Das Rom der Päpste (Frühmittelalter) Seminar „Rom im Mittelalter“




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2.2 Der Langobardeneinfall in Italien

Im Jahr 568 n. Chr. fasste der Langobardenkönig Alboin mit seinem Volk den Entschluss, Pannonien zu verlassen und nach Italien zu ziehen. Dieser Italienzug der Langobarden gilt als letzter Germanenzug der Völkerwanderung. Einen Grund für den Entschluss Alboins sieht die Forschung in den immer mächtiger werdenden Nachbarn der Langobarden in Pannonien, den Awaren. Danach fühlten sich die Langobarden von den Awaren bedroht und unter Druck gesetzt. Des Weiteren erwies sich wohl auch der Zeitpunkt als günstig, denn Byzanz kämpfte gerade auf dem Balkan und gegen die Perser. Noch wenige Jahre zuvor war es Byzanz gelungen, die Langobarden als Verbündete für Ostrom zu gewinnen. So hatten beispielsweise 552/553 große Teile der Langobarden im Heer von Byzanz gegen die Ostgoten und die Perser gekämpft und das Militärwesen, die Sprache und auch Italien kennen gelernt. 568 aber fielen die Langobarden, anders als die Ostgoten vor ihnen, als Feinde in Italien ein. Dem Zug, der schätzungsweise 100 000 – 150 000 Menschen umfasste, schlossen sich neben den Langobarden auch noch viele Angehörige anderer germanischer Völker an. Paulus Diaconus schreibt in seiner Chronik der Langobarden über den Italienzug seines Volkes:

„Jetzt überließ Albuin das eigene Land, nemlich Pannonien, seinen Freunden den Hunen, unter der Bedingung jedoch, daß wenn die Langobarden irgend einmal wieder heimzukehren genöthigt würden, sie auch ihr altes Land wieder ansprechen könnten. Die Langobarden verließen also Pannonien und zogen mit Weib und King und Hab und Gut Italien zu, um es in Besitz zu nehmen“25

Die Eroberung weiter Teile Italiens gestaltete sich für die Langobarden zunächst überraschend leicht. Sowohl Italien selbst als auch das Oströmische Reich waren geschwächt und leisteten nur wenig Widerstand. „Binnen kurzer Frist überschwemmten die Eindringlinge den Norden und Westen Oberitaliens“26 Die Langobarden eroberten Verona, Treviso, Bergamo, Mailand, Spoleto, Benevent und andere Städte problemlos. Einzig Pavia wehrte sich, wurde aber nach dreijähriger Belagerungszeit eingenommen und zur Hauptstadt des Langobardenreichs erklärt. Die eingenommenen Gebiete Italiens wurden von den Langobarden in Herzogtümer aufgeteilt.



Für die romanische Bevölkerung hatte der Langobardeneinfall schwerwiegende Folgen. Die Eroberer töteten viele Angehörige der Oberschicht und verpflichteten andere zu Abgaben. Gleichzeitig hatte sich das Erscheinungsbild Italiens entscheidend verändert: das Land war zerrissen in langobardische und byzantinische Teile und stellte keine Einheit mehr da. Gehörte die Apenninen-Halbinsel vorher noch zum Byzantinischen Reich, so hatte sich hier der Schwerpunkt verlagert: weite Teile standen nun unter der Herrschaft der Langobarden. Die byzantinische Verwaltung brach in Folge des Einfalls ebenfalls zusammen. Besonders die Stadt Rom befand sich von nun an in einer schwierigen Lage. Bereits seit dem endgültigen Ende des Weströmischen Reiches 476 hatte sich die Stellung Roms im Reich grundlegend verändert. Rom gehörte nicht mehr zum Kernland, der Sitz des Kaisers befand sich am Bosporus (Konstantinopel) und die alten römischen Eliten verließen die Stadt. Nach dem Langobardeneinfall gab es zwar noch einen Statthalter für die übrig gebliebenen byzantinischen Gebiete Italiens, doch dieser saß in Ravenna, nicht in Rom. Daraus ergab sich eine weitere Schwierigkeit für Rom, denn das langobardische Herzogtum Spoleto trennte Rom von dem byzantinischen Exarchen27 in Ravenna. Damit waren Rom und das direkte Umland seit dem Langobardeneinfall weitestgehend isoliert und von den Langobarden eingekreist. In Rom übernahm der Papst immer mehr Verantwortung, nicht mehr nur im religiösen, sondern auch im politischen und wirtschaftlichen Bereich. Demzufolge fühlte er sich auch für den Schutz Roms und seines Amtes verantwortlich. Die Angst vor einem Langobardenangriff auf Rom spielte bei vielen Päpsten ab dem sechsten Jahrhundert eine große Rolle und die Behandlung der Langobarden wurde zu einer wichtigen Aufgabe.
2.3 Papst Gregor der Große und die Langobarden

Für das Verhältnis Gregors des Großen zu den Langobarden ist die Entwicklung des Langobardenreichs von großer Bedeutung. Nach dem Tod König Alboins 572 regierte vorerst nur noch ein König die Langobarden. Dieser wurde aber bereits zwei Jahre später ermordet und es folgte eine Zeit, die gemeinhin als Interregnum bezeichnet wird. In den Jahren zwischen 574 und 584 hatten die Langobarden keinen König, der das Volk zusammenhielt. Das noch so junge Reich hatte mit inneren Konflikten und Spannungen zu kämpfen, wodurch eine weitere Expansion zunächst unterbunden wurde und das ursprüngliche Ziel, ganz Italien zu erobern, nicht weiter verfolgt werden konnte. 584 aber wurde das Langobardenreich wieder zu einem Königtum und der neue König Agilulf verfolgte ab etwa 590 eine aggressive Expansionspolitik, die sich vor allem auf die Stadt Rom auswirkte. 591 begann zunächst der langobardische Dux28 von Spoleto die Gegend um Rom zu bedrohen. Ein Jahr später, im Frühjahr 593, „marschierte auch König Agilulf in Richtung Süden, eroberte nach kurzer Belagerung Perugia […] und erschien vor Rom“29. Diese Bedrohung Roms durch König Agilulf fiel mit der Amtszeit Gregors des Großen zusammen, der von 590 bis 604 Papst in Rom war. Dieser wurde durch den Aufmarsch Agilulfs gleich zu Beginn seiner Amtszeit als Papst vor die große Aufgabe gestellt, Rom vor den Langobarden zu schützen. Paulus Diaconus beschreibt in seinem Werk eine erschrockene Reaktion des Papstes: „Bei dem Anzug des Königs erschrak der heilige Papst Gregor so sehr, dass er die Erklärung des Tempels […] abbrach.“30 Ob diese Schilderung so zutrifft, weiß man nicht, aber Gregor erkannte schnell die Bedrohung für Rom und bemühte sich von nun an, eine friedliche Lösung mit den Langobarden zu finden. Gregor nahm gemeinsam mit kaiserlichen Beamten die Verhandlungen mit den Langobarden auf und man erreichte eine Waffenruhe gegen eine Tributzahlung von 500 Pfund Gold. Zwar wurde der Vertrag im Namen der kaiserlichen Beamten abgeschlossen, doch Gregor spielte nachweislich eine wichtige Rolle. Der Vertrag scheiterte jedoch letztendlich, da der Exarch von Ravenna seine Zustimmung versagte. Auch der Kaiser in Konstantinopel lehnte eine Waffenruhe gegen die Zahlung eines Tributes ab, so dass der Krieg der Langobarden gegen die noch übrigen byzantinischen Teile Italiens fortgesetzt wurde und damit Rom weiter bedroht war. Im Laufe der Zeit konnten allerdings immer wieder lokale Waffenstillstandsverträge abgeschlossen werden und „auch der Papst konnte seine Kontakte mit dem langobardischen Königshof aufrecht erhalten und setzte, trotz des Scheiterns des Vertrages mit Agilulf im Frühjahr 594, seine Bestrebungen fort“31. Als 596 der Exarch von Ravenna starb, nutzte Gregor die Zeit bis zur Ankunft des neuen Exarchen, um die Verhandlungen fortzuführen. Er schickte Gesandte an den langobardischen Hof, doch ein allgemein gültiger Vertrag konnte ohne das Einverständnis von Byzanz nicht abgeschlossen werden. 598 scheint es jedoch gelungen zu sein, zumindest einen einjährigen Waffenstillstand zu vereinbaren. In den darauf folgenden Jahren brach der Konflikt zwischen den Langobarden und Byzanz jedoch immer wieder offen aus und Gregor bemühte sich weiterhin, Rom und damit seinen Einflussbereich vor den Langobarden zu schützen. Es wird deutlich, dass Gregors Interesse von Anfang an darin Bestand, unter allen Umständen Frieden mit den Langobarden zu schließen. An den Verhandlungen Gregors mit den Langobarden zeigt sich auch die oftmals schwierige Beziehung des Papstes mit Byzanz, denn „was die direkte Beziehung zu den Langobarden betrifft, herrschte […] oft Uneinigkeit zwischen der weltlichen und der kirchlichen Gewalt“32.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Hinwendung der Langobarden zum Katholizismus. Zu Beginn der Völkerwanderung waren die Langobarden Wodanverehrer, dann wandten sich viele dem arianischen Glauben zu, bis schließlich der Katholizismus eine immer größere Rolle zu spielen begann. Die Frau König Agilulfs, Theodelinda, war katholisch getauft und unterhielt einen Briefwechsel mit Papst Gregor dem Großen. In diesen Briefen sind politische Äußerungen des Papstes zu finden, die sein Anliegen und seine Bestrebungen im Hinblick auf die Langobarden deutlich werden lassen. Des Weiteren bemühte er sich zusammen mit Königin Theodelinda, möglichst viele Langobarden für den katholischen Glauben zu gewinnen. Zwar traten sogar viele Langobarden unter König Agilulf zum katholischen Glauben über, doch die schwierige Beziehung zum Papsttum blieb bestehen. Das ist vermutlich auf die divergierenden Interessen der Langobarden und des Papstes hinsichtlich der Stadt Rom zurückzuführen, denn „immer wieder lockte die Ewige Stadt die Begehrlichkeit der Germanen“33. Der Papst aber versuchte die Einnahme Roms mit allen Mitteln zu verhindern.




    1. Die Päpste und deren Behandlung der Langobarden nach Gregor dem Großen

Noch bis in das späte achte Jahrhundert hinein mussten sich die Päpste in Rom mit den Langobarden auseinandersetzen. Endgültig entschärft werden konnte die Bedrohung dabei zunächst nicht. Erst Papst Stephan II. führte eine entscheidende Wende herbei. Unter ihrem König Liutprand (712 – 744) versuchten die Langobarden noch einmal, ganz Italien zu erobern. Diesem gelang es schließlich, das Exarchat von Ravenna zu erobern. Damit drohte eine baldige Einnahme der Stadt Rom, doch Byzanz „konnte und wollte nicht schützend eingreifen“34. Aus diesem Grund wandte sich Papst Stephan II. Hilfe suchend an den ersten Karolingerherrscher Pippin. Dieser besiegte die Langobarden 754 und 756 und gewann Ravenna zurück. Anstatt dieses Gebiet jedoch an Byzanz zurückzugeben, übertrug er es dem Papst, womit der erste Grundstein für den Kirchenstaat gelegt wurde.35 Außerdem verlieh Papst Stephan II. Pippin den Titel ‚Patricius Romanorum’. Dieser wurde dadurch zum Schutzherrn Roms und des Papstes. Endgültig besiegt wurden die Langobarden schließlich von Karl dem Großen in den Jahren 773 und 774.

3. Zusammenfassung

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Langobardeneinfall in Italien und die Langobardenherrschaft die Entwicklung des Papsttums und der Stadt Rom entscheidend geprägt haben. Das Schicksal des Papsttums und damit Roms scheint eng mit dem Schicksal der Langobarden verbunden zu sein. Die Isolierung Roms und die schwindende Macht des Byzantinischen Reiches in Italien nach dem Langobardeneinfall beriefen den Papst zu immer größerer Verantwortung. Für das Papsttum war es sehr wichtig, dass Rom nicht erobert wurde und damit die Stadt, der päpstliche Einflussbereich und das Petrusamt nicht dem langobardischen Reich einverleibt wurden. Durch diese neue Verantwortung des Papstes wurde andererseits auch die Stadt Rom automatisch immer stärker an den Papst gebunden.

Gleichzeitig zeigt die Behandlung der Langobarden durch die Päpste ihr wachsendes Selbstbewusstsein, vor allem gegenüber Byzanz. Die Verhandlungen Papst Gregors des Großen mit den Langobarden verdeutlichen, welche Anstrengungen und auch Risiken in Kauf genommen wurden, um eine Eroberung Roms durch die Langobarden zu verhindern.

Letztendlich wurde sogar das neue Bündnis des Papsttums mit den fränkischen Herrschern als Reaktion auf die Bedrohung Roms durch die Langobarden geschlossen. Der Hilferuf Papst Stephans II. resultierte in der Pippinischen Schenkung, die wiederum den Grundstein für den Kirchenstaat und den Aufstieg des Papsttums legte. Unter Karl dem Großen wurden schließlich Kaiserkrone und Papsttum eng aneinander gebunden und damit das Bündnis perfektioniert, das das europäische Mittelalter noch für lange Zeit entscheidend beeinflussen sollte.




4. Quellen- und Literaturverzeichnis

Otto Abel (Hg.), Paulus Diaconus und die übrigen Geschichtsschreiber der Langobarden, übersetzt von Otto Abel, Leipzig 1849.


Christou, Konstantinos P., Byzanz und die Langobarden. Von der Ansiedlung in Pannonien bis zur endgültigen Anerkennung (500-680), Athen 1991.
Goez, Werner, Grundzüge der Geschichte Italiens in Mittelalter und Renaissance, Darmstadt 1975.
Jarnut, Jörg, Die Landnahme der Langobarden in Italien aus historischer Sicht, in: Ausgewählte Probleme europäischer Landnahmen des Früh- und Hochmittelalters. Methodische Grundlagendiskussion im Grenzbereich zwischen Archäologie und Geschichte, hg. v. Michael Müller-Wille/Reinhard Schneider (Vorträge und Forschungen 61), Sigmaringen 1993, S.173-194.
Jarnut, Jörg, Geschichte der Langobarden, Stuttgart 1982.
Pohl, Walter, The Empire and the Lombards. Treaties and Negotiations in the Sixth Century, in: Kingdoms of the Empire. The Integration of Barbarians in Late Antiquity, hg. v. Walter Pohl, Leiden 1997, S.75-133.
Priester, Karin, Geschichte der Langobarden. Gesellschaft, Kultur, Alltagsleben, Stuttgart 2004.
Richards, J., Art. „Gregor – I. G. I. d. Gr. – I. Leben und Werk”, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 4, München-Zürich1989, Sp.1663-1664.
Tabacco, G.: Art. „Langobardenreich – II. Geschichte“, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 5, München-Zürich 1991, Sp.1691-1698.

Ein Theologisches Grundproblem der Zeit. Der Kampf gegen den Arianismus

Verena Schneider


  1. Einleitung

Als Gregor der Große im Jahre 590 n.Ch. den heiligen Stuhl bestieg, war der Zenit des Arianismus längst überschritten. Die Mehrheit der germanischen Stämme bekannte sich bereits zum Katholizismus, jüngst die Westgoten, ein Jahr vor Amtsantritt des Papstes. Konfrontiert wurde Gregor mit dem Arianismus durch die Langobarden, die seit Mitte des 6. Jahrhunderts weite Teile Italiens erobert hatten. Als letzter Germanischer Stamm beriefen sie sich auf das homöische Bekenntnis und vertraten damit eine Häresie vor den Toren Roms.

Um die Problematik des Arianismus für Gregor den Großen verständlich zu machen, möchte ich im Rahmen dieser Abhandlung zunächst den Grundgedanken und die Entstehung dieser christlichen Strömung darstellen, darauf folgend auf die Verbreitung unter den germanischen Völkern eingehen und schließlich Gregors Situation und sein Handeln bezüglich des Arianismus aufführen.




  1. Arianismus

    1. Die Entstehung des Arianismus im Spiegel der Spaltung der frühchristlichen Kirche

„In nomine Patris, et Filii, et Spiritus Sancti (Matthäus 28, 19) .“ Die Dreifaltigkeit Gottes ist heutzutage ein fest verankertes Dogma der christlichen Kirchen. In der Spätantike hingegen löste die Frage, in welchem Verhältnis Vater, Sohn und später Heiliger Geist zueinander stehen, eine Grundsatzdiskussion über das Wesen Gottes aus, welche die frühchristliche Kirche spaltete.


      1. Die Lehre des Arius und der Beginn des arianischen Streits

Der Anstoß des arianischen Streits gab die Auseinandersetzung zwischen dem Presbyter Arius und dessen Bischof Alexander von Alexandrien zu Beginn des 4. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt der theologischen Debatte stand das Verständnis der Person Christi. Während Arius eine radikale Position gegen dessen göttliche Natur einnahm und ihn als Geschöpf Gottes definierte, das dem Vater untergeordnet sei (Subordinatianismus), vertrat Alexander den Standpunkt, Christus sei dem Vater gleich und sprach ihm volle Göttlichkeit zu. Die Problematik dieser These bestand darin, inwiefern die Verehrung des Sohnes als Gott neben dem Vater mit dem monotheistischen Glauben zu vereinbaren war. Demzufolge konnte Arius eine Anhängerschaft bilden, die in Alexanders Interpretation eine Hinwendung zum Ditheismus befürchteten. Sein Gegner hingegen wurde von den Theologen unterstützt, die den göttlichen Status Christus vertraten.


      1. Vom Konzil in Nizäa bis zum Konzil von Konstantinopel (325-381)

Der Konflikt verlagerte sich von Alexandrien auf die östlichen Gebiete des Reiches und entwickelte sich zur innerkirchlichen Auseinandersetzung. Kaiser Konstantin I., der den reichskirchlichen Frieden in Gefahr sah, griff schließlich in die theologische Debatte ein und berief im Jahre 325 n.Ch. die Synode von Nizäa ein, die als 1. ökumenisches Konzil in die Geschichte einging. Im Verlauf des Konzils wurden Arius und seine Anhänger verurteilt, sowie seine Lehre verworfen. Um das Verhältnis von Gott und Christus zu klären, kristallisierten sich die Begriffe homouius (wesenseins) und ouvia (Substanz) heraus, die später die Grundlage für die Trinitätslehre bilden sollten.
Nach Nizäa hatte Arius für den weiteren Verlauf des „arianischen“ Streits keine nennenswerte Bedeutung mehr. Ebenso ist der Begriff Arianismus insofern missverständlich, da sich jene christlichen Strömungen, die nach Nizäa als Arianer bezeichnet wurden, weder auf die Lehren Arius beriefen, noch sich selbst als arianisch sahen. Die Bezeichnung wurde viel mehr von den Anhängern des Nizänums (Die Beschlüsse des nizänischen Konzils) instrumentalisiert, um die Vertreter des Subordinatianismus zu denunzieren, indem sie mit einer bereits verworfenen häretischen Lehre gleichgesetzt wurden.
Die theologische Problematik war nach dem Machtspruch Konstantins keineswegs geklärt. Während sich das Nizäneum im Westen langsam durchsetzte, entstanden im oströmischen Reich neue arianische Strömungen. Im Osten konnte sich 357 schließlich das homöische Bekenntnis etablieren, dessen Kernaussage darin bestand, dass Christus dem Vater wesensähnlich, aber untergeordnet sei. Die gesamte Periode von 325 bis 381 war geprägt von theologischen Spannungen, wenig hilfreich für eine Einigung waren dabei vor allem die schwankenden Entscheidungen der weltlichen Herrscher, welche Lehre als orthodox galt.
Die Klärung und damit das Ende des „arianischen“ Streits brachte schließlich das 2. ökumenische Konzil in Konstantinopel im Jahre 381. Der Arianismus, darunter das homöische Christentum, wurde endgültig als häretisches Bekenntnis verurteilt, während die Trinität zum ersten Dogma der christlichen Kirche erhoben wurde. Die Erklärung, Gott sei ein Wesen mit den drei Hypostasen Vater, Sohn und heiliger Geist, trug sowohl dem Monotheismus, wie auch der Anerkennung der wahrhaften Göttlichkeit Christus Rechnung.


    1. Die Eigendynamik des germanischen Arianismus

Mit dem Konzil von Konstantinopel hätte die Geschichte des Arianismus wohl ihren Schlussakt gehabt, wäre nicht durch den Aspekt der Völkerwanderung ein weiteres Kapitel hinzugekommen. Der Ausgangspunkt der germanischen Christianisierung lag bei den Goten, unter denen es bereits im dritten Jahrhundert n.Ch. vereinzelt Christen gegeben hat. In Berührung mit dem Christentum kamen die Goten anfänglich durch verschleppte Kappadokier, während ihrer Einfälle ins oströmische Reich. Diese römischen Provinzialen hielten an ihrem Glauben fest und öffneten dem Christentum eine Tür. Tatsächlich sind ihnen erste Missionierungserfolge bei den heidnischen Goten zuzuschreiben.
Als Schlüsselfigur der arianisch-germanischen Missionierung trat im 4. Jahrhundert der gotische Christ Wulfia auf, ein Nachfahre verschleppter Kappadokier. Euseb von Nikomedien, der bischöfliche Berater Konstantius und Gegner des Nizänums, weihte ihn, während seines Aufenthalts am kaiserlichen Hof als gotischer Gesandter im Jahre 336, zum Bischof von Gotien. Wulfia musste jedoch aus dem Gotenreich, aufgrund der Christenverfolgung in den 340er Jahren, mit seiner Anhängerschaft fliehen. Die später als Kleingoten bezeichnete Gruppe siedelte sich mit Unterstützung von Kaiser Konstantius II. in Moesien im römischen Reich an.
Durch Euseb geprägt, wandte sich Wulfia im Verlauf des „arianischen Streits“ dem homöischen Bekenntnis zu, das zur Grundlage des germanischen Arianismus wurde. Dem schlossen sich ebenfalls westgotische Christen an, die sich auf römischen Boden ansiedelten. Weiterhin ist vor allem Wulfias Übersetzung der Bibel ins gotische, für die er eine eigene Schriftsprache entwickelte, von Bedeutung. Zum einen erhielt dadurch das germanische Christentum seine eigene Prägung, zum anderen unterstützte die Gotenbibel die Überlieferung des Arianismus an die, ins römische Imperium einwandernden Volksstämme. Im Zuge der Völkerwanderschaft wandten sich unter den Germanen einzig die Franken gegen das homöische Bekenntnis und gewissermaßen erlebte der Arianismus im Ausklang des 4. und Verlauf des 5. Jahrhunderts eine Konjunktur. Hierbei spiegelt sich ein ambivalentes Selbstverständnis der Germanen wieder. Einerseits bemühten sie sich um Integration und Annäherung an das Römische Reich, durch Hinwendung vom Heidentum zum christlichen Glauben, andererseits fand eine Abgrenzung statt, in Form des seit 381 als Häresie verurteilten Arianismus.


    1. Papst Gregor der Große und die Langobarden

Die Langobarden kamen vermutlich Mitte des 6. Jahrhunderts durch die Ostgoten auf dem Balkan mit dem homöischen Christentum in Berührung. Als sie 568 in Italien einfielen, war ihre religiöse Situation eine zum Teil heidnische, teils arianische Bevölkerung. Zum Amtsantritt Gregors I. 590, hatten die Langobarden große Teile des italienischen Gebietes erobert und stellten für den Papst und das ihm anvertraute Rom die größte Bedrohung dar, nicht nur im militärischen, sondern auch im religiösen Sinne.
Für Gregor, der in der Missionierung Westeuropas eine seiner primären kirchlichen Aufgaben sah, stand mit den Langobarden ein theologisches Problem vor der Tür. Die romanische Bevölkerung der eroberten Gebiete um Rom, unterlag der Herrschaft einer häretischen Sekte, die dem obersten Dogma der katholischen Kirche, der Trinitätslehre, widersprach. Die Gefahr bestand auf der einen Seite in einer möglichen Gegenmission, also der Arianisierung der Romanen, auf der anderen Seite drohten Übergriffe auf die katholische Bevölkerung, abhängig von der Kirchenpolitik des jeweiligen Herrschers. Unter König Autharis gab es beispielsweise ein Verbot langobardische Kinder katholisch Taufen zu lassen - ein Rückschritt bezüglich der religiösen Integration ins römische Reich.
Des Weiteren zwang die geschwächte Lage Roms und die mangelnde militärische Unterstützung seitens Byzanz, den Papst zu Verhandlungen mit den feindlichen Langobarden, als diese die Stadt belagerten. Aus Mangel an Waffengewalt musste sich der Rückzug der Belagerer erkauft werden, bedeutete also die Unterlegenheit der katholischen Romanen. Interessant ist an dieser Stelle, wie sich diese Unterlegenheit auf das Selbstbewusstsein der katholischen Bevölkerung ausgewirkt haben muss, schließlich lag in diesem Fall die Machtposition bei den häretischen Arianern.
Der militärischen Gefahr durch die Langobarden gebot Gregor also zunächst Einhalt, indem er ihnen materielle Zugeständnisse machte. Weiterhin bemühte er sich um Verhandlungen bezüglich eines Friedensvertrages zwischen Byzanz und den germanischen Eroberern, was 598 schließlich von Erfolg gekrönt war. Die theologische Problematik versuchte Gregor anfänglich durch Missionierung anzugehen, indem er zu Beginn seines Pontifikats den regionalen Bischöfen anwies, die Langobarden zur Abwendung vom häretischen Glauben aufzufordern. Der Papst jedoch musste bald einsehen, dass die Missionierungsversuche nicht von Erfolg gekrönt sein sollten, die Gefahr, in Gestalt des Arianismus, bedurfte eines anderen Lösungsweges.
Diesen Lösungsweg fand Gregor in der katholischen Langobardenkönigin Theodelinde. Er pflegte diplomatische Kontakte zu ihr, nicht als Herrscher Roms, was er zumindest inoffiziell de facto war, sondern als katholischer Bischof. An Theodelinde, die sich im Verlauf des Drei-Kapitel-Streits den aquileischen Schismatikern angeschlossen hatte, richtete er sehr persönlich formulierte Briefe, in denen er ihr Vertrauen in die römisch-katholische Kirche wieder wecken wollte. Seine Bemühungen bezüglich der Königin waren von Erfolg gekrönt. Durch sie erreichte er beispielsweise eine gemäßigte Kirchenpolitik der Langobarden gegenüber den Katholiken, gekrönt wurde seine theologische Diplomatie jedoch, vor allem durch die katholische Taufe des langobardischen Thronfolgers Adaloald, die Theodelinde selbst gegen ihren arianischen Gemahl Agiulf durchsetzte.

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