Das Rom der Päpste (Frühmittelalter) Seminar „Rom im Mittelalter“




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Gregors Motive und Hintergründe: eine kritische Beobachtung der Dinge

Gregor als jemanden darzustellen, dem nichts wichtiger war, als das Pilgerwesen zu erneuern, wäre vermessen und falsch. Es würde schlicht seiner historischen Rolle nicht entsprechen. Betrachtet man die Hintergründe seines Handels im Gesamten, so wird deutlich, in wie fern Gregors Wirken berechnend und mit Hindergedanken zu werten ist.

Gregor war eine praktisch orientierte und pragmatisch handelnde Persönlichkeit. Beispielsweise ebbte während seiner Amtszeit die Bauung neuer Pilgerstätten aus Gründen der Kostenersparnis sogar ab. Erst ein Vierteljahrhundert später unter Papst Honorius lebte sie wieder richtig auf. Ihm war es wichtig grundlegende Dinge herbeizuführen und er verfolgte dabei bestimmte Motive. Er übernahm mit der Versorgung der Bevölkerung die grundlegenden Pflichten der weltlichen Macht und brachte so die Kirche in eine gute Ausgangssituation gegenüber den weltlichen Verwaltern aus Byzanz. Schließlich war Rom rein rechtlich gesehen eine byzantinische Stadt und Gregor offiziell Untergebener des Kaisers. Dennoch pflegte er seine aufgebauten Beziehungen zu Byzanz, um ein gutes Verhältnis aufrecht zu erhalten und seine Ideen verwirklichen zu können.

Des Weiteren konnte er durch die Einführung der Katholizismus in fremden Regionen und der Etablierung Roms zu einer wichtigen Pilgerstätte die Stadt selbst als einen immer einflussreicheren Machtfaktor in der westlichen Politik in Szene setzen.

Es ist also zu erkennen, dass Gregor nicht nur an verschiedenen Ecken der Stadt Neuerungen einführte, sondern das hinter vielen Ideen Motive und Hintergedanken standen, die Rom, aber auch das Papsttum an sich, weiter in den Mittelpunkt stellen sollten. Im Ergebnis war das Papsttum in Rom der religiöse Ausgangspunkt „der westlichen Christenheit und wurde überall in Europa zum Richter und Herrscher des religiösen Denkens, der kirchlichen Lehre und Praxis.“50

Außerdem ist festzuhalten, dass auch Gregor Rom nicht komplett neu aufbauen musste, sondern ein Grundgerüst der Stadt (sowohl bautechnisch als auch organisatorisch) trotz aller Verwüstung bestand, auf dem er aufbauen konnte.

3. Fazit

Gregor brachte das Pilgerwesen auf einen Weg, dessen volle Entfaltung bei weitem nicht zu seiner Zeit erreicht worden war. Er beseitigte grundlegende Missstände, sah vor allem den wirtschaftlichen Nutzen in einem ausgeprägten römischen Pilgerwesen. Dabei hatte er auch den Vorteil, dass Rom schon vor seiner Zeit als Heilige Stadt angesehen wurde. Dennoch verstand er es, diese Vorzüge zu nutzen. Dass Gregor den Aufbau eines großen christlichen Zentrums im Hinterkopf hatte, spricht für seinen Weitblick, hatte aber auch zur Folge, dass unter seinem Pontifikat z. B. keine einzige neue Kirche gebaut wurde.

Abschließend lässt sich feststellen, dass Gregor das Pilgertum nach Kräften förderte, sich dabei jedoch nicht nur auf diesen einen Aspekt versteifte, sondern mehrere Faktoren zusammenkamen, damit eine solche Belebung des Pilgerwesens gelingen konnte und dabei nicht – wie vielleicht zu vermuten wäre – die Pilger selbst im Mittelpunkt sah, sondern das Gesamtbild Roms verbessern wollte.

4. Literaturverzeichnis

Arnaldi, G. und F. Marazzi: Art. „Rom“, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 7, München 1995, Sp. 967-971.


Krautheimer, Richard: Rom. Schicksal einer Stadt 312-1308, München 1987.
Meyer, Andreas, Constanze Rendtel und Maria Wittmer-Butsch (Hrsg.): Päpste, Pilger, Pönitentiarie. Festschrift für Ludwig Schmugge zum 65. Geburtstag, Tübingen 2004.
Richards, J.: Art. „Gregor I. der Große“, in: Lexikon des Mittealters, Bd. 4, München 1989, Sp. 1663-1664.
Schimmelpfennig, Bernhard: Das Papsttum. Grundzüge seiner Geschichte von der Antike bis zur Renaissance, 3. Aufl., Darmstadt 1988.
Schmugge, Ludwig: Jerusalem, Rom und Santiago – Fernpilgerziele im Mittelalter, in: Michael Matheus (Hrsg.): Pilger und Wallfahrtsstätten in Mittelalter und Neuzeit (Mainzer Vorträge 4), Stuttgart 1999, S. 11-34.
Schmugge, Ludwig: Art. „Pilger“, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 6, München 1993, Sp. 2148-2150.
Seppelt, Franz Xaver: Geschichte der Päpste. Von den Anfängen bis zur Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts, Bd. 2: Die Entfaltung der päpstlichen Machtstellung im frühen Mittelalter. Von Gregor dem Großen bis zur Mitte des elften Jahrhunderts, 2. Aufl., München 1955.

Das Theologieverständnis Gregors des Großen

Michelle Kress
1. Einleitung

„Leo I. und Gregor I. um 600 überragten ihre Umgebung und bestimmten die weiteren Geschicke von Papsttum und Kirche. Nur zwei römischen Bischöfen hat die Geschichte den Beinamen „der Große“ gegeben, eben Leo I. und Gregor I. […].51

Dieses Zitat verdeutlicht die besondere Stellung, die Gregor innehatte. Doch woher kam diese herausragende Stellung, die bereits die Zeitgenossen erfasst hatten? Was macht Gregor den Großen zum „Musterpapst“ des Mittelalters, wie hat er das weltliche und vor allem das religiöse Leben geprägt? Vor allem letztere Frage werde ich im Folgenden genauer untersuchen: Wie sah das Theologieverständnis unter Gregor dem Großen aus und unter welchen Bedingungen ist es entstanden? Zu diesen Fragen gehört natürlich auch die Missionierungstätigkeit, wie in Punkt 2.3. „Gregor der Große als Missionar“ erläutert wird.

Um diese Fragen zu klären werde ich in einem ersten Teil die Zustände, sowohl weltlich als auch kirchlich, erläutern, um im dritten Teil zur Entstehung des gregorianischen Theologieverständnisses und zu dessen Charakterisierung zu kommen. Dabei bewege ich mich im Zeitrahmen vom 6. bis zum Beginn des 7. Jahrhunderts, folglich die Lebenszeit Gregors.

Als wesentliche Quellen diente mir dabei der Aufsatz „Rom-Schicksal einer Stadt 312-1308“ von Richard Krautheimer, da hier die Herrschaftszeit Gregors des Großen anschaulich dargestellt wird.

Das Thema „Theologieverständnis Gregor des Großen“ ist deshalb von so enormer Bedeutung für das Thema „Rom der Päpste“, da Gregor damit den Grundstein für das religiös-kirchliche Selbstverständnis der nächsten Jahrhunderte legte.


2. Rahmenbedingungen – Entstehung – Ausprägung

2.1. Die weltliche Situation

Die Stellung Roms im 6. Jahrhundert war problematisch und durch Unruhen geprägt.

Nach dem Ende der Gotenkriege wurde Rom wieder der Herrschaft des byzantinischen Kaisers gestellt.52 Dadurch verlor Rom durch die geographische Randlage im byzantinischen Reich enorm an Bedeutung.

Die folgende Landkarte zeigt das byzantinische Reich bis 867, und noch hier wird die Randlage Roms im byzantinischen Reich deutlich.53



Weiterer Belastungsfaktor für die Stadt Rom war die Bedrohung von Außen durch die Langobarden, die mit militärischen Mitteln die Stadt Rom zu erobern versuchten. Die Rom bedrohenden Langobarden stellten für Papst Gregor I. nicht nur ein militärisches, sondern auch ein theologisches Problem dar. Durch Eroberung römischer Gebiete durch die Barbaren bestand die Gefahr von Übertritten zum homöischen Bekenntnis.54

In genau dieser unsicheren Zeit wurde Gregor I. im Jahr 540 zum Papst ernannt. Man sieht also ganz deutlich, mit welchen Problemen und Konflikten er konfrontiert wurde: Zum einen hatte er mit den Ansprüchen von Byzanz zu kämpfen, das Italien seit 552 besetzt hielt, zum anderen musste er den drohenden Einfall der Langobarden abwehren. All diese Faktoren führten zu einem wachsenden Verfall der Infrastrukturen sowie zur Auflösung der Führungsschicht, die überwiegend aus dem Senatorenadel der Stadt Rom bestand. Kurzum: Die Stadt Rom war im Verfall begriffen.

Diese Probleme löste Gregor ansatzweise, indem er einen jährlich erneuerten Waffenstillstand mit den Langobarden herbeiführte und dem byzantinischen Kaiser ein relativ loyaler Untergebener war.


2.2. Die kirchliche Situation

Die Organisationsschwäche der kaiserlichen Zentralmacht verschaffte der Kirche eine enorme Erweiterung ihrer Kompetenzen. Sie gewann vor allem auf der sozial-politischen Ebene enorm an Bedeutung

Über die grundsätzlichen Aufgaben einer religiösen Glaubensgemeinschaft hinaus übernahm die römische Kirche zunehmend die Funktion einer weltlichen Institution: Die Versorgung der Stadt war labil, große Teile der Bevölkerung verarmt, die Infrastruktur im Verfall begriffen. Das soziale Gefüge der Stadt war zusammengebrochen und bedurfte dringend einer Erneuerung. Somit bestand die Hauptaufgabe des Papstes und der Kirche in der Sicherung Roms und der Versorgung der Bürger. Die Kirche war die einzige Institution, die das politische, gesellschaftliche, kulturelle und soziale Leben der Stadt aufrechterhalten konnte. Somit kann die Kirche auch als Ernährer der Stadt und der Bürger angesehen werden. Doch wie wurde das finanziert? Gregor ordnete die Verwaltung des päpstlichen Grundbesitzes (patrimonium petri) in Italien, Dalmatien und Nordafrika neu, indem er den Besitz unter eigenen Beamten verteilte, die der Kirche Abgaben leisten mussten. So errichtete er die Basis für den späteren Kirchestaat, und gleichzeitig waren durch die finanziellen Ströme die Versorgung der Bevölkerung, der Schutz vor den Langobarden und die Sicherung Roms gewährleistet. Zur sozialen Unterstützung der Bürger ließ er Wohlfahrtszentren errichten (diaconiae). Diese waren keine Kirchen, dienten aber sowohl weltlichen als auch kirchlichen Zwecken. Weitere bedeutende Veränderungen erfuhr die Stadt Rom durch die Missionierungen und Bekennungen zur römischen Kirche und machten Rom und das Papsttum seit dem 5. Jahrhundert und ganz besonders zur Herrschaftszeit Gregors des Großen zum geistlichen Mittelpunkt Europas, wobei hierbei wohl auch das neue Theologieverständnis Gregors eine große Rolle gespielt hat, denn die Pilger wurden auch durch die magisch behafteten Märtyrergräber und die dazugehörigen Legenden angezogen.


2.3. Das Theologieverständnis Gregors des Großen

Der gewonnene weltliche Einflussbereich der römischen Kirche wirkte sich im Allgemeinen auf die Kirche aus, da sie zur wichtigsten Institution in Rom aufgestiegen war und somit eine große Autorität besaß und gleichzeitig, durch ihre monopolisierende Stellung die Bürger besser „kontrollieren“ konnte.

„Nach U. Del Moro hat Gregor in einer Epoche des Umbruchs die Kirche in erster Linie als Prinzip der Einheit verstanden, die angesichts divergierender Strömungen immer wieder neu errungen werden musste, wobei dem Primat Roms eine besondere Bedeutung zukam.“55 Mit diesem Satz beschreibt Fiedrowicz sehr eindeutig das Anliegen Gregors. Es wird deutlich, dass Gregor erkannt hat, dass die Kirche in dieser konfliktreichen Zeit nur durch das Prinzip der Einheit und Geschlossenheit überleben und ihre Machtstellung halten und ausbauen kann.

Grundsätzlich stand Gregor vor dem Problem, dass sich die christlichen Massen von der Kirche entfernt hatten, und da sein Hauptanliegen als Oberhaupt der römischen Kirche war, die Integration der Bürger in die Kirche zu fördern, musste Gregor neue Wege gehen, damit sich die Massen der Bevölkerung wieder mit dem Glauben und den Lehren der Kirche identifizieren konnten. Deshalb galt es zum einen, die Menschen zum Katholizismus zurückzuführen, und zum anderen zu verhindern, dass christianisierte Bürger wieder dem Heidentum verfielen.

Die Tradition der klassischen Antike56, die von heidnischen Bildern und Inhalten geprägt war, war in ihrer Sprache eher nur der Oberschicht einer gebildeten Klasse zugänglich und deshalb für die Wiedergewinnung der Massen zum Katholizismus nicht unbedingt tauglich war, schien aber die einzige Möglichkeit für Gregor dar zu stellen, vernünftiges Gedankengut, sowohl religiöser wie auch weltlicher Art, zu vermitteln. Doch was tun, wenn die Tradition der klassischen Antike den Menschenmassen nichts mehr bedeutet, wenn sie „aus ihrer Zeit hinausgewachsen“, sich nicht auf die veränderten Bedingungen des sozialen, politischen und religiösen Lebens der Bürger und des Staates einstellen konnte?

Grundsätzlich gilt zu bemerken, dass der Glaube der Menschen zwar noch christlich war, aber eben nicht mehr an das Theologieverständnis der frühen Kirchenväter57 gebunden war.

An die Stelle der überlebten Traditionen der Antike trat eine neue Kultur, die geprägt war von der Vermischung eines traditionsreichen Volksglaubens und neuen Formen der Frömmigkeit, von irrationalen und magischen Elementen, die jedoch die heidnischen Aspekte nicht beinhaltete.

Wenn Gregor die Massen folglich erreichen wollte, musste er auf dieses neue religiöse Verständnis eingehen, mit dem sich große Teile der Bevölkerung identifizieren konnten.

Deshalb galt es zuerst, die Predigten, die sich durch ihr hohes sprachliches und inhaltliches Niveau hauptsächlich an die Gebildeten der oberen Schicht wandte, an das Niveau der Ungebildeten und Ungelehrten anzupassen und in den Predigten weniger auf intellektuelle Leistungen einzugehen sondern vielmehr Probleme des alltäglichen Lebens aufzugreifen.

Da die neue religiöse Kultur der Massen auch einen Glauben an das Magische, an Wunder und Geister beinhaltete, galt es, auch diesen Aspekt des Glaubens in das neue Theologieverständnis mit ein zu beziehen. Man kann also sagen, dass Gregor auf der einen Seite die Irrlehren und die Überreste des Heidentums bekämpfte, gleichzeitig aber Wundervorstellungen und Magie ebenso mit einfließen ließ wie den Reliquienkult.

Ein wichtiger Verbündeter bei diesen Aufgaben war der Benediktinerorden, der Gregor bei der Führung des Volkes unterstützte und vor allem eine wesentliche Rolle in der römischen Missionierung spielte.58

Neben dem neuen Theologieverständnis, welches die ganze Organisation und Struktur der Kirche tief greifend verändert hat, sind einige seiner Verdienste bis in unsere heutige Zeit erhalten geblieben. So werden ihm große Verdienste um die Reform der römischen Liturgie nachgesagt, des Weiteren geht das heutige römische Messbuch auf das „Sacramentarium Gregorianum“ zurück, welches in seiner ursprünglichen Form von Gregor stammt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Gregors Ziele, ein neues Christentum zu entwickeln, das auf einen im Volksglauben und in magischen Vorstellungen verwurzelt war, gelungen ist.

Oftmals ist auch die Rede von einem „Vulgärkatholizismus“, da er die Lehren Augustins verflachte und wesentlich vereinfachte.


3. Schlussbetrachtung

Durch die bedeutenden Erfolge auf geistlicher und weltlicher Ebene kann Gregor als Begründer der weltlichen Macht des Papsttums in Italien und dadurch auch als weltlicher Herrscher der Stadt Rom betrachtet werden. Sowohl seine Innen- als auch Außenpolitische Erfolge sind erwähnenswert, vor allem da er es schaffte die Infrastruktur zu festigen und den Machtbereich der Kirche und des Papsttums auszuweiten, aber auch die Bedürfnisse der Kirche nach Gläubigen Mitgliedern zu befriedigen. Dies ist ohne Zweifel im Wesentlichen auf sein Verständnis von Theologie zurückzuführen, welches so modifiziert wurde, dass es die Massen ansprach und in ihren Bann zog.

Aber auch wenn seine sichtbaren Erfolge unbestreitbar sind, so finden sich doch Kritiker Gregors. Das Urteil des protestantischen Papsthistorikers Johannes Haller greift direkt Gregors vereinfachtes Glaubensverständnis an, denn er sagt, „das Gregors Schriften Erzeugnis und Denkmal einer Zeit des Verfalls sind. Er sei der erste Schriftsteller, bei dem man von antiker Bildung keine Spur findet, er habe sie ausdrücklich abgelehnt. Und weiter: „Unwissend und abergläubisch, geistlos und geschmacklos, machen seine Schriften in peinlicher Weise deutlich, auf welchen Tiefstand der Bildung Rom herabgesunken war.“59

Alles in allem kann man aber dennoch sagen, das Gregor der Große durch weltliche und geistliche Veränderungen, worunter auch sein Theologieverständnis fällt, im wesentlichen die Stadt Rom im Mittelalter geprägt hat und als einer der herausragenden Päpste des Mittelalters gesehen werden kann.




4. Literaturverzeichnis
G.Arnaldi / F.Marazzi: Rom- Vom 4. bis zum 10.Jahrhundert; in: Lexikon des Mittelalters VII, Planudes bis Stadt(Rus´), Lexma Verlag, München 1995, S.967-971.
Fiedrowicz, Michael: Das Kirchenverständnis Gregors des Großen. Eine Untersuchung seiner exegetischen und homiletischen Werke. Erschienen in: Römische Quartalsschrift für christliche Altertumskunde und Kirchengeschichte, 50. Supplementheft, Verlag Herder Freiburg, 1995.
Fuhrmann, Horst: Die Päpste, Von Petrus zu Johannes Paul II.,CH Beck Verlag, München 1998, S. 25-51.
Fuhrmann, Horst: Die Päpste, Von Petrus zu Johannes Paul II.,CH Beck Verlag, München 1998, S. 79-108.
Gerwing, Manfred: Theologie im Mittealter. Personen und Stationen theologisch-spiritueller Suchbewegungen im mittelalterlichen Deutschland. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2000.
Hermann Kinder, Werner Hilgemann, Manfred Herget: dtv-Atlas Weltgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. September 2006.
Krautheimer, Richard: Rom- Schicksal einer Stadt 312-1308, München 1987, S. 73- 102.
M.Sanfilippo: Rom- Vom 11. bis zum 15.Jahrhundert; in: Lexikon des Mittelalters VII, Planudes bis Stadt(Rus´), Lexma Verlag, München 1995, S.972-978.
Speigl, Jakob: Die Pastoralregel Gregors des Großen. In: Römische Quartalsschrift für christliche Altertumskunde und Kirchengeschichte, 88. Band, Verlag Herder Freiburg, 1993, S.59-77.
Tönnesmann, Andreas: kleine Kunstgeschichte Roms. München 2002, S. 16-61.
Topographie Roms nach Gregor I.

Claudia Schreiber


  1. Einleitung

Veränderte sich die Rolle der Stadt Rom unter Gregor I. äußerst positiv, so tat es das Stadtbild Roms wohl eher kaum. Während seines Pontifikats wurde Rom zwar zur „Heiligen Stadt der westlichen Christenheit“, jedoch verfiel sie architektonisch gesehen mehr und mehr. Grund allein war nicht das mangelnde Bestreben Gregor I. das Stadtbild zu restaurieren, sondern unter anderem auch Überschwemmungen durch den Tiber.
Die Auswirkungen des Pontifikats Gregors des Großen sind doch deutlich abzugrenzen von den Machenschaften seiner Nachfolger. Unter ihm wurde nicht eine Kirche erbaut. Zwar sorgte er für den Umbau einiger alter Getreidespeicher, doch war das weder mit Kostenaufwand noch großer Planung verbunden. Vielmehr sah Gregor I. vor Rom, seine Bevölkerung und vor allem die Besitzungen der Kirche vor den einzudringen drohenden Langobarden zu sichern. Außerdem setzte er sich zum Ziel die noch heidnischen Gebiete im Nordwesten zu christianisieren, was ihm gelang und wodurch ein erheblicher Pilgerzustrom in Rom erfolgte. All das ließ Gregor I. keine Zeit zur großartigen Erneuerung des Stadtbildes.
Die Situation änderte sich vor allem unter Hadrian I., der die äußere Erneuerung Roms erzielte. Seine Absicht war es die landwirtschaftliche Produktion zu reorganisieren, das Wohlfahrtssystem wiederherzustellen, die Bevölkerung und die Pilger zu versorgen, die Aquädukte instand zu setzen und die Verteidigungsanlagen der Stadt wieder aufzubauen. Hadrian I. bestrebte damit im Allgemeinen die Stadt sicher und bewohnbar zu machen. Aber vor allem wollte er die Pracht der heiligen Stätten wiederherstellen und die Verehrung der Märtyrer wieder beleben.
Ziel meines Essays ist es den Zustand der Stadt Rom besonders bishin und zu Beginn der Karolingerzeit darzustellen. Ich beziehe mich dabei auf eine Auswahl von Kriterien, die das frühmittelalterliche Rom am deutlichsten charakterisieren. Es gilt herauszufinden wo die große Masse der römischen Bevölkerung wohnte und aus welchem Grund die Menschen dort lebten. Welche religiösen Zentren es im Rom des Frühmittelalters gab und vor allem wie deren Rolle bestimmt war. Ebenso die Beiträge der Päpste für Wohlfahrt und Gotteshäuser sollen im Essay aufgeführt werden.
2. Topographie Roms nach Gregor I.
2.1. Siedlungskerne in einer einsamen Stadt

Bereits zu Zeiten Gregors I., aber auch schon lange vor ihm, zeichnete sich das Bild Roms durch den Kontrast des abitato60 und des disabitato61 aus.




Während letzteres eher kaum bevölkert war und hauptsächlich aus Feldern, Gärten und Trümmern bestand, zeichnete sich der abitato, wie man auf diesem Bild anhand der gepunkteten Fläche erkennen kann, durch eine äußerst dichte Besiedlung aus, die sich vor allem um den Tiber sammelte. Logisch, bedeutet doch der Begriff ins Deutsche übersetzt „Siedlung“. Um diesen kleinen, gut bevölkerten Kern herum befand sich der mit geringen Ansiedlungen bestückte, aber durchaus ausgedehnte disabitato. Dieser Gegensatz veränderte sich kaum. Die obere Abbildung aus Krautheimer’s „St. Peter’s and Medieval Rome“ zeigt Roms Bevölkerungsdichte um 1100. Es lässt sich also schlussfolgern, dass sich die Ungleichheit dieser beiden Gebiete lediglich im Laufe der Zeit intensivierte. Dieses Gegenteil bestand bishin zum 19. Jahrhundert.


Die sieben Hügel, auf denen Rom erbaut wurde, spielten im Mittelalter wohntechnisch keine große Rolle mehr. Lediglich der Caelius, der Esquilin und der Aventin waren durch eine geringe, jedoch dichte & autonome Besiedlung gekennzeichnet. Nun wurden die Täler mehr und mehr zu bewohnten Gegenden. Vorallem das Gebiet um das Tiberknie bildete einen Siedlungskern. So stellte der Tiber zum einen eine Bedrohung durch Überflutung dar, zum anderen eine Grundlage des städtischen Wachstums im Mittelalter.
Dagegen bildete beispielsweise das Kapitol, das in der Antike noch als das Herz von Rom galt, den östlichen, äußeren Rand des abitato. Das Kapitol wurde nun allein als Orientierungspunkt genutzt. Wie man auf dem oberen Bild erkennen kann, spielte der sogenannte Schaubezirk sogar um 1100 noch keine große Rolle. Bildete das Gebiet östlich des Tiberknies bishin zum Kollosseum, das Kapitol und den Palatin umschließend, in der Antike noch die Urzelle Roms, verschob sich diese Lage nun weiter nach Westen.
Ebenso wurde der Lateran im Frühmittelalter immer mehr von der Stadt isoliert. Die Basilika lag am äußersten Rand des disabitato an der Aurelianischen Mauer und war somit vom städtischen Geschehen deutlich abgegrenzt. Zwar entstanden auch Siedlungen um den Lateran herum, doch waren diese eher geringfügig. Indessen bildete sich zunehmend um die Peterskirche am Nordwesten der Stadt ein neues Viertel. Vom 5. bis 9. Jahrhundert entstand hier eine relativ große Siedlung. Dieses Gebiet umfasste unter anderem verschiedene Pilgerherbergen, sechs Klöster, ein Armenhaus und ein paar Wohnhäuser für Kleriker und Laien, die an das Atrium der Basilika angebaut waren. Zudem befanden sich hier einzelne kleine Kirchen. Dabei trug besonders die Zeit der Karolinger zur Gestaltung um die Basilika entscheidend bei. Das Gebiet war bekannt als Borgo und dehnte sich um 800 stark aus.
Während Rom zu Beginn des Pontifikat Gregors des Großen durch die etwa 30.000 Einwohner einer heutigen Kleinstadt glich, wuchs die Bevölkerung mit der Zeit nur geringfügig an. So kam eine hohe Zahl von Flüchtlingen aus den langobardischen Gebieten nach Rom. Eine weitere, durchaus bedeutende Ursache war der Aufstieg des Kirchenstaates. Rom wurde zum Wallfahrtszentrum des Christentums.
Mehr und mehr vervielfachte sich der Pilgerstrom nach Rom. Dabei gab es Pilger, die vorsahen für längere Zeit in Rom zu bleiben, wenn nicht sogar bis zum Ende ihres Lebens. So entstanden die Pilgerzentren, die so genannten scholae62. Die zunehmende Beliebtheit das Heimatland hinter sich zu lassen und in der Heiligen Stadt bis zum Tod zu leben führte unweigerlich zu der Entwicklung von bestimmten Gebieten, in denen sich Pilger gleicher Nationalität zusammenfanden. Dabei entwickelten sich vier große scholae in Borgo. Sachsen, Friesen, Franken und Langobarden bildeten die einzelnen Pilgerzentren, die durchaus weit ausgedehnt waren.
Doch auch Reiche mit ihrem Gefolge sowie arme Pilger schlossen sich ihrer Herkunft nach diesen Nationalitätsgruppen an, wodurch die Weite dieser Ausländerviertel zu erkennen ist. Diese scholae waren bereits Ende des 8. Jahrhunderts gut ausgebaut. Während die schola der Sachsen vermutlich schon um 726 in Sassia entstand, wurde die schola Langobardorum wohl um 770 im Norden der Basilika des Apostels gegründet. Letztere besaß sogar St. Justin als eine eigene Kirche. Das gebiet der Franken befand sich südlich des Atriums und das der Friesen auf dem Grundstück von S. Michele in Borgo. Mit der Zeit lösten sich diese eigenständigen Viertel auf und gingen in das Stadtbild Roms über.
Trotz des leichten Anstiegs der Bevölkerung blieb Rom also eine eher verlassene Stadt. Die nicht besiedelten Stadtteile waren von Ruinen und verlassenen Häusern geprägt. Lediglich kleinere Besiedlungen wie in Borgo oder etwas ausgedehntere um das Tiberknie herum bildeten die Siedlungskerne Roms. Zum Großteil war die Stadt unbesiedelt und von Brachland gekennzeichnet.
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