Das Rom der Päpste (Frühmittelalter) Seminar „Rom im Mittelalter“




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2.2. Bipolare Struktur der Papstresidenzen

Bereits etwa zehn Jahre nachdem Konstantin die Kathedrale Roms am äußersten Südwesten der Stadt am Lateran errichten ließ, sorgte er zwischen 322 und 333 für die Errichtung der Peterskirche auf dem Vatikanhügel genau auf der gegenüberliegenden Seite der Stadt. St. Peter besaß nicht wie üblich einen eigenen Klerus, sondern wurde vom Lateran verwaltet. Die Peterskirche diente in den ersten 150 Jahren dem Papst an heiligen Tagen. Auf dem Vatikanhügel befand sich somit ursprünglich nicht der Sitz des Papstes.


Aber, obwohl der Lateranpalast bis 1308 die eigentliche Papstresidenz darstellte, zeichnete sich bereits im Frühmittelalter eine gewisse Rivalität und vorherrschende Stellung der Peterskirche ab. Allein schon aus dem Grund, dass sich um die Peterskirche verstärkter Ansiedlungen vollzogen, führte zur Abgrenzung des Laterans vollzogen. Sogar die ausländischen Fremden aus verschiedenen christlichen Teilen der Welt siedelten sich ausschließlich in der Nähe St. Peters an. Logisch, dass sich diese nahe dem Apostelgrab ansiedelten, hatten sie doch beschlossen aufgrund des Heil auf ewig in Rom zu bleiben.
Zwar gerade noch innerhalb der Aurelianischen Stadtmauer, jedoch deutlich außerhalb des städtischen Geschehens befand sich der eigentliche Papstsitz. Es stand sich die römische Bischofskirche auf der einen Seite dem Hüter der Reliquien des heiligen Petrus auf der anderen Seite gegenüber. Selbst die überwiegende Mehrzahl der Bevölkerung schrieb St. Peter schon lange einen höheren Stellenwert als dem Lateran zu. Die Rolle ein Heiligtum zu bewahren stellte somit durchaus den Vorteil St. Peters dar.

Konstantin’s St. Peter war eine geniale Variante eines heiligen, überdachten Friedhofs. Der Schrein des Märtyrers Petrus, dem Gründer der Kirche des Christus, war hier nicht nur erblickbar und greifbar, sondern garantierte das ewige Heil. Einhergehend mit dem Bewusstwerden der Rolle des Papsttums als Zentrum der westlichen Christenheit, stieg das Grab eben dieses Apostels zu enormer Berühmtheit auf. Es war St. Peter, die die römische Gemeinde an Feiertagen in Massen aufsuchte. Der Lateranpalast hat nie eine solche religiöse Leidenschaft erwecken können, denn im Vergleich zur Peterskirche konnte sich der Lateran nicht durch solch ein Heiligtum und solch eine Kultstätte brüsten. Der Fokus zentrierte sich mehr und mehr auf den Vatikanhügel, wodurch der weit entfernte Lateran vernachlässigt wurde und langsam aber sicher an Bedeutung verlor.


Die mehr und mehr umsiedelte Peterskirche hatte einfach den Vorteil die Grabstätte des bedeutendsten Apostels inne zu haben. Zudem war der Papst noch der Nachfolger eben dieses Apostels. Außerdem strömten die Pilger in immer größeren Massen zu St. Peter, um den Reliquien des heiligen Petrus so nahe wie möglich zu kommen. Überdies erfolgte die Christianisierung mehrerer Völker im Namen eben dieses Heiligen. Auch politisch symbolisch gesehen hatte die Peterskirche den Vorzug die Kaiser zu krönen.
Besonders zur Zeit der Karolinger erfolgte der Gipfel in der Bebauung der Basilika auf dem Vatikanhügel an sich und ihrer Umgebung. Es entstanden neben Empfangsräumen für den Papst ebenso Räume, in denen sich dieser zum Beispiel nach der Messe ausruhen konnte. Der Weg zum Lateran war lang, daher baute man diese Räumlichkeiten. Zudem wurden Räume für Staats- und Ehrengäste eingerichtet. So wurde beispielsweise ein Palast für Karl den Großen errrichtet. Das zeigt doch schon stark die Rolle der Basilika des heiligen Petrus. Die bipolare Struktur der Papstresidenzen hatte somit durchaus keine gleichzusetzende Bedeutung, sondern trug eine deutliche Gewichtung in sich. Topographisch gesehen hatte der Petersdom den strategischen Vorteil jenseits des Tiber zu liegen. Die andauernden Machtkämpfe innerhalb der Stadt veranlassten die Päpste oft ihre Residenz am Lateran zu verlassen und Zuflucht bei St. Peter zu finden. So entstanden im laufe der Zeit notwendigerweise Unterkünfte für die Nachfolger Petri. Doch wie es sich in der Zukunft zeigte, sollten diese Räumlichkeiten nicht ausschließlich zur Obdach dienen.


    1. Der Papst als Initiator: Kirchenanwesen und Wohlfahrtszentren

Besonders unter Hadrian I. (772-797)63, doch bereits schon unter seinen Vorgängern, wurden etliche Kirchenanwesen gebaut. Er gründete insgesamt sechs, die er nahe der großen Überlandstraßen bauen ließ, um den Kontakt zur Stadt zu halten. Neben Calvisianum und St. Edistius beispielsweise zählt das Kirchengehöft Capracorum im Norden von Rom wohl als das berühmteste, das neben Höfen und verschiedenen Gebäuden auch durch Weingärten und Wassermühlen charakterisiert wurde. Der Ertrag wurde im Lateran gespeichert und dort an Arme verteilt. Hadrian I. stiftete das Capracorum dem heiligen Petrus. All diese der Wohlfahrt dienenden Anwesen wurden als domus cultae64 bezeichnet, waren also eine im Namen Gottes geführte Wohltätigkeit. Ansiedlungen um das apostolische Ackerland wurden schnell zu festen kleinen Orten.
Des Weiteren wurde auch einfach versucht Kirchen in einem guten Zustand zu halten. Gerade zu Beginn des 8. Jahrhunderts kamen Erneuerungen oft vor. So wurden unter Hadrians Vorgänger Paul I. das Atrium und der Triumphbogen neu dekoriert, wobei Hadrian zu seiner Amtszeit selbst Wandgemälde hinzufügte. Obwohl Hadrian I. nicht „alle Kirchen innerhalb und außerhalb der Mauern Roms wiederherstellte und verschönerte“65, so sein Biograph, so versuchte er doch so viele wie möglich zu restaurieren.
Als sich die Zahl der anreisenden Pilger in Rom mehr und mehr vervielfältigte, so stieg auch die Bereitstellung von Wohlfahrtsstellen. Das Pilgertum benötigte nicht nur Schlafplätze, sondern auch öffentliche Toiletten sowie Waschgelegenheiten. So erfolgte der Pflegedienst für Pilger ebenso wie für Arme durch die diaconiae66. Diese waren wohltätige Einrichtungen, die von der Kirche gestiftet wurden. Ebenso verwaltete auch diese die Ausgabe von Almosen für die Armen. Die ersten Diakonien in Rom soll es 684/5 gegeben haben. Sie wurden zwar von Mönchen geführt, waren jedoch nicht gleichzusetzen mit Klöstern im eigentlichen Sinne. Unter Hadrian I. wurden beispielsweise drei diaconiae wiederhergestellt. Diese drei, S. Maria in Adriano, S. Maria in Caput Portici und S. Silvestro, befanden sich nahe St. Peter und wurden von Hadrian I. mit etlichen Geschenken bestückt.


  1. Zusammenfassung

Das frühmittelalterliche Rom war vor allem gekennzeichnet durch seine wachsende Rolle als Zentrum der Christenheit. Nicht nur die Einwohnerzahl stieg als sich der Pilgerstrom immer mehr intensivierte, sondern ebenso der Lebensraum, den die Pilger einzunehmen begannen. Regelrechte Pilgerzentren entstanden, in denen gleiche Nationalitäten zueinander fanden. Die Stadt passte sich dem Pilgerwesen an und errichtete neben Wohlfahrtszentren für ärmere Pilger auch Unterkünfte. Somit konnte Rom zwar nicht von sich behaupten reich bevölkert zu sein, jedoch mehr und mehr das Christentum in sich zu versammeln.
Ein weiteres Merkmal, das Rom schon hunderte Jahre zuvor besaß, war, dass der Papst zwei Residenzen hatte. Nicht allein aus diesem Grund, sondern ebenso da diese Papstsitze am jeweils genau gegenüberliegenden Stadtteil sich befanden, kann man von einer bipolaren Struktur sprechen. Diese war jedoch keines Wegs ausgeglichen. Anstattdessen kam der einen eine deutliche größere Rolle zu. Die Peterskirche wurde zwar vom Lateran verwaltet und hatte selbst keinen eigenen Klerus zu dieser Zeit, hatte jedoch mehr Ansehen als der gegenpolige Lateranpalast. Hauptsächlich sorgte das Grab des heiligen Petrus dafür, dass sich das Papsttum zunehmend auf die eben diese heilige Ruhestätte bewahrende Basilika konzentrierte.
Alles in allem ist festzuhalten, dass das Rom nach Gregor dem Großen, wenn auch nur zäh, zunehmend an Bevölkerung wuchs. Auch etliche Neuerungen und Ausbauten erfolgten. Vor allem die Päpste waren nun nicht mehr allein Petrusnachfolger, sondern erfüllten die Aufgabe das Stadtbild Roms zu erneuern und zu dekorieren. Sie waren die Initiatoren und gaben Anstöße zur Errichtung oder eben Erneuerung von Bauten, die die Stadt und seine Bevölkerung benötigte.



  1. Bibliographie

Bauer, Franz Alto: Das Bild der Stadt Rom im Frühmittelalter. Papststiftungen im Spiegel des Liber Pontificalis von Gregor dem Dritten bis zu Leo dem Dritten, Wiesbaden 2004.


Birch, Debra J.: Pilgrimage to Rome in the Middle Ages. Continuity and Change, Bd.13, in: Studies in the History of Medieval Religion, hg. v. Christopher Harper-Bill, Woodbridge 1998, S. 123-149.
Borgolte, Michael: Petrusnachfolge und Kaiserimitation. Die Grablegen der Päpste, ihre Genese und Traditionsbildung, Göttingen 1989.
Bullmann, Damasus: Kirchen, Bauten und Plätze in Rom und Umgebung, Thaur/Tirol 1983.
Davis, Raymond: The Lives of the Eight-Century Popes (Liber Pontificalis). The Ancient Biographies of Nine Popes from AD 715 to AD 817, Bd.13, in: Translated Texts for Historians, hg. v. Gillian Clark, Margaret Gibson, Christa Mee, Trowbridge 1992.
Fischer, Heinz-Joachim: Rom. Zweieinhalb Jahrtausende Geschichte, Kunst und Kultur der Ewigen Stadt, Köln 1996.
Gregorovius, Ferdinand: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter, Bd. I,2, hg. v. Waldemar Kampf, München 1978, S.
Krautheimer, Richard: Rom. Schicksal einer Stadt 312-1308, München 1987.
Krautheimer, Richard: St. Peter’s and Medieval Rome, Rom 1985.
Smith, Julia M.H. (Hg.): Early Medieval Rome and the Christian West. Essays in Honour of Donald A. Bullough, Leiden, Boston, Köln 2000.
Steinke, Katharina B.: Die Mittelalterlichen Vatikanpaläste und ihre Kapellen. Baugeschichtliche Untersuchung anhand der schriftlichen Quellen, Bibliotheka Apostolica Vaticana 1984.

Die Pippinische Schenkung und

die Entstehung des Kirchenstaates
Franziska Peters


  1. Einleitung

„(...) es sei besser, den als König zu bezeichnen, der die Macht habe, statt den, der ohne königliche Macht blieb.“67

Mit dieser Machtbestätigung Pippin des Jüngeren, von Seiten Papst Zacharias, kam es zum Machtwechsel der Merowinger zu den Karolingern. Der Machtzuwachs der Karolinger stärkte zugleich den Machtzuwachs der Päpste. Vor allem die Pippinische Schenkung verhalf dem damaligen Papst zu einem enormen Einflussgebiet. Dieses symbolische Gebilde verschaffte dem Papst die Stellung eines selbstständigen Souveräns. Zunächst leitete der Bund zwischen Papsttum und Frankenreich in den 750er Jahren eine neue Phase der Herausbildung des Kirchenstaates ein, welche durch die Pippinische Schenkung verstärkt und später unter Karl dem Großen vollendet wurde. Ferner hat dieses Bündnis zwischen Franken und Päpsten die historische Entwicklung Europas über Jahrhunderte hinweg geprägt.

Die Frage ist nun wie sich die Herausbildung der fränkischen Herrschaft und die Pippinische Schenkung auf die Entstehung und Etablierung des Kirchenstaates auswirkte. Dabei werde ich zunächst die Ausgangssituation erläutern und danach auf den Versprechenseid Pippins, der so genannten Promissio Pippins, eingehen. Am Ende werde ich noch darstellen wie dies zur Entstehung des Kirchenstaates verholfen hat.


  1. Die Pippinische Schenkung

Die Pippinische Schenkung war eines der wichtigsten Ereignisse für das Papsttum im achten Jahrhundert. Es leitete die Entstehung des Patrimonium Petri ein und somit die Blütezeit des Papsttums.




    1. Ausgangssituation

Zunächst betrachten wir die Situation in Europa des 8. Jahrhunderts. Die Merowinger sind zu dieser Zeit an der Macht, welche aber nur noch theoretisch existent ist. Pippin der Jüngere, Hausmeier des letzten Merowingerkönigs Childerich III., hatte die faktische Macht im Frankenreich und wollte nun auch die Krone dazu. Allerdings sollte dies nicht ohne Zustimmung der Adligen im Lande und vor allem des Papstes geschehen. Da die Loyalität der Adligen schon länger geben waren, lies er nun den Abt Fulrad von Saint-Denis zusammen mit dem Würzburger Bischof Burchard68 zum Papst Zacharias schicken, um ihn zu fragen: „ (...)wegen der Könige in Francien, die damals keine Macht als Könige hatten, ob das gut sei oder nicht.“69 Woraufhin der Papst antwortete: „(...) es sei besser, den als König zu bezeichnen, der die Macht habe, statt den, der ohne königliche Macht blieb.“70 Mit diesen Worten wurde Childerich faktisch abgesetzt und Pippin zum König ernannt, aber rechtliche geschah dies erst 751 in Soisson. Dort soll er als erster fränkischer König die Königssalbung erhalten haben, dies ist allerdings nicht eindeutig nachweisbar.71 Somit wurde der Hausmeier Pippin der erste karolingische König. Auch wurde durch diese Tat die Ein- oder Absetzung von Königen durch den Papst unterstützt.

Durch die Salbung zum König fand sich Pippin immer in einer Art Verpflichtung gegenüber dem Papsttum. Das Papsttum befand sich schließlich in einer prekären Lage. Der Papst hatte sich durch einen theologischen Streit von Konstantinopel gelöst und war jetzt den Angriffen der Langobarden schutzlos ausgeliefert. Zwar hatten sie durch diese Loslösung mehr Selbstbestimmung und Autorität in den eigenen Gebieten, andererseits rückten die Langobarden immer weiter vor. Seit 568 führen die Langobarden Eroberungsfeldzüge in Italien durch und haben fast ganz Oberitalien und große Teile Mittelitaliens erobert. Papst Gregor III. bat schon 739/40 den fränkischen König Karl Martell um Hilfe, welcher aber die Hilfe verweigerte. Nun schafft es der Langobardenführer Aistulf im Jahre 751 Ravenna und das gesamte Exarchat, das Zentrum des kaiserlich gebliebenen Italiens, zu erobern. Der Papst Stephan II. sah keine andere Möglichkeit, als Pippin um Hilfe zu bitten.72

Pippin ging auf diesen Hilferuf ein und entsandte Truppen, die den Papst beschützen sollten. Ob Pippin dies aus reiner Nächstenliebe tat ist fragwürdig. Sicherlich hatte er mit diesem Feldzug auch Hoffnung auf Machtgewinn in Italien und wollte somit die Verbundenheit zum Papst festigen. Der Papst zog schließlich auf Einladung des Königs ins Frankenreich und wurde dort in Ponthion empfangen. Noch nie hatte ein Pontifex solch eine Reise angetreten. Dort angekommen schloss 754 in Quierzy mit Pippin einen Freundschaftsbund. Dieser Freundschaftsbund wurde auch im Namen von Karl und Karlmann, Pippins Söhnen, geschlossen, so dass sich die zwei Brüder dem Papsttum gegenüber immer verpflichtet sahen. Pippin lieferte dem Papst gegenüber einen einseitigen Versprechenseid, der die Schutzpflicht des Frankenreiches gegenüber der römischen Kirche beinhaltete. Jedoch lassen sich in einigen Quellen und Literaturen widersprüchliche Angaben zu dem Ablauf des Freundschaftsbundes finden. Auch ist nicht eindeutig geklärt, ob es wirklich ein Schutzversprechen gab. Zudem salbte der Papst Pippin und seine Kinder Karl und Karlmann. Diese Salbung ist eindeutig nachgewiesen und wird heute als die wahrscheinlich erste Königskrönung des Frankenreiches angesehen, zudem wurden die drei zum Patricius Romanorum ernannt. Eindeutig ist jedenfalls, dass dieser Besuch die Beziehung zwischen Papst und König auf eine freundschaftliche Ebene brachte.73
2.2 Pippinische Schenkung


Pippin konnte also durch den Treueid die Beziehung mit dem Papsttum festigen. Man kann die Pippinische Schenkung als eine Art Dankeschön betrachten. Nach dem Pippin und seine Söhne zum Patricius Romanorum ernannt wurden, versprach er die von Aistulf eroberten Gebiete zurück zufordern und sie dem Papst zu überreichen.74 So steht in der Urkunde von Quierzy das Pippin dem Papst das Dukat Rom, das Exarchat Ravenna, Sabina,


Abb.1) geografischer Überblick der Pippinischen Schenkung
Venetien, Istrien, die Pentapolis, Tuszien, Spoleto und Benevent versprach. Allerdings existiert dieses Dokument selbst nicht mehr, so dass man nicht eindeutig sagen kann, welche Gebiete genau dem Papst versprochen wurden.75 Weiterhin muss man davon ausgehen, dass dies keine Schenkung im heutigen Sinne war, sondern dass es ein Versprechen war, weswegen es auch „Promissio Pippin“ heißt. Der Papst könnte durch die Zurückerlangung der Gebiete einen großen Machtzuwachs verzeichnen, aber gleichzeitig würde es auch Freiheit und Selbstbestimmung für die Völker der Sektoren bedeuten. So das Pippin nun die Befreiung der heiligen Kirche und aller Römer des ganzen Landes versprach.76 Dies hatte auch zu Folge, das die Römer nicht nur hinter dem Papst standen, sonder auch hinter dem fränkischen König. Das Volk Italiens fühlte sich mit dem fränkischen Reich verbunden.

Pippin konnte durch die Verbindung mit dem Papsttum Italienpolitik führen. Unklar ist dabei, ob er nicht von Anfang an die Absicht hatte die größten Teile des eroberten Gebietes dem Frankenreich anzugliedern.

Es ist auf jedenfalls sicher, dass Pippin mit Aistulf zunächst Verhandlungen geführt hat, bevor er diesen im Jahre 754 angriff. Dabei hat Pippin ein nur sehr kleines Heer in die Schlacht geführt und konnte dennoch den Langobardenkönig in seiner Residenz Pavia einschließen. Man kann annehmen, dass Pippin nur mit einem kleinen Heer anreiste, um die Sicherheit des eigenen Landes nicht zu gefährden. Auch wenn er nun als Patricius Romanorum die Aufgabe hatte Rom zu verteidigen, hieß das nicht, dass er sein eigenes Reich vernachlässigen musste. Wie schon erwähnt schaffte es Pippin Aistulf in Pavia einzuschließen und konnte daraufhin Verhandlungen mit ihm führen. Es kam zu einem Friedenvertrag, in dem Aistulf versprach die fränkische Oberhoheit anzuerkennen und seine jüngsten Eroberungen herauszugeben.77 Jedoch dachte Aistulf nicht daran die eroberten Gebiete zurückzugeben und begann 755/56 wieder einen Angriff auf Rom. Pippin war nach dem Friedensvertrag mit Aistulf wieder in sein Reich zurückgezogen und erhielt nun einen neuen Hilferuf. Vielleicht dachte Aistulf, das der letzte Feldzug Pippins so geschwächt hatte, dass er keinen neuen Angriff wagen würde. Jedoch hatte Aistulf sich geirrt, da Pippin sich als Schutzherr der römischen Kirche und Roms verstand. Auch hatte Papst Stephan II. den Hilferuf als Hilferuf des heiligen Petrus an Pippin geschickt. Es kam darauf 756 zum erneuten Angriff Pippins. Diesmal erzwang er durch Belagerung einen noch schärferen Vertrag als beim letzten Angriff. Aistulf musste nun ein drittel seines Königschatzes und jährlichen Tribut leisten. Aber am wichtigsten war die Rückgabe des okkupierten Exarchats von Ravenna. Jedoch wurde dies zunächst unter die Kontrolle der Franken gestellt, bevor es dem Papst übergeben wurde. Auch das byzantinische Reich hatte Interesse an diesem Gebiet, aber Pippin hielt sein Versprechen und übergab das Territorium schließlich dem Papst, obwohl die Gebiete immer noch der Oberhoheit Byzanz’ unterstanden.78

Jedoch muss man sagen, dass nach den Urkunden diese Gebiete lange nicht so groß waren, wie sie in der Urkunde von Quierzy versprochen schienen. Das Problem dabei ist, das man in den Briefen des Papstes, keine Anmerkung findet, dass die restlichen Gebiete noch zum Pippinischen Versprechen gehörten. Sicherlich bittet er schließlich 757 um die Rückgabe der fehlenden Städte des Exarchats, aber es ist trotzdem möglich dass er den Wunsch diese Städte zu erhalten erst später hatte. Auch findet man keine Unterlagen, welche beinhalten, dass die Herzogtümer Spoleto und Benevent wirklich dem päpstlichen Gebiet einverleibt wurden. Man kann also nicht eindeutig sagen, welche Gebiete nun wirklich versprochen wurden.79




  1. Entstehung des Kirchenstaates

Auch wenn nicht eindeutig geklärt ist, welche Gebiete nun von Pippin an den Papst versprochen wurden, ist es sicher, dass die zurückeroberten Gebiete dazu verhalfen das der Kirchenstaat entstehen konnte, welcher noch bis in das 19. jahrhundert eine wichtige Rolle in der Geschichte Europas spielen sollte. Dieser Staat war im Grunde ein Staatenverbund, der im Laufe des Mittelalters von Rom ausgehend immer größere Teile Mittelitaliens bis hin zur Adria umfasste. In diesem Staat konnte der Papst seinen Einfluss geltend machen.

Auch unter Karl dem Großen sollte sich der Kirchenstaat noch ausweiten. Während sein Vater Pippin den Grundstein zur Entstehung des Kirchenstaates ohne Unterwerfung der Langobarden legte, war Karl auf eine Erfolgreiche Fortsetzung mit Unterwerfung der Langobarden aus. Mit Hilfe der Königserhebung Pippins durch einen Papst war die weltliche Macht mit der christlichen Macht verbunden und man sah das Königtum von nun an als „göttliches Recht“80 an. Pippin schaffte zudem durch das Schutzversprechen über Rom eine jahrhundertlange Verbindung von weltlichen Herrschern und Päpsten.81





  1. Schluss

Pippin war der erste karolingische Herrscher des Frankenreiches und schaffte es zugleich den Kirchenstaat als Machtoperator zu etablieren. Er schaffte es, dass sich das Papsttum vom Byzantinischen Reich abwendete und mehrere Jahrhunderte zum germanischen Westen schaute. Ohne die fränkische Herrschaft hätte sich das Papsttum nie in dem Maße etablieren können, aber auch umgekehrt wäre das Frankenreich ohne die Hilfe des Papsttums nicht soweit gekommen. Die fränkische Herrschaft spielt dabei immer eine Rolle, zumal die Nachfolger Pippins die Herrschaft des Papsttums erweiterten.

Dennoch sollte man nicht vergessen, dass Pippin sein Frankenreich nie aus den Augen verlor. Er hat es geschafft ein nach innen und außen gefestigtes Reich an seine Söhne weiterzureichen.

Der Kirchenstaat existiert jahrhundertlang und erreichte unter Papst Julius II. seine größte Ausdehnung, jedoch hatte das Königreich Italien nationalen Einigungsbestrebungen. Erst 1929 konnte man sich einigen, indem man ein souveränes Territorium um Peterskirche und Vatikan, den Vatikanstaat, als Symbol päpstlicher Unabhängigkeit geschaffen hatte.



  1. Quellen- und Literaturverzeichnis

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Borgolte, Michael: Petrusnachfolge und Kaiserimitation, Die Grablegen der Päpste, ihre Genese und Traditionsbildung, Göttingen 1989.
Schieffer, Rudolf: Die Karolinger, Band 441, 4.überarbeitete und erweiterte Auflage, Stuttgart, Berlin, Köln, 2006.
Schneider, Reinhard: Das Frankenreich; in: Oldenbourg. Grundriss der Geschichte hg. v. Bleicken/Jochen Gall/Lothar und Jakobs/Hermann, Band 5, München 2001.
Bischöfe, Mönche und Kaiser (642-1054), hg. v. G. Dragron, P. Riché, A. Vauchez, deutsche Ausgabe bearbeitet und herausgegeben von E. Boshof; in: Die Geschichte des Christentums. Religion, Politik, Kultur, hrg. V. J.-M. Mayeur, C. und L. Pietri, A. Vauchez und M.Venard, Band 4, Freiburg, Basel, Wien 1994.
Fritze, W.H.: Papst und Frankenkönig, Studien zu den päpstlichen-fränkischen Rechtsbeziehungen von 754 bis 824; in Vorträgr und Forschung, Sonderband 10, Hrg. Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte, Siegmaringen 1973.
Fischer Lexikon Geschichte, Hrg. R. van Dülmen, Frankfurt am Main 2003.
Erkens, Franz-Rainer: Das Königtum Pippin des Jüngeren; in: Die Zeit- Welt- und Kulturgeschichte, Epochen, Fakten, Hintergründe in 20 Bänden, Band 6 Aufstieg des Islam, Hamburg 2006.
Abbildungen:
Abb. 1) http: //de.wikipedia.org/wiki/Kirchenstaat

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