentanten der Idee der Liebe und der Wissenschaften gewesen, welche Plato als Mittlerinnen zwischen Gott und den Menschen erkannt hatte. Es war gerade für diese Kultgenossenschaft die Verehrung des Apollo eine gleichgültige Ausserlichkeit; die Feuer, die auf ihren Altären brannten, brauchten durch die staatliche Abschaffung der heidnischen Götter nicht zu erlöschen.


Wenn die Akademien wirklich den Anschluss an erlaubte Organisationen fanden, so konnten sie als innerer Ring solcher Verbände sich eine gewisse Selbständigkeit bewahren. Als solche erlaubte Innungen boten sich die Gewerk-Vereine und die technischen Gewerbe um desswillen wie von selbst dar, weil die Pflege der Geometrie und Mathematik, die für eine Anzahl der wichtigsten Gewerkschaften sehr wesentlich waren, auch in den Akademien im Mittelpunkte der wissenschaftlichen Interessen gestanden hatte. Plato hatte zuerst erkannt, dass die Erscheinungen der unorganischen Welt nur insoweit unveränderlich sind, als sie durch mathematische Gesetze bestimmt werden. Die Erkenntnis dieser Gesetze wurde dadurch die Voraussetzung alles wissenschaftlichen Naturerkennens, und damit erhielt die Mathematik eine Tragweite, die man bisher nicht geahnt hatte. Jedenfalls wissen wir, dass die mathematischen und geometrischen Studien von Allen, die den Akademien angehörten, als wichtigstes Erkenntnisgebiet gepflegt und behandelt wurden. Überhaupt müssen wir den Akademien eine bedeutende Förderung aller exakten Wissenschaften zuerkennen15; selbst naturwissenschaftliche Sammlungen scheinen in dem "Museum" der Akademie neben Büchern und Kunstwerken einen Platz gefunden zu haben. Auch die Bücherherstellung und die Bücherverbreitung ging hier mit der Pflege der Wissenschaften Hand in Hand; oft erschienen Schriften von Schulgenossen auf Veranlassung und auf Kosten der Akademien.
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[- S. 278 -] Angesichts der Thatsache, dass aus den antiken Kultstätten unzählige Denkmäler in Bildwerken, Metopen, Säulen, Tempelhallen u. s. w. auf uns gekommen sind, wäre es auffallend, wenn in Bezug auf die Kultstätten der Akademien keinerlei Reste erhalten wären. Wir wissen ja, dass auch diese Kultgenossenschaften ihre Tempel, Altäre, Statuen und Bilder besassen. Indessen besitzen wir in der That einige Mosaikgemälde, die, wie es scheint, als Überbleibsel aus jenen Kultstätten in Anspruch zu nehmen sind. Jedenfalls sind die zuständigsten Gelehrten darüber einig, dass die betreuenden Stücke eine Versammlung der Akademie zur Darstellung bringen, dass die Figuren derselben zum Teil sakrale Bedeutung haben und dass die darauf sichtbaren Zeichen auf den platonischen Bund hindeuten.
Schon seit langer Zeit war den Archäologen ein Mosaik bekannt, welches s. Z. in den Trümmern von Sarsina gefunden worden war16. Es hat quadratische Form von 65 cm Höhe und Breite einschliesslich einer Einfassung von 10 cm Breite, welche ein mit Rebenblättern umwundenes Band darstellt.
Neuerdings, und zwar im Sommer 1897, wurde bei Pompeji in der Gegend von Torre Annunziata, die Civita genannt wird, ein zweites Mosaik gefunden von 85 cm Breite und 80 cm Höhe, auf welchem der gleiche Gegenstand wie auf dem ersteren behandelt wird17. Wir wollen das ältere Mosaik mit S und das letztere mit T bezeichnen.
[- S. 279 -] Beide Gemälde18 sind von sehr ungleicher Ausführung und gehören offenbar zwei verschiedenen Kunstepochen an. T ist nach Diels jedenfalls nicht jünger als der letzte grosse Ausbruch des Vesuv; da der Fundort, Torre Annunziata, südlich vom Vesuv liegt (jetzige Provinz Neapel, Kreis Castellamare di Stabia), so ist das Denkmal offenbar bei diesem Ausbruch mit verschüttet worden. S wurde, wie gesagt, in Sarsina (Provinz Forli, Kreis Cesena), also weit ab von Neapel, östlich des Apennins gefunden. Es ist in der Ausführung viel unvollkommener und deutet auf eine weit frühere Entstehungszeit hin.
Nach dem Urteil sachverständiger Archäologen, das ich mir erbeten habe19, ist es nicht zweifelhaft, dass unsere Mosaike einst in den Fussboden eines geschlossenen Raumes eingelassen waren. Auch darin stimmt die Ansicht der Sachverständigen überein, dass die Mosaiken in ihrer Ausführung einen schablonenhaften und handwerksmässigen Charakter haben. Das Interesse der Deutlichkeit überwiegt alle anderen Rücksichten derartig, dass jede künstlerische Feinheit und Berechnung fehlt und dass z. B. die Perspektive völlig vernachlässigt ist.
Daraus geht, wie ich glaube, hervor, dass hier nicht in erster Linie eine Kunstleistung beabsichtigt war, sondern dass Zwecke vorschwebten, wie wir sie z. B. bei Darstellung von Heiligenlegenden in der Geschichte unserer kirchlichen Kunst finden.
So nahe verwandt die Darstellungen sind, so hat doch jedes der beiden Gemälde Besonderheiten; eben diese Zusätze schliessen die (übrigens bisher von keiner Seite behauptete) Annahme aus, dass das eine Gemälde die Vorlage des ändern gewesen sein könne; vielmehr stimmen alle Forscher darin überein, dass eine gemein- [- S. 280 -] same Quelle vorhanden gewesen sein müsse. Alles spricht für die Annahme, dass wir in den Bildern zwei Ausführungen eines Gegenstandes vor uns haben, dessen Formen und Figuren fest überliefert waren, wie es für Kultzwecke der Fall zu sein pflegt.
Beide Mosaike verhalten sich vielleicht etwa so, wie zwei Darstellungen des Abendmahls Christi aus zwei Jahrhunderten; man wird bei beiden die Figuren der zwölf Apostel, die Gestalt Christi, Brot und Wein u. s. w. wieder finden, aber die Anordnung, Gruppierung, die ganze Auffassung wird eine verschiedene sein. Die Übereinstimmung entspricht den Bedürfnissen des Kultus, die Verschiedenheit den Anlagen der Künstler, die in verschiedenen Zeiten arbeiten.
Auf unseren Mosaikgemälden sieht man nun, in gleicher Art ausgeführt, drei Säulen, etwa in folgender, bei der überaus mangelhaften Perspektive der Bilder offenbar stark verzerrten Ordnung:

Die beiden Säulen Sch und St sind mit einander verbunden, die Säule W steht allein den beiden ändern gegenüber.
Die Orientierung wird dadurch angedeutet, dass man auf der oberen Seite des Bildes, der Perspektive und des verfügbaren .Raumes wegen etwas seitlich (nach rechts vom Beschauer) gerückt, die Akropolis von Athen angedeutet findet, die in südlicher Richtung zur Akademie gelegen war. Wenn man annimmt, dass der Künstler an dieser Stelle sich den Standpunkt des Beschauers gedacht hat, so würde derselbe zur rechten Seite die beiden Säulen Sch und St und zur linken die Säule W haben.
Die Säule W trägt auf ihrem Kapital eine Sonnenuhr, und die Bezugnahme auf die Sonne, die darin enthalten ist, lässt ver- [- S. 281 -] muten, dass die linke Seite des Beschauers als die Ostseite gedacht ist.
Auf beiden Bildern, sind die Säulen zwar von gleicher Höhe, aber in der Form ungleich; die im Osten stehende Säule (W) hat einen runden Schaft, die beiden westlichen (St und Seh) einen viereckigen und alle drei haben verschiedene Kapitäle; ausserdem findet sich auf W, wie gesagt, eine Sonnenuhr, auf St und Sch liegt ein Balken (Epistyl), durch den St und Sch sich als offenes Thor (Portikus, Bogenhalle) darstellen. Auf dem Epistyl sieht man mehrere Gefässe, deren Zweckbestimmung einstweilen nicht ganz klar ist, die aber in der Form antiken Lampen ähnlich sind. Da auch die Säule W eine Bezugnahme auf das Licht der Weisheit (die Sonne) zeigt - daher haben wir sie W genannt -, so wäre es möglich, dass auch die beiden anderen Säulen mit dem Licht in eine Beziehung haben treten sollen.
Auf beiden Gemälden sind vor und zwischen den Säulen in einer festbestimmten, gleichmässig wiederkehrenden Anordnung die Figuren von sieben Männern sichtbar. Nach Osten zu, wo die Säule W steht, sieht man vier Männer. Der eine (Nr. 1) sitzt unmittelbar am Fusse der Säule W. Einige Gelehrte haben vor dem Original die Gesichtszüge Platos erkennen wollen. Jedenfalls nimmt er auf dem Bilde einen erhöhten Sitz ein und trägt einen blauen Mantel20. Er soll, indem er als Mittelfigur angeordnet ist, als Lehrer und Meister bezeichnet werden. Er hält die Füsse kreuzweise übereinandergeschlagen; die rechte Hand ruht zwischen Brust und Hals, gleichsam als ob er das Kinn auf die Hand stütze oder ein Zeichen am Halse mache21.
Zur Rechten des Meisters sieht man eine vollbekleidete Figur (Nr. 2), welche stehend angeordnet ist. Zur Linken sitzt ein Mann (Nr. 3) mit ganz entblösstem Oberkörper, dessen rechter Unterarm im Winkel zum Oberarm erhoben ist und dessen rechte Hand eine Schriftrolle (Buch) hält. Auf der linken Seite von [- S. 282 -] Nr. 3 sieht man eine stehende Figur (Nr. 4), deren Oberkörper auf der rechten Seite unbekleidet ist und die auf beiden Mosaiken redende, stark bewegte Haltung zeigt. Auf dem Mosaik T hält Nr. 4 den rechten Arm in rechtem Winkel nach links und berührt mit der Hand eine Schriftrolle, die er in der Linken hält; auf S zeigt Nr. 4 mit einem Stabe auf den Fussboden, wo eine Kugel ruht, und es ist deutlich erkennbar gemacht, dass er spricht. Die Haltung des rechten Armes bei Nr. 3 ist auf beiden Bildern so gleichartig und so auffallend, dass sie vielleicht eine besondere Bedeutung hat; auch die Fussstellung stimmt auf beiden Mosaiken überein und zwar bei den Figuren 3 und 4.
Gegenüber, d. h. nach links unten (Westen bezw. Nordwesten) sind drei Männer angeordnet, von denen einer (Nr. 5) unmittelbar an der Säule St mit entblösstem Oberkörper sitzt, während sein Nachbar (Nr. 6) in der Richtung der Säule Seh mit halb entblösster Brust ebenfalls sitzt. Hinter beiden und zwischen den Säulen Seh und St sieht man nach Westen zu einen stehenden Mann (Nr. 7), der auf beiden Mosaiken eine Kopfbedeckung mit Binde oder Kranz trägt, blosse Füsse hat und die Brust halb entblösst zeigt; er schreitet nach rechts und soll als in Bewegung befindlich dargestellt werden oder als Wanderer.
Die Haltung des rechten entblössten Armes stimmt bei Nr. 5 und 6 auf beiden Bildern überein; jedesmal wird der Arm in einem rechten oder stumpfen Winkel nach der linken Seite des Körpers hinüber gebeugt, gleichsam als ob er von der linken Brust zum rechten Oberschenkel herabsinkend dargestellt werden solle.
Auf beiden Bildern erscheinen im Vordergrunde zwischen den in ost-westlicher Richtung sich gegenüber sitzenden Personen auf dem Fussboden mehrere figürliche Gegenstände, vor Allem eine Kugel (Globus, Sphaera, Himmelskugel22, auf deren Oberfläche bei T ein Netz sich kreuzender Linien so deutlich erkennbar ist, dass man die Zahl derselben feststellen kann; bei S zeigt die Kugel eine gleiche Anzahl einfacher Ringe, die durch die gewählten Farben des Mosaiks gekennzeichnet sind; der dem Beschauer zugekehrte Pol zeigt einen einfachen weissen Ring, dann folgen in Abstufungen zwei dunklere Ringe, während die Aquatorial-Linie schwarz ist; so entstehen sieben Ringe, die aber [- S. 283 -] bei T nicht durchkreuzt sind. Die gleiche Zahl von Ringen, die durch gekreuzte Linien abgeteilt sind, zeigt sich bei der auf S sichtbaren Kugel. Bei beiden Mosaiken ist unter bezw. vor dem Globus die Figur eines Kastens sichtbar, dessen Seiten die Gestalt eines länglichen Vierecks zeigen; man könnte die Figur auch für einen behauenen Stein halten. Endlich sieht man auf beiden Mosaiken einen bandartigen Streifen, der zwischen dem im Osten sitzenden Meister und den auf dem Fussboden vorhandenen geometrischen Figuren sich hinzieht und bei T zwischen den Füssen von Nr. 7 bis zu Nr. 4 verläuft und auf S als breites Band erkennbar ist.
Hiernach ergiebt sich für die drei Säulen, die sieben Männer, die Kugel mit den sieben Linien, den behauenen Stein u. s. w., eine Anordnung und Stellung, die offenbar eine beabsichtigte war. Es ist möglich, dass die Bekleidungsart der sieben Personen (die auf beiden Mosaiken genau die gleiche ist) und die sonstigen Abzeichen, die sie tragen, Hindeutungen auf die Ämter der Personen geben sollen. Die an der Licht-Säule im Mittelpunkte befindlichen Personen (l u. 2) sind an Körper und Füssen voll bekleidet, zwei zeigen halb entblösste Brust und blosse Füsse; zwei andere haben ganz entblösste Brust, aber bekleidete Füsse; während Nr. 7 halb entblösste Brust und blosse Füsse hat, aber im Unterschied von den übrigen, die barhäuptig sind, eine Kopfbedeckung trägt. In Bezug auf die Barte herrscht auf den Mosaiken keine Übereinstimmung. Nr. 7 hält ausserdem auf S in der rechten Hand einen Gegenstand, in welchem einige Gelehrte eine Schlange habeu erkennen wollen; auf T ist dies Symbol nicht vorhanden oder nicht mehr erkennbar. Die Person Nr. 3 hält auf beiden Mosaiken eine Schriftrolle, während auf S Nr. 4 statt der Schriftrolle (die sie auf T zeigt) einen Stab in der Hand führt.
In der oberen rechten Ecke (Nordosten) beider Mosaike sieht man die Zinnen einer Burg - es ist unzweifelhaft ein Hinweis auf die Akropolis beabsichtigt - angedeutet und zwar sind auf S sieben Zinnen, von denen sechs die Form unregelmässiger Steine und eine das Ansehen eines Turmes haben, erkennbar, während man auf T (soweit die Photographie deutlich ist) nur deren sechs wahrnimmt, während der Turm fehlt.
Soweit sind die Symbole auf beiden Mosaiken gleichartig. Daneben aber sind auf jedem Bilde einige Zeichen vorhanden, die [- S. 284 -] dem anderen fehlen und deren Dasein, wie gesagt, beweist, dass die beiden Künstler unabhängig von einander, wenn auch nach einem überlieferten Schema, gearbeitet haben. Auf T steht nämlich zwischen den Säulen ein Baum, der einen toten nach Westen gerichteten Ast unter den Portikus streckt; die nach Osten gerichteten Aste zeigen Blätterschmuck. Alle Gelehrten sind darüber einig, dass dieser Baum ebenso eine sakrale Bedeutung hat wie die drei Säulen; die letzteren bezeichnen einen geheiligten Bezirk (Tempel), den sie von der profanen Umgebung abgrenzen. Dieser Baum fehlt auf S. Ferner ist bei T auf dem Fussboden links (vom Beschauer aus gesehen) neben den übrigen mathematischen Figuren der Deckel und die Hinterwand eines Behälters sichtbar, dessen Zweck und Bedeutung unklar ist; beachtenswert scheint nur, dass die Hinterwand durch eine Diagonale deutlich in zwei durch Farben unterschiedene Dreiecke geteilt ist. Man sieht also auf dem Fussboden 1. die Kugel, 2. das Quadrat, 3. das Rechteck, 4. das Dreieck abgebildet.
Noch merkwürdiger, aber auch schwerer zu enträtseln, sind einige Symbole, welche S im Unterschied von T aufweist.
Zwischen der Burg oder den Zinnen und der Säule W sieht man nämlich deutlich die Figur eines länglichen Gebäudes, in welchem einige Gelehrte das Gymnasium haben erkennen wollen; man könnte auch sagen, es sei eine Hindeutung auf das Museion, in welchem die Sitzungen der Akademie stattfanden; links an das nördliche Ende des Hauses schliesst sich eine Figur, die ganz deutlich und bestimmt die Gestalt eines Auges zeigt; das Auge ist auf die sieben Männer gerichtet. Gleichlaufend mit dem rechtsstehenden Gebäude sieht man ein rätselhaftes Steingefüge, das einem halbverdeckten Grabgewölbe ähnlich sieht.
Es ist sehr wohl möglich, dass die auf unseren Bildern enthaltenen Figuren zugleich symbolische Andeutungen geben sollten, wenn es auch wahrscheinlich ist, dass die ausführenden Kräfte von den Ideen der Akademien keinerlei Ahnung hatten. Offenbar war dieser Sinn, wenn ein solcher vorhanden war, nur den Mitgliedern der Akademie verständlich, die ihre Arbeitsräume mit solchen Gemälden schmückten, und wahrscheinlich sollte er auch nur den Angehörigen der Kultgenossenschaften verständlich sein. Natürlich ist es heute ausserordentlich schwierig, klarzustellen, was damals im [- S. 285 -] Schosse dieses in sich abgeschlossenen Kreises vor Unberufenen sorgfältig geheim gehalten worden ist. Wir wissen nur soviel mit Sicherheit, dass eine Anzahl der besprochenen Figuren eine sakrale Bedeutung besessen hat.
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Schon ehe das Christentum zu Ausbreitung und zu Einfluss gelangte, lässt sich in denjenigen Kreisen der antiken Welt, welche von den Ideen der Akademien berührt waren - und diese Kreise waren gross - eine zunehmende religiöse Stimmung und sogar praktisch-religiöse Gestaltungs-Versuche beobachten, die an die Stelle des heidnischen Götterkults eine reinere monotheistische Religions-Auffassung setzen wollten.
Lange Zeit nahmen diese Versuche und die Männer, die sie vertraten, von dem damals aufstrebenden Christentum keine Notiz; als dann aber im zweiten Jahrhundert der philosophische Monotheismus zu einer Auseinandersetzung mit der Lehre Christi sich genötigt sah, da war es bezeichnenderweise zuerst von allen damaligen Philosophen-Schulen der Platonismus, der sich näher auf dessen Lehren einliess und eine freundliche Anteilnahme dafür bekundete; vielleicht hatte der aus Syrien stammende Platoniker Numenius (um 175) bereits in seiner Heimat das Christentum schätzen gelernt. Numenius, der sich mit den Lehren der Akademie sehr genau bekannt zeigt - er scheint zu dem engsten Kreise der "Vertrauten" () gehört zu haben - verbindet pythagoräische und platonische Lehren miteinander und behauptet, dass Plato das Wesentliche seiner Lehre dem Pythagoras verdanke, letzterer aber aus der Weisheit der Orientalen geschöpft habe23.
Kein Land hat dann für die Durchdringung griechischer und morgenländischer Religionsanschauungen grössere Bedeutung gewonnen als Ägypten, insbesondere Alexandrien, das seit Alexanders des Grossen Zeiten zum glänzendsten, volkreichsten und geistig bewegtesten Handelsplatz der östlichen Mittelmeerländer geworden war. Man weiss, dass hier der jüdische Hellenismus seine Blüte [- S. 286 -] erreichte und dass hier der Versuch der hellenistischen Juden, die griechische Philosophie mit den Lehren des mosaischen Glaubens zu einer einheitlichen Weltanschauung zu verschmelzen, mit grossem Eifer betrieben wurde. Was lag näher, als dass nach der Bekehrung zahlreicher Griechen und Juden zur Lehre Christi jetzt der viel aussichtsreichere Versuch erneuert wurde, die Philosophie des Plato in gleicher Weise mit der christlichen Religion zu einem einheitlichen System auszugestalten? Eben in Alexandrien wurde das dortige "Museion" zu einem Mittelpunkt für solche Bestrebungen.
Es konnte der Aufmerksamkeit der Christen bei der Feindschaft, mit der sie die Welt und die Philosophen verfolgten, nicht entgehen, dass es eben die Platoniker waren, die sich zuerst in freundlichem Sinne mit der Lehre ihres Herrn und Meisters auseinandersetzten, und begierig mussten sie die Gelegenheit ergreifen, um sich in den Centren dieser Schule, den Akademien, Freunde und Gesinnungsgenossen zu erwerben. Indem die gelehrten Wortführer des Christentums, vor allem die griechischen Kirchenväter der ersten Jahrhunderte, durch Anknüpfung an den Platonismus für ihre Religion zu werben suchten, nahmen sie thatsächlich manche Gedanken und Formen der älteren Schule in sich auf, und es bewährte sich auch hier die vielfach gemachte Wahrnehmung, dass das Christentum der ersten Jahrhunderte überall, wo es Fuss fasste, sich den örtlichen Organisationen erfolgreich anzupassen wusste.
Das Ergebnis dieser Entwicklung, die natürlich nicht überall die gleiche war, tritt uns in der Ausbildung des Neuplatonismus entgegen.
Ammonius Sakkas († 241), der wissenschaftliche Begründer des Neuplatonismus, war aus der Schule Platos hervorgegangen und dann zum Christentuni übergetreten. Da er indessen die Entwicklung, welche die Kirche damals zu nehmen begann, nicht zu billigen vermochte, trat er wieder zurück und verlegte seine Thätigkeit von neuem in die Philosophenschule, der er angehörte und deren Mitgliedschaft er vielleicht überhaupt nicht aufgegeben hatte. Jedenfalls hat er die religiösen Gedanken des Christentums, von denen er tief erfasst war, nie wieder aufgegeben24. So war und [- S. 287 -] blieb die christliche Spekulation, wenigstens in einigen ihrer Richtungen, in einer nahen Beziehung zur Lehre Platos; eben diese Verbindung beider Strömungen war es, durch die jene Religionsphilosophie ins Leben gerufen wurde, welche von ihren Anhängern als Neuplatonismus bezeichnet ward.
Die innere Verwandtschaft des Neuplatonismus mit dem Christentum der ersten Jahrhunderte wird heute ebenso von allen zuständigen Beurteilern anerkannt25, wie andererseits gerade die neuesten Forschungen gewisse Zusammenhänge zwischen Gnostizismus und Neuplatonismus ans Licht gebracht haben26.

Die bedeutendsten Schüler des Ammonius waren Plotinus (204-269 n. Chr.), der zuerst die Lehre des Neuplatonismus in systematischer Form entwickelt hat, und Origenes, der Neu-Platoniker, den man vielfach für identisch hält mit Origenes, dem Christen27, d. h. dem berühmten griechischen Kirchenvater.


Nach Karl Schmidts Untersuchungen gehörten zu dem Bunde, an dessen Spitze Plotin stand, auch Christen, welche in einer polemischen Schrift des Meisters "Gnostiker" genannt werden. Aus dem Text dieser Schrift erhellt, dass jene Christen in der Schule, die Plotin leitete, festen Fuss gefasst und Anhänger für ihre Sondermeinungen in dem Freundeskreise gefunden hatten. Obwohl es nun Plotin für eine Pflicht der Selbsterhaltung ansah, ihnen das Feld nicht vollständig zu überlassen, sondern die Meinungsunterschiede zwischen den Neuplatonikern und den "Gnostikern" in seiner Schrift klar zu stellen, so ist es doch für das nahe Verhältnis beider Richtungen und die mannigfachen Berührungspunkte zwischen denselben sehr bezeichnend, dass Plotin nach Schmidt den bekämpften "Gnostikern" keineswegs die Freund- [- S. 288 -] schaft aufkündigt; er giebt sich nicht einmal die Mühe, jene zu widerlegen, vielmehr will er offenbar nur verhindern, dass die Schule ganz in ihre Hände falle. Die Berechtigung der gnostischen Ansichten innerhalb der Schule wird nach Schmidt von Plotin ernstlich gar nicht mehr bestritten28.
Welcher Art die Vorwürfe waren, die Plotin seinen gnostischen Freunden macht, sieht man u. a. aus der Andeutung, dass jene auch "die schlechtesten Menschen Brüder nennen"; offenbar waren ihm die Beziehungen dieser Freunde anstössig. Eine allgemeine Charakteristik aber des gnostischen Christentums enthält die Plotinsche Schrift nicht; es ist nicht einmal sicher, ob sie sich nur auf einige bestimmte Personen oder im allgemeinen auf die Gnostiker bezieht29. Der genaueste heutige Kenner derselben, Karl Schmidt, erklärt, er habe bei Lesung des Buches so viele platonische Gedanken unter den Ansichten dieser Gnostiker gefunden, dass er begreife, wie deren Vertreter Freunde des Plotin sein konnten30. In Wirklichkeit geht aus der Plotinschen Schrift deutlich hervor, dass gewisse Richtungen des Christentums, die er Gnostiker nennt31, mit dem Neuplatonismus damals nicht sowohl im Streit als im Wetteifer standen.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Stellungnahme der Platoniker, wie sie sich aus der erwähnten polemischen Schrift des Plotin ergiebt, nicht überall die gleiche war. Man darf nicht vergessen, dass auch das Christentum seine Entwicklungsperioden gehabt hat, und dass diese Perioden sich in den verschiedenen Teilen des römischen Weltreichs keineswegs gleichmässig vollzogen haben. Es ist bei den Schwankungen, die wir bei vielen bekannten Philosophen in ihrer Stellung zum Christentum, je nach den Formen, in denen es ihnen entgegentrat, eintreten sehen, sehr wohl [- S. 289 -] möglich, dass selbst Plotin nicht immer die gleiche Ansicht gehegt hat, wie denn z. B. der Platoniker Porphyrius († 304) sich ein Menschenalter später entschieden gegen das Christentum in den ihm nahegetretenen Formen ausspricht.
Überhaupt steht ja fest, dass das freundliche Verhältnis zwischen der platonischen Philosophie und dem Christentum, wie es z. B. bei Justin dem Märtyrer († um 167 n. Chr.), dem "christlichen Platoniker", (trotz gelegentlichen Widerspruchs gegen die Philosophen), noch bemerkbar ist, allmählig nicht nur erkaltete, sondern seitens des Christentums, wie es sich seit Tertullian († um 240) entwickelte, in offene Feindschaft überging, die dann natürlich mit gleichen Empfindungen seitens der Philosophen erwidert wurde. Wer an dieser offenen Spaltung die Schuld trägt und wer sich in stärkerem Masse geändert hatte, das Christentum oder die Platoniker, braucht hier nicht untersucht zu werden: es genügt die Thatsache, dass die alten Verbündeten in demselben Masse aneinander gerieten, als die neue Kirche sich von dem alten Christentum entfernte und die Herrschaft in der Litteratur, der Gesellschaft und dem Staate erlangte. Der Gipfel wurde erreicht, als Kaiser Konstantin um 325 die Anerkennung der Christen auf diejenige Form des Christentums einschränkte, in welcher es damals zu Rom die Herrschaft erlangt hatte. Seitdem vor dem Staatsgesetz nur diejenigen als Christen galten, die mit dem römischen Bischof im Glauben übereinstimmten, und seitdem alle Abweichungen davon als staatliches Verbrechen galten, waren die Vertreter des alten Christentums gezwungen, in irgend einer unangreifbaren Gestalt unter dem Mantel des Geheimnisses eine Existenz zu gewinnen, um sich im Stillen bis auf bessere Zeiten zu erhalten.
Am bessten scheinen sich die antiken Handwerkergilden für diese Zwecke geeignet zu haben; aber seitdem die Annäherung der Platoniker an die Christen und umgekehrt eine vollendete Thatsache war, mussten auch die Kultgenosscnschaften der "Akademiker" sich als sehr geeignete Rückzugslinie darstellen, sofern die Christen, welche an dem alten Bündnis festhielten, sie als solche benutzen wollten: der Gott der Liebe, den die Platoniker in ihren Säulenhallen verehrten und den sie als Mittler zwischen Gott und der Menschheit betrachteten, war ja gleichsam ein Hinweis auf den nunmehr erschienenen Messias, und an die Stelle der neun Musen und der drei Grazien traten in den Hallen die [- S. 290 -] zwölf Apostel: es war nicht schwer, auch die Stadt auf dem Berge, die Lichter, die Säulen, die Weltkugel und die Sonnenuhr in christlichem Sinne umzudeuten und alles nach der Lehre Christi einzurichten. Da Christus in seinen Reden und Predigten bestimmt und nachdrücklich solche Anweisungen, die für den engeren Kreis der ihm nahestehenden Apostel gegeben waren, von den Regeln für alle Menschen unterschieden hatte, so waren auch die Ansätze für die Teilung und die Stufenfolge (Grade) gegeben, wie sie seit Platos Zeiten in den Akademien überliefert waren. Das Abendmahl, das Christus zu seinem Gedächtnis eingesetzt hatte, erinnerte an die Liebesmahle der Platoniker, die Feier des Geburts- und Todestages Platos gab die Möglichkeit, die gleichen Erinnerungsfeste ohne Aufsehen zu begehen und der brüderliche Zusammenhalt, wie ihn Plato gefordert hatte, war auch in den Christen-Gemeinden eine der wesentlichen Grundlagen des Gemeindelebens. Nimmt man die innere Verwandtschaft vieler wesentlicher Gedanken hinzu, so begreift man leicht, dass die Christen gegebenenfalls in den Akademien ein vorzügliches Mittel für ihre Zwecke besassen.
Wir müssen es aus Mangel an genaueren Berichten einstweilen dahingestellt sein lassen, ob und in wie weit das alte Christentum auch in diesem Sinne die Erbschaft der Antike angetreten hat; beachtenswert aber ist es, dass, wie die Quellen berichten, seit der Zeit, wo das Christentum in der römischen Weltkirche Gestalt gewonnen hatte, die Philosophenschulen - sie sind in der Kirchengeschichte unter dem Namen Katechetenschulen bekannt - in den Verdacht des Gnostizismus oder der Häresie im allgemeinsten Sinn gerieten.
Die Christen der ersten Zeiten, die keine Kirche im Sinne des alten Bundes sein wollten, besassen die Möglichkeit, ihre Gemeinden in der Form von Genossenschaften zu organisieren, die der Weltkirche, wie sie sich seit dem 3. Jahrhundert entwickelte, abging. Die Grosskirche entstand seit der Zeit, wo es mächtigen Anhängern derselben gelang, einige grundlegende Prinzipien des alten Bundes - vor Allem die Ideen vom Priestertum und vom Opfer - in die christlichen Gedankenkreise wieder einzuführen. Es war natürlich, dass seit dieser Zeit das Alte Testament zu einer herrschenden Stellung in der Grosskirche gelangte, die es trotz der ihm von je geschenkten Verehrung in den [- S. 291 -] ersten christlichen Zeiten, wenigstens innerhalb des sog. Gnostizismus, nicht besessen hatte.
Es ist eine weitverbreitete Annahme, dass die ältesten Christengemeinden im römischen Reiche vielfach in der Form von Handwerkergilden und Philosophenschulen, die sämtlich zugleich Kultvereine waren, sich vor dem Gesetz eine Existenz-Möglichkeit zu verschaffen gewusst haben. Wenn die römische Weltkirche gerade die Philosophenschulen als "Gnostiker", d. h. als Christen, welche ausserhalb der römischen Glaubensgemeinschaft standen, bezeichnet und verfolgt, so muss sie gewusst haben, dass in diesen Genossenschaften thatsächlich Apollo und die Musen von den Altären verdrängt und an ihre Stelle die Verehrung Christi getreten war. Viele Nachrichten, die uns sonst von diesen Kultvereinen erthalten sind, bestätigen die Thatsache, dass sich die Vertreter der Weltkirche hierin nicht getäuscht hatten32.
Seitdem Justinian im Jahre 529 die Aufhebung der Akademien beschlossen hatte, verschwinden dieselben naturgemäss aus der Öffentlichkeit und demnach auch aus den schriftlichen Aufzeichnungen, die uns erhalten sind. Indessen fliessen die Quellen gerade aus jenen dunklen Jahrhunderten, die mit dem 6. Jahrhundert anbrechen, einstweilen für uns sehr dürftig, und es wäre durchaus verkehrt, aus dem Mangel an Nachrichten auf das Nichtvorhandensein derselben zu schliessen. Immerhin geht aus dem Schweigen der Quellen soviel hervor, dass in den Jahrhunderten, wo die Macht der Hierarchie auf ihrem Höhepunkte stand, für die Akademien, wenn sie vorhanden waren, kein erheblicher Spielraum blieb und dass sie, wenn sie nicht erloschen waren, doch nur unter dem Schleier der Verborgenheit ihre Arbeiten fortsetzen konnten. In die Niederlage der Gnostiker waren auch sie verwickelt und mussten im Ganzen deren Schicksale teilen. Wenn [- S. 292 -] sie vorhanden waren, wird man sie unter anderem Namen als unter dem verpönten Namen der Akademien zu suchen haben.
Erst etwa im 14. Jahrhundert, also etwa siebenhundert Jahre nach der Aufhebung der Philosophenschulen durch Kaiser Justinian, taucht die uralte Organisation der Akademien in ihrer ursprünglichen Bedeutung, d. h. im Sinn einer Vereinigung, die eine Kultgenossenschaft darstellte, für uns in der Geschichte wieder auf, und zwar in den Kreisen von Männern, die sich als Anhänger Platos bekannten, die aber in Wirklichkeit wohl mehr als Neu-platoniker anzusehen sind. Ihr Wortführer war kein Geringerer als Georg Gemisthos Pletho, geboren um 1356 zu Konstantinopel, dessen Ansehen um das Jahr 1400 nicht bloss unter den Gelehrten, sondern auch am kaiserlichen Hofe zu Byzanz ein grosses war, und der dann der Vermittler des Platonismns für die abendländische Wissenschaft werden sollte.

Pletho wird in den Kämpfen, welche der Mönch Gennadius als Vertreter der rechtgläubigen Theologie gegen ihn begann, als der Wortführer einer "Sekte" bezeichnet, die der Kirche gefährlich sei. Thatsächlich wissen wir, dass Pletho an der Spitze eines festgeschlossenen Bundes stand, zu welchem der Beitritt nur Auserwählten gewährt wurde. Es gab in diesem Bunde - der Name Akademie wird unter den Schülern Plethons später oft, wenn auch nur im vertrauteren Kreise, genannt -, der sich die Pflege des Platonismus zum Ziel gesetzt hatte, verschiedene Grade und Stufen, und vielerlei Formen und Bräuche - wir erinnern nur an die Säulen, die Lichter, die geometrischen Figuren u. s. w. - stimmen so auffallend mit den Symbolen der älteren platonischen Akademien überein, dass gewisse geistige Zusammenhänge sehr wahrscheinlich sind.


Vor der Beibringung weiteren Materials und vor einer genaueren Untersuchung der ganzen Frage möchten wir hier einen unmittelbaren Zusammenhang oder eine geschichtliche Continuität der Akademien weder bejahen noch verneinen. An sich freilich ist die Annahme einer solchen keineswegs ausgeschlossen. Man muss sich gegenwärtig halten, dass auf dem Boden der griechischkatholischen Kirche eine andere Entwicklung als im Abendlande stattgefunden hat. Niemals sind hier die geschichtlichen Fäden, die das griechische Altertum und das Mittelalter verbanden, so vollständig zerrissen gewesen, wie auf dem Boden der römischen [- S. 292 -] Kirche. Wie denn thatsächlich auch die Renaissance der antiken Litteratur durch die Vermittlung der Griechen im Abendlande zum Durchbruch gelangt ist. Und wenn im Orient die Philosophie Platos sich thatsächlich durch die Jahrhunderte fortgepflanzt hat, warum sollten nicht die platonischen Kultvereine, die' einst ein Jahrtausend sich erhalten hatten, sich durch die mittleren Jahrhunderte auf irgend einem Wege hindurchgerettet haben? Das Bündnis, das die Akademien seit dem Emporkommen des Neu-platonismus mit sehr lebenskräftigen Richtungen altchristlichen Ursprungs eingegangen waren, gab ihnen doch auch unter der Herrschaft der Grosskirche trotz deren Gegnerschaft einen starken inneren Plalt. Selbst schwache Reste konnten, sobald sie begabte Führer wie Pletho und andere fanden, sich unter der Gunst besserer Zeiten wieder mit neuem Leben erfüllen und auf den Trümmern der alten Macht von neuem am "Tempel der Weisheit" als fleissige Bauleute wirken.
* * *

1 Monatshefte der Comenius-Gesellschaft. 1898. Heft 9 u. 10.

2 Wilamowitz-Möllendorff, Philologische Untersuchungen IV (1881), S. 281.

3 H. Diels, Über die ältesten Philosophenschulen der Griechen, in Philosophische Aufsätze. Eduard Zeller gewidmet. Lpz. 1887, S. 239 ff.

4 Herm. Usener, Organisation der wiss. Arbeit etc. Preuss. Jahrb. Bd. 53, S. l ff

5 A. O. S. 245.

6 Diels a. O. S. 245 f.

7 Die bezüglichen Quellen s. bei Ueberweg-Heinze, Grundriss der Gesch. der Philosophie. 8. Aufl. Berlin 1894. I. Bd. S. 58 f.

8 P. Tannery, Thalés de M. ce qu'il a emprunté à l'Egypte, in der Revue philos. März 1880. - Über die Bekanntschaft des Pythagoras mit den Lehren ägyptischer Priester s. Ueberweg-Heinze a. O. S. 50.

9 Wilamowitz-Möllendorff a. 0. S. 279 (ϰοινά τά τϖν φίλων).

10 Den Beweis dafür s. bei Diogenes Laertius, De vitis etc. VII, l, 11 und IV, 5, 7.

11 S. Chiappelli im Archiv f. Gesch. der Philosophie. Bd. XI, S. 174.

12 Die (Tafelgesetze) werden gelegentlich von Speusippos und Xenokrates erwähnt, aber wir kennen sie nicht.

13 H. Usener, Organisation der wiss. Arbeit. Preuss. Jahrb. 1884. Bd. 53, S. 10.

14 Archiv f. Gesch. der Philosophie XI, S. 172.

15 Wilamowitz-Möllendorff a. O. S. 284.

16 Es wurde veröffentlicht von Winckelmann in den Monuraenti Antichi Tom. II S. 248 Taf. 185. Vgl. Helbig, Führer durch d. off. Sammlungen klass Alterth in Rom. 1891. II, Nr. 857. Es befindet sich im Besitz des Fürsten von Torlonia, welcher Herrn Petersen in Rom für seinen Bericht in den Mitth. des Kais. archäol. Instituts eine Photographie zur Verfügung stellte.

17 Den ersten Bericht nebst vortrefflicher Abbildung veröffentlichte Prof. A. Sogliano in den ,Notizie degli Scavi' August 1897 S. 337-340. - Dann handelte Petersen über den Fund in den Mitteilungen des Kaiserl. deutschen archäologischen Instituts. Römische Abteilung, Bd. XII. Rom 1897. S. 328 ff. - Diels hat seine Ansicht niedergelegt im Jahrbuch des deutchen archäologischen Instituts, Bd. XIII (1898) S. 120 ff. - Diese drei Forscher sind übereinstimmend der Ansicht, dass die Bilder eine Sitzung der Akademie darstellen. Auch Chiappelli und Stein (Archiv für Gesch. der Philos. XI, S. 171 ff.) geben zu, dass wir die Darstellung einer "Denker-Versammlung" vor uns haben und dass deren Sitzung in einen geheiligten Bezirk verlegt wird; auch deutet nach ihnen die Sonnenuhr auf das Museion und die Kugel auf math. - astronomische Beschäftigung, wie sie in den Akademien üblich war. Doch wollen die letzteren Forscher eine Sitzung verschiedener Schulhäupter (Aristoteles, Zeno, Plato etc.) erkennen.

18 Eine Abbildung von S siehe bei Winckelmann a. a. O. Ein Bild von T gab zuerst Sogliano. Bei Petersen a O. befinden sich Bilder beider Gemälde. Diels bringt nur T. Eine Abbildung des letzteren auch in der Lpz. III. Ztg. v. 24. März 1898. - Mir haben zwei grössere photographische Aufnahmen vorgelegen, die mir der Hilfsarbeiter am archäol. Institut, Herr Dr. Wernicke, in liebenswürdigster Weise zugänglich gemacht hatte.

19 Ich verdanke dies Gutachten Herrn Professor Dr. Winnefeld in Berlin, dem ich auch an dieser Stelle für die mir bereitwillig erteilte Meinungsäusserung meinen Dank ausspreche.

20 Ich entnehme die Angabe, dass die Mittelfigur auf T ein blaues Pallium trägt, der Angabe Chiappellis im Archiv f. Gesch. d. Philos., Bd. XI, S. 174. Leider habe ich das Original selbst nicht gesehen; die bekannt gewordenen Nachbildungen lassen die Farben nicht erkennen.

21 Die rechte Hand ist nur auf T deutlich erkennbar; bei S scheint sie ganz zu fehlen; letzteres Bild ist offenbar an der betreffenden Stelle schlecht erhalten.

22 Die Pythagoräer hielten die Erde für eine Kugel.

23 Justin der Märtyrer († um 107 n. Chr.), der übrigens, wie viele seiner Zeitgenossen, eine sehr wechselvolle Geistesentwicklung durchgemacht hat, bezeichnet Christus als den "Sokrates der Barbaren", das Christentum mithin als sokratische Lehre. Gleichzeitig aber sagt er, dass der Lehrer Christus die menschgewordene Vernunft Gottes sei. Näheres bei Harnack, Dogmengeschichte I3 S. 465.

24 Friedr. Michelis, Über die Bedeutung des Neuplatonismus für die Entwicklung der christl. Spekulation. Halle a./S. 1884. (Philos. Vorträge. N. F. 1885. 8. Heft.) S. 57.

25 *) Fried. Michelis a. O. S. 58 stellt in diesem Punkte seine Übereinstimmung mit Ed. Zeller, dem besten Kenner dieser Philosophie, ausdrücklich fest.

26 Wichtige Beweise bei Karl Schmidt, Gnostische Schriften in koptischer Sprache etc. (Gebhardt u. Harnack, Texte u. Untersuchungen etc.) Lpz. Hinrichs 1892. Bd. VIII.

27 Dass Origenes, der bekannte Kirchenvater, der von 185-254 n. Chr. lebte, ein Zeitgenosse und ein Schüler des Ammonius Sakkas war, ist nicht bestritten; er scheint um 212 die Schule des Ammonius besucht zu haben. Jedenfalls sind die Gründe derer, welche den Ammonius zwei Schüler gleichen Namens haben lassen, ziemlich fadenscheinig; die Identität ist an sich durchaus wahrscheinlich.

28 Karl Schmidt a. a. O. S. 620.

29 Schmidt, a. O. S. 640.

30 A. O. S. 642.

31 Merkwürdig ist, dass die Gnostiker frühzeitig in der Form der Kultvereine () - der Bischof Epiphanius von Salamis, geb. um 315 n. Chr., nennt sie - mit geheimen Bräuchen und Erkennungszeichen auftraten. Über geheime Zeichen beim Handgeben berichtet Epiphanius:

S. Schmidt a. O. S. 663.



32 Man vergleiche hierzu Harnack, Lehrbuch der Dogmengeschichte I3 S. 229. Für die Fortpflanzung des Gnostizismus - dieser Name wurde im Laufe des Kampfes zu einem Sektennamen unbestimmtester Färbung, mit allen Kennzeichen, wie sie solchen anhaften - sind nach Harnack, neben anderen Vereinigungen, die philosophischen Schulen von besonderer Bedeutung geworden. Harnack lenkt mit Recht die Aufmerksamkeit auf die Namen, welche man diesen Schulen gab: sie heissen , Synagoge, congregatis, collegium, auch secta und haeresis, beides anfänglich ohne die schlimme Nebenbedeutung, welche der Kampf nachmals dem Ausdruck gab.





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