Das Rom der Päpste (Frühmittelalter) Seminar „Rom im Mittelalter“




Yüklə 293.25 Kb.
səhifə2/7
tarix25.04.2016
ölçüsü293.25 Kb.
1   2   3   4   5   6   7

Der Bischof von Rom übernimmt neue Funktionen für Rom

Zu Beginn unseres betrachteten Zeitabschnittes bauten die Kaiser des Römischen Reiches die Kirchen in Rom. Später dann bauten Privatleute, vorwiegend aus den Oberschichten der Stadt Rom, seit Bischof Sixtus III. (432-440) dann die Bischöfe von Rom die Kirchen der Stadt.

„Im Mittelpunkt der Christengemeinde stand der Bischof [...]. Er war ihr rangerster Liturge, zugleich Prediger und Katechet, dazu Verwalter des Kirchenbesitzes, weiter auch Vorsteher der mit ihm zusammenlebenden Kleriker-Gemeinschaft und nicht zuletzt Hirte seiner Herde.“13 Der Bischof hat Verantwortung für öffentliche Fürsorge, in kleinen Gerichtssachen konnte er (nach Anrufung) gültige Schiedssprüche fällen. Der Bischof war bei „wichtigen städtischen Belangen“ als „unbestechliche[...] Instanz“ angesehen.14 „Für die städtischen Massen, denen in der Antike keinerlei soziale oder medizinische Einrichtungen zur Verfügung standen, schufen die Christen erste Wohlfahrtseinrichtungen.“15

Die Christianisierung Roms schritt seit dem 4. Jh. stetig voran. Seit dem 5. Jh. gab es enge, sogar familiäre Verflechtungen zwischen römischer Oberschicht und dem Klerus.

Die kaiserliche Verwaltung Roms verlor um 400 nach und nach die Möglichkeiten und Fähigkeiten, die Bevölkerung zu versorgen und zu schützen. Zu diesem Zeitpunkt sahen die römischen Bischöfe ihre Chance und Pflicht zur Ausweitung ihrer Aufgaben für die Gemeinde und traten mehr oder minder in die Nachfolge der unfähigen staatlichen Verwaltung.

Die Kirche erzielte die Finanzen für ihre karitativen Aktivitäten zum großen Teil durch Spenden, das Erbe von Gläubigen, durch Erwirtschaftungen aus den Ländereien und durch Einverleibung eines Teils der Vermögen der Oberschicht beim Eintritt in Kirchenämter. Seit Mitte des 4. Jh. wurde wegen der großen Ländereien eine gut funktionierende Organisation und Verwaltung der Kirchenländereien nötig. Wegen der notwendigen schriftlichen Fixierung von Vermögen, von Liturgie, von bischöflichen Schreiben usw. war ein Apparat schriftkundiger Notare essentiell für die kirchliche Verwaltung. Und damit stand dieser funktionierende kirchliche Verwaltungsapparat dann auch für die städtische Verwaltung zur Verfügung.

Zur Zeit der Langobarden-Einfälle in Italien wurde Rom immer mehr isoliert vom ost-römischen Einfluss. Die noch verbliebene Oberschicht floh entweder gen Konstantinopel oder trat dem Klerus bei. Die allgemeinen Pfleger der alten römischen Traditionen verschwanden zusehends. Dies führte auch zu einer verstärkten Zuwendung der Bevölkerung zur christlichen Kirche.

Im 5. Jh. beginnen die römischen Bischöfe zunehmend das politische Vakuum in Rom, welches durch das Wegbrechen kaiserlicher Macht nach und nach entstand, zu füllen. Hiermit bildet sich auch schrittweise die Institution des Papsttums als die neue Autorität für die Stadt Rom heraus.

Durch die erfolgreiche Rück-Eroberung Roms in das Ost-Römische Reich, wurde auch die römische Kirche wieder enger an den Kaiserhof gebunden; hatte dort sogar einen ständigen Abgesandten. In Rom wurde die restaurierte politische Situation u.a. dadurch sichtbar, dass Militär in der Stadt stationiert wurde und der kaiserliche Statthalter aus Ravenna Einfluss in Rom nahm.



Trotzdem waren es die Bischöfe von Rom, die im 6. Jh. die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Wasser, den Schutz für die Stadtbewohner, die öffentliche Verwaltung sowohl über die Ländereien der Kirche als auch der Stadt selbst und letztendlich die karitative Versorgung der Massen übernahmen.

  1. Zusammenfassung

Wir bewegten uns im obigen Abschnitt in den Jahren 314 bis 590 n. Chr.. Diese Zeit des Übergangs von der Antike zum Mittelalter im Römischen Reich, hier speziell von der Spätantike zum Frühmittelalter, war nicht nur gekennzeichnet durch Entwicklungen in der Geschichte der Stadt Rom, sondern auch durch Entwicklungen in der Geschichte des sich festigenden Papsttums. Der „Papst“ behauptete seinen Vorrang gegenüber anderen Bischöfen des Römischen Reiches, er schwang sich auf zum religiösen Führer des Abendlandes und sicherte sich sowie der römischen Kirche hierdurch eine Ausschlag gebende, führende Rolle für das Christentum. Aber nicht nur in inner-kirchlichen Angelegenheiten im Reich, sondern auch innerhalb der römischen Stadtgrenzen und im Umland Roms wurde die Rolle des römischen Bischofs im Laufe dieser drei beleuchteten Jahrhunderte eine andere: Wo der römische Bischof zu Beginn des 4. Jh. „[...]als Leiter seiner Diözese Rom, seines Amtsbezirks als einfacher Bischof; [...]“16 nur der Vorsteher einer gerade erst staatlich anerkannten, aber noch minderheitlichen Institution war, so ist der Papst, der seit der Zeit Gregor I. den bischöflichen Ehrentitel „papa“ exklusiv für sich in Anspruch nehmen konnte, am Ende des 6. Jahrhunderts „feste[r] Verhandlungspartner für Byzanz in den die Stadt betreffenden Angelegenheiten“17 gewesen.


  1. Literaturverzeichnis

Angenendt, Arnold: „Das Frühmittelalter. Die abendländische Christenheit von 400 bis 900“, Stuttgart – Berlin – Köln 1990, Seiten 56–97 & 137–146.
Arnaldi, G. & Marazzi, F. & Sanfilippo, M.: Artikel „Rom“, in: Angermann, Norbert u.a. (Hgg.): „Lexikon des Mittelalters.“, Band 7 (Planudes bis Stadt (Rus’)), München 1995, Spalten 967ff..
Bringmann, Klaus: „Römische Geschichte. Von den Anfängen bis zur Spätantike“, München 1995, Seiten 99–123.
Fuhrmann, Horst: „Die Päpste. Von Petrus zu Johannes Paul II.“, München 1998, Seiten 25–50 & 81–98.
Haendler, Gerd: „Die Rolle des Papsttums in der Kirchengeschichte bis 1200. Ein Überblick und achtzehn Untersuchungen“, Göttingen 1993, Seiten 22–31.
Haendler, Gert: „Das Papsttum unter gotischer und byzantinischer Herrschaft“, in: Greschat, Martin (Hg.): „Gestalten der Kirchengeschichte“, Band 11 (Das Papsttum I. Von den Anfängen bis zu den Päpsten in Avignon), Stuttgart 1984, Seiten 71–82.
Jenal, Georg: „Gregor I., der Große“, in: Greschat, Martin (Hg.): „Gestalten der Kirchengeschichte“, Band 11 (Das Papsttum I. Von den Anfängen bis zu den Päpsten in Avignon), Stuttgart 1984, Seiten 83–99.
Schimmelpfennig, Bernhard: „Das Papsttum. Grundzüge seiner Geschichte von der Antike bis zur Renaissance“, 2. Auflage, Darmstadt 1987, Seiten 16–72.
Schwaiger, Georg: „Das Papsttum in der Geschichte“, in: Greschat, Martin (Hg.): „Gestalten der Kirchengeschichte“, Band 11 (Das Papsttum I. Von den Anfängen bis zu den Päpsten in Avignon), Stuttgart 1984, Seite 9f..
Seppelt, Franz Xaver & Schwaiger, Georg: „Geschichte der Päpste. Von den Anfängen bis zur Gegenwart“, München 1964, Seiten 22–58.
Speigl, Jakob: „Die Päpste in der Reichskirche des 4. und frühen 5. Jahrhunderts“, in: Greschat, Martin (Hg.): „Gestalten der Kirchengeschichte“, Band 11 (Das Papsttum I. Von den Anfängen bis zu den Päpsten in Avignon), Stuttgart 1984, Seiten 43–55.

Stockmeier, Peter: „Leo I. der Große“, in: Greschat, Martin (Hg.): „Gestalten der Kirchengeschichte“, Band 11 (Das Papsttum I. Von den Anfängen bis zu den Päpsten in Avignon), Stuttgart 1984, Seiten 56–70.


Tönnesmann, Andreas: „Kleine Kunstgeschichte Roms“, München 2002, Seiten 16–61.
Ullmann, Walter: „Kurze Geschichte des Papsttums im Mittelalter“, Berlin – New York 1978, Seiten 1–46.

Die politische und wirtschaftliche Situation innerhalb Roms im Übergang von Spätantike zum Frühmittelalter
Claudia Freitag

1. Einleitung

Als Hauptstadt des Imperium Romanum stieg Rom in der Antike zur wohl größten und glanzvollsten Stadt des Mittelmeerraums auf. Ihre Baukunst und moderne Verwaltungsstruktur sowie der Glanz ihrer gesellschaftlichen Elite manifestierten die Macht und den Reichtum des gesamten römischen Imperiums und hoben Rom zum uneingeschränkten politischen und gesellschaftlichen Zentrum der antiken Welt empor.

Der antike Glanz Roms hielt aber nicht fortdauernd an und erlebte im Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter einen starken Niedergang. Innere Krisen, die Verlagerung der Kaiserresidenz von Rom – zunächst nach Mailand und später nach Ravenna und Konstantinopel – sowie die Last häufiger Plünderungen und Belagerungen durch germanische Stämme während der Völkerwanderung, zerrten in der Spätantike an den Kräften Roms und brachten die Stadt zeitweise an den Rand ihrer Existenz. Der Zusammenbruch der politischen und wirtschaftlichen Strukturen Roms wirkte sich auf allen Ebenen des städtischen Lebens aus und ging mit dem äußeren Verfall und der Zersetzung der Sozialstruktur der Stadt einher.

Während Rom in der Antike noch das Zentrum des römischen Imperiums darstellte, glich sie im 5. und 6. Jh.n.Chr. nunmehr einer Geisterstadt im Schatten ihres einstigen Glanzes. Diese Verfallsentwicklung stabilisierte sich erst im Mittelalter, durch das zunehmende Eingreifen der römischen Kirche in die weltlichen Belange der Stadt und dem damit verbundenen Erstarken des Papsttums.


Die politische und wirtschaftliche Situation innerhalb Roms im Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter ist von zentraler Bedeutung für die Betrachtung der Entwicklung der Stadt Rom im Mittelalter, da sie Ausdruck der Transformation Roms von der Antike zum Mittelalter und ihres Bruchs mit den Strukturen der Antike ist. Der Verfall Roms in der Spätantike stellt somit die Ausgangslage für den Übergang der Stadt ins Mittelalter sowie den Aufstieg der römischen Kirche dar. Denn erst der Verfall der antiken Strukturen Roms, der Zusammenbruch und die Handlungsunfähigkeit seiner politischen Institutionen, ebenso wie seine wirtschaftliche Notlage machte das verstärkte Eingreifen der römischen Päpste in die Verwaltung Roms erforderlich. Dies ebnete der römischen Kirche den weiteren Weg für die Ausdehnung ihres weltlichen Machtbereichs und ihren Aufstieg im Mittelalter, wodurch die Geschicke der Stadt Rom und die des Papsttums unmittelbar miteinander verknüpft wurden.


  1. Zwischen „Kontinuität und Katastrophe“18

Politische und wirtschaftliche Entwicklungen innerhalb Roms im

Übergang von Spätantike zum Frühmittelalter
2.1. Politischer Machtverlust und Zersetzung des sozialen Gefüges Roms

Bereits mit Einsetzen der Spätantike ließ sich ein erster Wandel in den politischen und wirtschaftlichen Strukturen Roms verzeichnen, der den weiteren Verfall Roms im Verlauf des Spätmittelalters förderte.

Der Ausbau einer Reihe weiterer Städte des römischen Imperiums zu Kaiserresidenzen unter Kaiser Diokletian, stellte bereits einen ersten Einschnitt in den politischen Einfluss Roms und dessen Vorrangstellung als alleiniger Hauptstadt und Sitz der Zentralgewalt des römischen Imperiums dar, die es nun einbüßte. Mit dem Aufstieg weiterer Städte zu Kaiserresidenzen verlagerte sich das Interesse des Kaisers. Fortan hielten sich die Kaiser, bedingt durch die Auswahl an kaiserlichen Residenzen, nur noch selten und nicht mehr dauerhaft in Rom auf. Auch die finanziellen Investitionen für den Ausbau öffentlicher Bauten und öffentlicher Veranstaltungen konzentrierten sich nun nicht mehr allein auf Rom, sondern wurden zunehmend für die neuen Zentren des Imperiums und deren Ausbau verwendet. Ebenso wurden viele der in Rom ansässigen höheren Zivil- und Militärämter in die neuen Zentren ausgelagert, wodurch der politische Bedeutungsverlust Roms untermauert wurde.

Die Verlagerung der politischen Machtbasis weg von Rom, setzte sich auch unter Kaiser Konstantin fort, der die römische Hauptstadt von Rom nach Byzanz verlagerte und somit den politischen Status Roms als nunmehr ideelle Hauptstadt des römischen Imperiums im Schatten der neuen Machtzentren konsolidierte.

Die Verlagerung der Hauptstadt von Rom nach Byzanz und der damit einhergehende Prestige- und Machtverlust Roms als vormaligem Zentrum der antiken Welt äußerte sich zunächst in dem Mangel an Investitionen zur Errichtung und Erhaltung öffentlicher Bauten. Fortan wurden finanzielle Investitionen und öffentliche Bautätigkeiten vermehrt von Mitgliedern des Senates und Stadtpräfekten getätigt, die sich meist jedoch auf die Renovierung und Instandhaltung alter Bauwerke konzentrierten, wodurch der Neubau in Rom stark abnahm und im 6. Jh.n.Chr. zunächst gänzlich zum erliegen kam.

Mit dem Weggang des Kaisers und zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten innerhalb Roms, die zu einer Verschlechterung der Lebensmittelversorgung und Hungersnöten führten, wurde Rom immer unattraktiver für die führenden sozialen Schichten und die politische Elite Roms. Dies führte dazu, dass sie aus Rom fortzogen. Viele der reichen Patrizierfamilien gaben ihren Besitz in Rom auf, um sich in der Nähe des kaiserlichen Hofs anzusiedeln. Viele der Güter der Stadt standen somit leer und verfielen. Zudem fehlte es an finanzkräftigen Personen, die Steuergelder zahlten und in die Stadt und deren Weitererhalt investierten, was sich besonders im materiellen Verfall der antiken Bausubstanz Roms äußerte. Nicht zuletzt führte der Weggang der sozialen Oberschicht aber auch zu einem enormen Prestigeverlust Roms.

Insgesamt kam es durch das Fehlen der kaiserlichen Zentralgewalt zu einer wirtschaftlichen und politischen Desorganisation innerhalb Roms. Der Senat war zwar in Rom verblieben, hatte aber nur noch eine beratende und zeremonielle Funktion als repräsentatives Organ inne und war letztlich außer Stande, die politische Organisation und Verwaltung Roms alleine zu bestreiten. Auch die kaiserliche Regierung in Ravenna und Konstantinopel verlor im Zuge zunehmender Bedrohungen durch germanische Stämme während der Völkerwanderung an politischem Einfluss innerhalb Roms. Zudem waren die durch diese Regierung eingesetzten Beamten in Rom häufig von der Zentralgewalt abgeschnitten und dadurch weitestgehend machtlos und unorganisiert, da sie keine Rücksprache halten konnten. Durch die Desorganisation und die geringe Handlungsfähigkeit der römischen Verwaltung entstand ein politisches Vakuum in Rom, dass ausgefüllt zu werden bedurfte.
2.2. Wirtschaftliche Rezession und Lage der städtischen Bevölkerung Roms
Im Zuge der Verschlechterung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lage Roms verließen neben der sozialen und politischen Oberschicht auch große Teile der ärmeren Bevölkerung die Stadt, um sich auf dem Land nördlich von Rom anzusiedeln, in der Hoffnung sich dort besser versorgen zu können. In der Folge kam es zu einem großen Wohnungslehrstand aber auch zu einem enormen Bevölkerungsrückgang. Gründe für die stark rückläufigen Bevölkerungszahlen Roms in der Spätantike waren, unter anderem, eine generelle wirtschaftliche Rezession im Westen, die zu schweren Hungersnöten führte. Hinzu kamen Probleme im Import von Gütern aus den römischen Provinzen aus Übersee, bedingt durch Bauernaufstände, Gebietsverluste und Besetzungen in den betroffenen Gebieten. Aufgrund seiner geringen Eigenversorgung war Rom jedoch in starkem Maße auf die Güter aus den Provinzen angewiesen, ohne deren Lieferung sich die ohnehin bereits schlechte Versorgungslage der städtischen Bevölkerung noch weiter verschlechterte. Wiederholte Plünderungen und Besetzungen Roms durch germanische Stämme, wie dem der Ostgoten und der Langobarden, kappten die Versorgung Roms zumeist gänzlich, indem sie die Stadt sowie Teile ihres Umlandes schwer verwüsteten und im Falle von Belagerungen auf längere Zeit von der Außenwelt abschnitten.

Schwere Pestepidemien sowie Malaria und Cholera Erkrankungen, die sich überall in Europa während der Spätantike ausbreiteten, trugen zur Verringerung der Bevölkerung Roms bei. Im Falle Roms wurde die Ausbreitung von Seuchen durch weite Sumpffelder begünstigt, die durch eine mangelhafte Entwässerung von Feldern im Umland der Stadt entstanden waren.

Während angenommen wird, dass sich die Einwohnerzahl Roms zu Zeiten Kaiser Augustus um eine Million bewegt, liegt der Schätzwert der Einwohnerzahl Roms um das Jahr 450 n.Chr. bei knapp 500.000 Personen und sank um das Jahr 500 n.Chr. wohl auf 100.000 Einwohner ab. Für die Zeit nach der Belagerung Roms durch die Goten, wird die Einwohnerschaft Roms auf nur noch 30.000 Personen oder weniger geschätzt. Bereits die Vorstellung davon, dass ein Bevölkerungskern von weniger als 30.000 Personen in einer Stadt weiterlebte, welche für rund eine Million Bewohner ausgelegt war, verdeutlicht, wie schwer es gewesen sein muss, das städtische Leben in Rom aufrechtzuerhalten und dem voranschreitenden Verfall der Stadt Einhalt zu gebieten. Das Bild Roms, dass sich den Zeitzeugen zu jener Zeit geboten hat, muss dem einer Geiserstadt geglichen haben.


    1. Rom: die Ewige Stadt – Fortbestand im Angesicht des Verfalls

Trotz der starken Verfallserscheinungen, die das Stadtbild Roms im Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter prägten sowie der schlechten wirtschaftlichen und sozialen Lage der römischen Bevölkerung, blieb das Grundgerüst für das städtische Leben innerhalb Roms erhalten und kam nie vollkommen zum Erliegen.

Durch die sehr geringe Bevölkerungsdichte siedelte sich die verbleibende Bevölkerung Roms weitgehend entlang der beiden Uferseiten des Tiber an. Die Gebiete der zuvor reich besiedelten Viertel Roms standen nun leer und verfielen. Grünflachen wurde zu Brachland, dass sich in weiten Teilen über Rom erstreckte und bereits in ersten Ansätzen das im Verlauf des Mittelalters verbreitete Konzept von „abitato“19 und „disabitato“20 erkennen ließen. Durch die geringe Bevölkerungsdichte Roms wurde der verbleibende Siedlungskern von weiten Flächen offenen Brachlands begleitet, die durch wilde Weingärten und vereinzelten Ruinen und Bauernhöfen gekennzeichnet waren.

Bedingt durch den großen Bevölkerungsrückgang herrschte ein großer Wohnungsleerstand. Bewohnte Gebäude wurden aufgrund der wirtschaftlichen Notlage Roms, wenn überhaupt nur notdürftig geflickt. Verlassene Herrensitze und Wohnhäuser sowie öffentliche Bauten, Tempel und Statuen verfielen. Infolgedessen kam es vermehrt zu Plünderungen leerstehender Gebäude durch die städtischen Bevölkerung, die sich so Material für die Instandsetzung ihrer eigenen Wohnhäuser besorgte. Öffentliche Bauten wie Straßen und Aquädukte waren mitunter aber noch funktionstüchtig und konnten genutzt werden.

Auf diesem Fundament baute die römische Kirche auf, die sich durch das Fehlen der politischen Zentralgewalt und die widrigen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen innerhalb Roms im Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter immer stärker in die politischen Belange Roms eingriff und so allmählich eine Stabilisierung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse herbeiführte.


3. Schlussbetrachtung

Der voranschreitende Verfall, der die Situation der Stadt Rom im Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter kennzeichnete, wurde durch das Zusammenspiel einer Vielzahl von Ereignissen und Entwicklungen bedingt. Diese setzten mitunter bereits zu Beginn der Spätantike ein und wirkten sich nachhaltig über einen längeren Zeitraum hinweg negativ auf die politische und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt aus. Doch trotz des starken äußeren Verfall Roms, ihrer enormen wirtschaftlichen Schwächung sowie ihrer politischen Desorganisation in der ausgehenden Spätantike, die zeitweise Zweifel am Fortbestand der Stadt aufkommen ließen, kam das soziale Leben in Rom nie vollständig zum Erliegen. Es blühte immer wieder von neuem auf und untermauerte so die Idee von Rom als „Ewiger Stadt“.

Abschließend lässt sich feststellen, dass Rom gerade in dieser Zeit des politischen und wirtschaftlichen Niedergangs eine Transformation von den Strukturen der Antike hin ins Mittelalter durchlebte, die es ihr erst ermöglichten sich weitestgehend von den Strukturen der Antike zu lösen, um so im Mittelalter eine neue Entwicklung einzuschlagen. Die Kirche, die während dieser Zeit als neue Verwaltungsinstanz und politischer Machtfaktor innerhalb Roms hervorging, trug durch ihre ordnenden und eingreifenden Maßnahmen wesentlich zur Stabilisierung und Behebung der sozialen und politischen Missstände Roms im Übergang von Spätantike zu Frühmittelalter bei und verhalf Rom so zu neuer Größe im Mittelalter.

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

Angenendt, Arnold, Das Frühmittelalter. Die abendländische Christenheit von 400 bis

900, 2.Aufl., Stuttgart [u.a.] 1995.
Demandt, Alexander, Art. „Spätantike“, in: Der grosse Ploetz. Die Daten-Enzyklopädie

der Weltgeschichte. Daten, Fakten, Zusammenhänge, 34. Aufl., hg. v. Carl

Ploetz, Freiburg 2005, S. 287.
Gibbon, Edward, Verfall und Untergang des römischen Imperiums. Bis zum Ende des

Reiches im Westen, Bd.5, Kap. XXXIII-XXXVIII, München 2003.


Gregorovius, Ferdinand, Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter. Vom V. bis zum XVI.

Jahrhundert, Bd.1, 2.Aufl., München 1988.


Hetherington, Paul, Medieval Rome. A Portrait of the City and its Life, New York 1994.
Kolb, Frank, Rom. Die Geschichte der Stadt in der Antike, München 1995.
Krautheimer, Richard, Rom. Schicksal einer Stadt 312 - 1308, München 1987.
Price, Simon R.F., Art. „Roma”, in: Der Neue Pauly, Bd.10, hg. v. Hubert Cancik und

Helmuth Schneider, Stuttgart 2001.


Ward-Perkins, Bryan, The fall of Rome and the end of civilization, Oxford 2005.

Die Langobarden in Italien

Julia Bohn
1. Einleitung

Im sechsten Jahrhundert nach Christus trat in Italien ein germanischer Stamm in Erscheinung, der für die romanische Bevölkerung und die Stadt Rom eine immer wichtigere Rolle zu spielen begann: die Langobarden. Im Zuge der Völkerwanderung gelangten sie von der Unterelbe bis schließlich nach Italien und beeinflussten die Geschichte Italiens, Roms und des Papsttums von nun an für mehr als 200 Jahre. Erst wenige Jahre vor dem Italienfeldzug der Langobarden waren die Ostgoten vom byzantinischen Oberbefehlshaber Narses besiegt worden. Die Bevölkerung und das Land blickten auf eine unruhige Zeit schwerer Kämpfe und schlimmer Seuchen zurück. Besonders die Stadt Rom befand sich in einer Phase des Umbruchs. Das Papsttum begann, eine neue und entscheidende Rolle für die Stadt einzunehmen. Mit dem Ausklingen der Antike und dem Zusammenbruch einer funktionstüchtigen Regierung und Verwaltung fielen dem Papst vermehrt politische und soziale Aufgaben zu. Demzufolge war Papst Gregor der Große der erste Papst in Rom, dem im Umgang mit den Langobarden eine wichtige Rolle zuteil wurde. Da die Apenninen-Halbinsel und damit die Stadt Rom von den Langobarden überschwemmt zu werden drohte, versuchte Gregor über einen langen Zeitraum mit den vor Rom lauernden Langobarden zu verhandeln und eine friedliche Lösung zu finden. Auch nach Gregor dem Großen mussten sich viele weitere Päpste mit den Langobarden auseinandersetzen, um die Stellung des Petrusamtes und die immer enger mit dem Papsttum verbundene Stadt Rom zu verteidigen.

Diese Arbeit versucht in mehreren Schritten, den Einfluss der Langobarden auf Italien, Rom und das Papsttum zu erläutern. Dafür wird zunächst der germanische Stamm der Langobarden kurz vorgestellt. Im Anschluss sollen der Langobardeneinfall in Italien und dessen Konsequenzen für die romanische Bevölkerung, Italien und Rom erläutert werden. Danach wird das Verhältnis Roms und des Papsttums mit den Langobarden dargestellt, wobei der Schwerpunkt hier auf Papst Gregor dem Großen liegen soll.

2. Hauptteil
2.1 Die Langobarden - ein germanischer Stamm in der Völkerwanderung

Die Herkunft der Langobarden ist in der Forschung bis heute umstritten. Paulus Diaconus21, der berühmte Geschichtsschreiber der Langobarden, berichtet in seiner „Geschichte der Langobarden“, dass sein Volk aus Skandinavien kam und wegen zunehmender Bevölkerungsdichte diese Gegend verließ. Allerdings gibt es keine gesicherten Zeugnisse oder archäologischen Funde, die dies bestätigen. Nachweislich aber hielten sich die Langobarden seit dem 1. Jh. Vor Christus am Unterlauf der Elbe auf. Im Zuge der Völkerwanderung zogen sie im fünften Jahrhundert von dort in den Donauraum und weiter bis in Gebiete, die heute zu Westungarn gehören22.

Während ihrer Wanderungen bildete sich zunehmend eine militärische Strukturierung der Langobarden heraus, an deren Spitze ein König stand. Das Volk war in so genannte „farae“23 organisiert. Nach Jörg Jarnut kann „die Fara als gefolgschaftlich organisierte oder auf Familienverbänden aufbauende Militäreinheit“24 gesehen werden.

1   2   3   4   5   6   7


Verilənlər bazası müəlliflik hüququ ilə müdafiə olunur ©azrefs.org 2016
rəhbərliyinə müraciət

    Ana səhifə