Das Rom der Päpste (Frühmittelalter) Seminar „Rom im Mittelalter“




Yüklə 293.25 Kb.
səhifə4/7
tarix25.04.2016
ölçüsü293.25 Kb.
1   2   3   4   5   6   7

Conclusio

Der Arianismus ist ein Symbol der unsicheren und schwachen Position der christlichen Kirche in der Spätantike. Die theologischen Grundprinzipien waren noch nicht festgelegt und vor allem die Abhängigkeit von den kaiserlichen Entscheidungen, deutet auf die fehlende Machtstellung der christlichen Kirche hin. Die Anfänge der reichskirchlichen Dogmatik seit dem Konzil von Konstantinopel, ließen auf eine einheitliche gefestigte Kirche hoffen, die nicht bloß der „Spielball“ der weltlichen Politik verkörpere, doch erlitt das trinitarische Reichskirche durch die Völkerwanderung einen Rückschlag.
Für Gregor den Großen war der Arianismus eine christliche Strömung, die mit der katholischen Kirche nicht vereinbar war. Sein Anliegen war daher, die Missionierung der langobardischen Eroberer, sowie die Vermeidung von Übergriffen auf die katholische Bevölkerung. Die Taufe des langobardischen Kronprinzen Adaloald war ein erster entscheidender Schritt zur Bekehrung der Langobarden, mit deren Hinwendung zum Katholizismus im 7. Jahrhundert der Arianismus endgültig unterging. Gregor erkannte die Aussichtslosigkeit der Missionierung von außen, so dass er seinen theologischen Ansatz innerhalb der langobardischen Bevölkerung implementierte, durch seine diplomatischen Beziehungen zu Theodelinde.

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

BRENNECKE, Hanns Christof: Studien zur Geschichte der Homöer. Der Osten bis zum Ende der homöischen Reichskirche, Tübingen 1988.


Ders.: Der sog. germanische Arianismus als "arteigenes" Christentum. Die völkische Deutung der Christianisierung der Germanen im Nationalsozialismus, in: Thomas Kaufmann (Hg.): Evangelische Kirchenhistoriker im "Dritten Reich“, Gütersloh 2002, S. 310-329.
CHAUVOT, Alain: Germanen und Christentum, in: Charles Piétri / Luce Piétri (Hg.): Das Entstehen der einen Christenheit (250-430) (Die Geschichte des Christentums Bd. 2), Freiburg / Basel / Wien 1996, S. 987-1006.
GEMEINHARDT, Peter: Der Tomus ad Antiochenos (362) und die Vielfalt orthodoxer Theologien im 4. Jahrhundert, in: Zeitschrift für Kirchengeschichte 117 (2006), S. 169-196.
HAENDLER, Gert: Die abendländische Kirche im Zeitalter der Völkerwanderung, 3. Auflage, Berlin 1987.
HOFMANN, Johannes: Die selige Langobardenkönigin Theodelinde. „Brückenbauern“ zwischen getrennten Völkern und Kirchen, in: Zeitschrift für Kirchengeschichte 108 (1997), S. 12-52.
JACOBS, Manfred: Die Reichskirche und ihre Dogmen (Zugänge zur Kirchengeschichte Bd. 3), Göttingen 1987.
PIÉTRI, Charles: Theologische Diskussionen zur Zeit Konstantins. Arius, der „arianische Streit“ und das Konzil von Nizäa, die nachnizänischen Auseinandersetzungen bis 337, in: Charles Piétri / Luce Piétri (Hg.): Das Entstehen der einen Christenheit (250-430) (Die Geschichte des Christentums Bd. 2), Freiburg / Basel / Wien 1996, S. 271-344.
Ders.: Vom homöischen Arianismus zur neunizänischen Orthodoxie (361-385), in: Charles Piétri / Luce Piétri (Hg.): Das Entstehen der einen Christenheit (250-430) (Die Geschichte des Christentums Bd. 2), Freiburg / Basel / Wien 1996, S. 417-461.
PIÉTRI, Luce: Gregor der Große und der lateinische Westen, in: Luce Piétri (Hg.): Der lateinische Westen und der byzantinische Osten (431-642) (Die Geschichte des Christentums Bd. 3), Freiburg / Basel / Wien 2001, S. 902-931.
POHL, Walter: Die Völkerwanderung. Eroberung und Integration, Stuttgart / Berlin / Köln 2002.
RITTER, Adolf Martin: Art. „Arianismus“ in: Gerhard Krause / Gerhard Müller (Hg.): Theologische Realenzyklopädie Bd. 3, Berlin / New York 1978, S. 692-719.
Ders.: Alte Kirche (Kirchen- und Theologiegeschichte in Quellen Bd. 1), 4. Auflage, Neukirchen-Vluyn 1987.

SCHÄFERDIEK, Knut: Der gotische Arianismus, in: Theologische Literaturzeitung 129 (2004), S. 587-594.


Ders.: Art. „Germanenmission, arianische“ in: Gerhard Krause / Gerhard Müller (Hg.): Theologische Realenzyklopädie Bd. 12, Berlin / New York 1984, S. 506-510.
Ders.: Die geschichtliche Stellung des sogenannten germanischen Arianismus, in: Knut Schäferdiek (Hg.): Die Kirche des frühen Mittelalters. Erster Halbband (Kirchengeschichte als Missionsgeschichte Bd. 2), München 1978, S. 79-90.
SOMMER, Wolfgang / Klahr, Detlef: Kirchengeschichtliches Repetitorium. Zwanzig Grundkapitel der Kirchen-, Dogmen-, und Theologiegeschichte, 2. Auflage, Göttingen 1997.
THÜMMEL, Hans Georg: Aspekte und Probleme des sog. Arianischen Streits, in: Theologische Literaturzeitung 109 (1984), S. 413-423.
VON PADBERG, Lutz E.: Christianisierung im Mittelalter, Darmstadt 2006.

Das Papsttum unter Gregor dem Großen

Maria-Elisabeth Brell


  1. Einleitung

„ Man hat Gregor I. den <> und gleichzeitig den ersten <> genannt.36 Tatsächlich muss man seiner Persönlichkeit beide Bezeichnungen zulegen um seine historische Stellung zu kennzeichnen

Gregor der Große galt als erster Papst des Mittelalters. Er war der Gründer des mittelalterlichen Roms, der der Stadt den Platz zuwies, den sie in der westlichen Welt auf Jahrhunderte hinaus innehaben sollte. Aber er war auch der letzte Papst der christlichen Antike. Er stand an der Wende zweier Zeiten. Seine Heimat war das alte Imperium Romanum. Aber Gregor wies mit seinem Handeln auch die Bahnen für die werdende abendländische Welt des Mittelalters und in die universale Geltung des Papsttums in dieser neuen Welt. Allein diese Umbruchsumstände – der Umbruch von der Antike hin zum Mittelalter - in denen er zum Papst gewählt wurde und der Umgang mit den daraus resultierenden Problemen, klassifizieren seine herausragende Stellung.

Im Verlauf des Essays soll deutlich gemacht werden, warum Gregor I. als „Musterpapst“37 des Mittelalters gilt, warum er das Attribut „der Große“ trägt und wie sein päpstliches Selbstverständnis auf die nachfolgenden Jahrhunderte und bis heute gewirkt hat. Außer Acht soll hier auch nicht die Wirkung auf die politische, soziale und ökonomische Situation Roms gelassen werden, die das Pontifikat von Gregor gehabt hat.

Zu Beginn des Essays sollen kurz die wesentlichen biographischen Züge bis zur Papstwahl Gregors dargestellt werden. Darauf aufbauend wird die allgemeine Situation der Stadt Rom geschildert sowie deren Folgen für das Pontifikat von Gregor I.

Als letzen und zentralen Punkt soll seine Wirkung, sein päpstliches Selbstverständnis und sein historische Stellung skizziert werden.


  1. Hauptteil

    1. Kurzbiographie Gregor I.

Gregor wurde 540 in Rom als Urenkel des Papst Felix II. in eine Patrizierfamilie hinein geboren. Nach einer Amtszeit als Stadtpräfekt von Rom entschied er sich um 575 für ein Leben als Mönch. Von Pelagius wurde zum Diakon geweiht. Mehrere Jahre hatte er den schwierigen, verantwortungsvollen Posten als päpstlicher Gesandter in Konstantinopel, dem damaligen Mittelpunkt des politischen und kirchlichen Lebens, inne. Er sollte den Kaiser in Byzanz zu militärischer und finanzieller Hilfe für das von Langobarden bedrohte Rom bewegen. 586 wurde nach Rom zurückberufen, wo er 590 zum Nachfolger von Pelagius gewählt wurde. Sein heiligmäßiger Lebenswandel, geprägt durch das Mönchtum und seine hohen Erfahrungen in der Verwaltungspraxis, die er als Stadtpräfekt sammelte, machten die 14 Jahre seines Pontifikats zu einem „Wendepunkt der Geschichte Roms und Europas“.38



    1. Die Lage Roms

Doch bevor durch die Verdienste Gregors I. „Rom zum Zentrum der Mission des westlichen und mittleren Europas, zum geistlichen Führer der bekehrten germanischen Stämme und auf diese Weise sowohl zur Hauptstadt der westlichen Christenheit als auch zu einem immer einflussreichern Machtfaktor in der westlichen Politik des ganzen Mittelalters wurde“39, befand sich das ehemalige Imperium Romanum in einem desolaten Zustand. Es war arm; seine Bevölkerung hatte sich stark dezimiert und in politischer Hinsicht war Rom nur eine Stadt in einer Randprovinz des oströmischen Reiches, die von Ravenna aus von einem byzantinischen Vizekönig regiert wurden. Als Gregor den Stuhl des Petri bestieg verwüsteten gerade die Langobarden das Umland von Rom. Sie besetzten und bedrohten die Länderein der Kirche und der byzantinischen Regierung. All diese Ereignisse waren nicht primär der Grund für den Verfall Roms, sie beschleunigten jegliche diesen Prozess, der die Stadt seit Jahrhunderten aushöhlte. Das großartige Bild das im 5. Jahrhundert skizziert wurde, hatte damals schon vor dem Hintergrund wachsender wirtschaftlicher Desorganisation, verblassender politischer Macht und des allmählichen materiellen Verfalls gestanden.

In dieser Zeit war die Kirche als die einzige wirkungsvolle Organisation erhalten geblieben, die den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhang von Rom gewährleisten konnte. Unter Gregor I. gelang die Kirche in die Rolle der politischen und sozialen Bezugsinstanz für die römische Bevölkerung, sie entwickelte sich zu einem festen Verhandlungspartner mit Byzanz. Während seines Pontifikats wurde die Kirche zunehmend zum einzig funktionierenden Ordnungsfaktor innerhalb der Stadt.





    1. Wirken Gregors des Großen

Wie kein anderer hat Gregor die Stadt Rom und seine Stellung im Westen geprägt.

Zwei Leitvorstellungen bestimmten sein Pontifikat: „zum einen sein Glaube an das Nahe Weltende und - daraus folgend – seine Anstrengungen um die Gewinnung aller Seelen für Gott, zum anderen sein Selbstverständnis der geringste unter den Dienern Gottes zu sein, als der er sich Wahrung, Schutz und Verteidigung des christlichen Glaubens zum Ziel setzte“.40

Dem 1. Leitgedanken entsprach seine seelsorgerische Arbeit zur Erneuerung des sittlichen religiösen Lebens, wobei er dem Mönchsleben Vorrang einräumt. Gregor I. galt als besonderer Förderer des Mönchtums. Aber gleichzeitig wurde das Mönchtum auch zum wichtigsten und mächtigsten Instrument von Gregors weitreichendstem Unternehmen: der römischen Missionierung der halbbarbarischen Stämme der Lombardei, Spaniens und Englands, die sich aber auch auf Deutschland ausdehnen sollte. Die Missionierung, einem bis dato durch die Päpste vernachlässigtem Feld, ließ Rom zum Ziel der Pilger aus allen Teilen Westeuropas und zur Heiligen Stadt der westlichen Christen werden.

Er galt als energischer Kirchenführer, er sah sich in der Aufgabe erfüllt, die strenge katholische Gläubigkeit zu verteidigen und zu verhüten, dass christianisierte Länder wieder dem Heidentum oder ketzerischen Lehren verfielen.

Die 2. Leitvorstellung inspirierte das administrative Handeln und die praktischen Maßnahmen zur Verteidigung der römischen Kirche.

Die Reorganisation der kirchlichen Länderein in Süditalien und Sizilien legten den Grundstein für den Kirchenstaat. Durch diese Durchorganisation der kirchlichen Güterverwaltung legte er den Grundstein zur wirtschaftlichen Macht der römischen Kirche. Er bahnte dadurch aber auch die weltliche Herrschaft des Papsttums an, die das gesamte Mittelalter prägen sollte.

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil seiner Amtszeit war die Armenfürsorge. Als Papst in Rom war er gleichzeitig auch Ernährer der Stadt. Bei Hungersnöten teilt er Getreide und Saatgut an die Armen der Stadt aus, er verstand sein „Amt als selbstlose Nächstenliebe“41 es ist daher nicht von der Hand zu weisen, dass er das Bild des „wahren Christen und des Seelenhirten“ 42prägte.

Nach seinem Tod waren die Getreidespeicher und die Kassen leer, was dazu führte, dass er von seinen Zeitgenossen oft verkannt und abgeurteilt wurde. Aber auch die moderne Wissenschaft ist Gregor häufig nicht gerecht geworden. Der Papsthistoriker Johannes Haller bezeichnet ihn gar als „unwissend und abergläubisch“.43 Er hat gerade das an ihm auszusetzen was ihn in den Augen des Mittelalters und teils seiner Zeitgenossen so anziehend macht, nämlich das predigen in einfacher Sprache des alltäglichen Lebens, um so den christlichen Massen nahe zu kommen.

Des Weiteren werden ihm große Verdienste um die Reform der römischen Liturgie und des Kirchengesangs zu geschrieben. Das heutige römische Messbuch „ Missale Romanum“ geht zurück auf den „Sacramentarium Gregorianum“ aus dem Jahr 595.



  1. Zusammenfassung

Die Frage, ob Gregor der Große seinen Beinamen zu Recht trägt oder nicht, soll hier nicht erörtert werden. „ Sicher war er kein Theologe von der Qualität eines Ambrosius oder Schriftsteller eines Hieronymus, er verstand sich als Reorganisator, als Seelsorger und Prediger“44 und prägt somit das päpstliche Selbstverständnis bis heute. Des Weiteren tritt in Gregors Pontifikat eine Kompetenzerweiterung des Bischofsamtes in Erscheinung, die fortan das Mittelalter hindurch wesentlich den Aufgabenbereich und das Selbstverständnis mitbestimmte: das Hereinwachsen des Bischofs in zivile und sogar militärische Aufgaben – bspw. die erfolgreichen Friedensverhandlungen mit den Langobarden –innerhalb seiner Bischofsstadt. Seine Amtszeit brachte dem römischen Bischofssitz einen ungeheuren Zuwachs an Macht und Ansehen.

Seine Förderung der Mönche, der großen geistlichen Erzieher der abendländischen Völker, der Beginn der zukunftsreichen Angelsachsenmission, die Reorganisation der Verwaltung, die Reform der römischen Liturgie und des Kirchengesang, sein hohes karitatives Engagement ließen ihn zu einem der maßgeblichen Gestalter der kommenden mittelalterlichen Welt werden.

Noch heute werden einige von Gregors Predigten im Brevier der katholischen Kirche gelesen. Er hat das päpstliche Selbstverständnis bis heute geprägt und das ist wohl auch ein treffender Beweis dafür, dass er eine herausragende Stellung in der Papstgeschichte einnimmt und ihm das Attribut „der Große“ verleiht. Zweifelsohne hat er auf spätere Jahrhunderte intensiver gewirkt als auf seine Zeit.



  1. Literaturverzeichnis

Borgolte, Michael: Petrusnachfolge und Kaiserimitation. Die Grablegen der Päpste, ihre Genese und Traditionsbildung, Göttingen 1989


Denzler, Georg: Das Papsttum. Geschichte und Gegenwart, München 1997
Fuhrmann, Horst: Von Petrus zu Johannes Paul II. Das Papsttum: Gestalt und Gestalten, München 1980
Ders: Die Päpste. Von Petrus zu Benedikt XVI, Berlin 2004
Heinzelmann, Martin: Gregor I., in : Lexikon des Mittelalters, Bd.4, München 1989
Jenal, Gregor: Gregor I., der Große, in: Das Papsttum I. Von den Anfängen bis zu den Päpsten in Avingon, hrsg. Greschat, Martin, Stuttgart 1985
Krautheimer, Richard: Rom. Schicksal einer Stadt 312-1303, München 1987, 1.Kapitel
Seppelt, Franz Xaver, Schwaiger, Georg: Geschichte der Päpste. >Von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 1964
Ullmann, Walter: Kurze Geschichte des Papsttum im Mittelalter, Berlin 1978
Zimmerman, Harald: das Papsttum im Mittelalter. Eine Papstgeschichte im Spiegel der Historiographie, Stuttgart 1981


Das Pilgerwesen Roms im Zeitalter Gregors des Großen

Sven Segger
1. Einleitung

Gregor der Große, der erste Papst des Mittelalters, ist eine Persönlichkeit gewesen, die die Stadt Rom in vielen Bereichen voran gebracht hat. Unter seinem Pontifikat wurden neben der Neuorganisierung der Versorgung und der Reformation von Wohlfahrtswesen und öffentlicher Dienste auch die päpstliche Verwaltung gestrafft und in ihrer Effektivität gesteigert. Kurz: Die 14 Jahre seines Pontifikats wurden zu einem Wendepunkt in der Geschichte Roms.45

In diesem Zusammenhang ist es nicht verwunderlich, dass es auch jener Gregor gewesen ist, der das Pilgerwesen in bzw. nach Rom stärkte und nach Kräften unterstützte, ohne jedoch – und dies sei schon einmal vorweg festgehalten – von seiner Linie und seinen Prinzipien des Neuaufbaus der Stadt abzuweichen. Dabei ging es Gregor dem Großen nicht zu sehr um die Pilger selbst, doch sah er zunehmend einen wirtschaftlichen Vorteil in der Unterstützung des Pilgertums, der genutzt werden sollte.

Dass Gregor I. einen enormen Einfluss auf das Pilgerwesens in Rom hatte, lässt sich an Hand der Entwicklung der folgenden Jahrhunderte erkennen. Um eine Vorstellung davon zu erhalten, wie groß Gregors Einfluss auf das Pilgerwesen tatsächlich gewesen ist, muss dieser in einem Gesamtzusammenhang seines Wirkens betrachtet werden und kann nicht nur auf die Stadt Rom allein reduziert werden. Denn neben seinen Bemühungen um die Versorgung der Pilger, steht auch sein Missionierungsdrang46 in enger Verbindung mit dem zu behandelnden Sachverhalt.

Um diesen Umständen gerecht zu werden, wird im Folgenden versucht durch eine Betrachtung der Zeit vor, während und nach Gregors Pontifikat eine genaue Analyse seines Wirkens auf das Pilgerwesen zu erbringen, wobei auch seine Motive und eine kritische Beobachtung dargelegt werden.

2. Gregor und das Pilgerwesen im Frühmittelalter


    1. Die Zeit vor Gregor: Umbruch zwischen Spätantike und Frühmittelalter47

Gregor I. kann als Gründer des mittelalterlichen Roms angesehen werden, er prägte die Stadt auch noch für Jahrhunderte nach seinem Pontifikat. Doch was war, bevor Gregor den Stuhl Petri bestieg und Rom seinen Platz in der mittelalterlichen Welt zuwies? Um nachvollziehen zu können, in weit Gregors formende Hand für den Bereich des Pilgerwesens Gültigkeit besaß, muss der Blick des Betrachters in die vorgregorianische Zeit schwenken.

Die Versorgung Roms war in einem erbärmlichen Zustand und der Bereich der öffentlichen Dienste lag fast komplett brach. Kriege, Naturkatastrophen und weitere negative Einflüsse ließen die Einwohner Roms flüchten, wenn sie nicht schon verstorben waren (die Zahl der Bevölkerung nahm von ca. 800.000 im Jahre 400 n. Chr. auf ungefähr 30.000 ab). Es lässt sich also feststellen, dass Rom immer mehr dem totalen Verfall entgegen ging.

Obwohl schon vor Gregors Amtszeit die Errichtung neuer Pilgerstätten vorangetrieben wurde und Rom bei den Pilgern den Ruf einer Heiligen Stadt inne hatte, war es in dieser Situation eine logische Konsequenz, dass die Versorgung des Pilgerwesens in der Stadt kaum bis gar keine Beachtung fand. Dieser Aspekt hatte natürlich einen äußerst negativen Einfluss auf die Wirtschaft der Stadt.


    1. Das Pilgerwesen unter dem Pontifikat Gregors

Das Pilgerwesen der Stadt Rom wurde während der Zeit Gregors I. einer kompletten Veränderung unterzogen. Gregor erkannte den Wirtschaftsfaktor, der im römischen Pilgertum enthalten war und versuchte daher eine Reform dessen herbeizuführen. Dabei ist allerdings anzumerken, dass Gregors Handeln in einer besonders günstigen Konstellation zueinander stand und auch externe Faktoren besonders wohlwollend zu einer Erneuerung des Pilgerwesens beitrugen, ein Umstand, der die Wirkung seiner Maßnahmen enorm bekräftigte.

Bevor Gregor auch nur an eine Änderung des Pilgerwesens dachte, kümmerte er sich in erst einmal um die grundlegenden Notstände in Rom. Er reformierte das Versorgungswesen der Stadt und sorgte dafür, dass die Bevölkerung mit dem Notwendigsten beliefert werden konnte. Zu diesem Zweck reaktivierte er eine zentrale Wohlfahrtsorganisation im päpstlichen Palast, die im fünften Jahrhundert eingerichtet worden war. Um eine Unterstützung der Zentralstelle im Lateran zu gewährleisten, wird vermutet, dass er verschiedene Wohlfahrtsämter gründete, die näher an jedem einzelnen Bezirk der Stadt angesiedelt wurden: die diaconiae. Belegt sind diese Institutionen allerdings erst seit 684, die Forschung vermutet aber die ersten Gründungen während des Pontifikats Gregors des Großen. Diese Einrichtungen beschafften und vor allem verteilten die je nach Jahreszeit vorhandenen Nahrungsmittel in der Bevölkerung und entlasteten auf diese Weise die zentrale Wohlfahrtsbehörde. Später wurden diese Einrichtungen auch genutzt um die Pilgerströme, die über die Stadt hereinbrachen, versorgen zu können.

Aber warum konnte Gregor überhaupt auf ein Pilgerwesen mit einem solchen Potenzial zurückgreifen? Die Antwort auf diese Frage gibt die Vergangenheit der Stadt. Rom besitzt zahlreiche Martyrergräber, unter denen sich zwei der wichtigsten ihrer Gattung hervorheben: die Grabstätten von Apostel Paulus und Sankt Petrus. In diesem Bezug besitzt Rom auch noch das Image einer Heiligen Stadt, was Papst Gregor gerne im Sinne der Stadt zu nutzen gedachte. Allerdings gab es mit dem Reliquienkult rechtliche Probleme, war es doch nach römischem Recht verboten Knochenteile aus Gräbern mitzunehmen. Gregor zeigte sich in diesem Punkt unnachgiebig, kam u. a. auch der Bitte der byzantinischen Kaiserin nicht nach den Kopf des Heiligen Petrus ihr zu schenken. Stattdessen musste sie sich mit Feilspänen von den Ketten des heiligen Petrus zufrieden geben.

In Zusammenhang mit der Erneuerung des Pilgerwesens spielte ihm ein weiterer Aspekt seines Gesamtwirkens in die Karten. Neben der Straffung und Wiederherstellung Roms, sah es Gregor auch als päpstliche Pflicht an, die Missionierung (vor allem in der Lombardei, Spanien und England) weiter voran zu treiben. So wurde Rom „zum Zentrum der Mission des westlichen und mittleren Europa“48. Dabei gab Gregor der Stadt einen neuen „Lebenszweck“49, durch die Christianisierung wurde Rom zu der Heiligen Stadt des Westens. In diesem Zusammenhang wurden die Gräber und Reliquien von Rom bei der immer stärker wachsenden Anzahl von Pilgern (ungemein gefördert durch die Bekehrung zur römischen Kirche) zu immer populäreren Zielen. Die Heerscharen von Pilgern mussten natürlich aufgenommen und betreut werden, hierbei half Gregors Verbesserung der allgemeinen römischen Versorgung in besonderem Maße.

Natürlich war es teuer, die teils mittelosen Pilger aufzunehmen, doch der gesamte wirtschaftliche Nutzen für die Stadt übertraf diese Unkosten bei weitem. Neue Arbeitsplätze wurden geschaffen und das Geld, was die zum Teil allerdings auch sehr reichen Pilger in die Stadt brachten, sorgten für einen beträchtlichen wirtschaftlichen Aufschwung. Durch die wirtschaftliche Bedeutung des Pilgerwesens entstand einer der drei maßgeblichen Industriezweige der Stadt: der Fremdenverkehr. Auch ein weiterer wichtiger Industriezweig wurde durch das angekurbelte Pilgerwesen positiv beeinflusst. Das Baugewerbe erlebte ebenfalls einen Aufschwung, schließlich mussten die Pilgerstätten zugänglich bleiben. Auf diese Weise wurde der römische Haushalt wieder ausgeglichen und sogar teilweise ein Überschuss erwirtschaftet.


    1. Die Auswirkungen von Gregors Veränderungen im Pilgerwesen in den nachfolgenden Jahrhunderten

Nach dem Pontifikat Gregors des Großen verbesserte sich die Lage Roms immer weiter und mit ihr steigerte sich die Anzahl der Pilger ins Unermessliche. Die diaconiae wurden weiter ausgebaut und auch professionell für die Versorgung der Pilger genutzt.

Rom entwickelte sich immer mehr zu einem zentralen Anziehungspunkt für Pilger und die aufkeimenden positiven Entwicklungen in der Wirtschaft wurden weiter gesteigert. Schließlich mussten den Besuchern Roms Möglichkeiten geschaffen werden, die Pilgerstätten in vernünftigem Maße besichtigen zu können. Dies wurde durch den Um- bzw. Neubau von Kirchen gewährleistet. Unterstützt wurde diese Entwicklung durch den Umstand, dass im Jahre 640 Jerusalem von Mohammedanern eingenommen wurde und Rom so als einzige christlich-heilige Stadt für Pilger zugänglich blieb.

Das Pilgertum in Rom selbst entwickelte sich ebenfalls weiter. Es bildeten sich in der Stadt Gruppen von Pilgern mit ähnlicher Herkunft, sogenannte scholae, die im Laufe der Zeit im städtischen Leben Roms integriert wurden.

1   2   3   4   5   6   7


Verilənlər bazası müəlliflik hüququ ilə müdafiə olunur ©azrefs.org 2016
rəhbərliyinə müraciət

    Ana səhifə