Das Rom der Päpste (Frühmittelalter) Seminar „Rom im Mittelalter“




Yüklə 293.25 Kb.
səhifə1/7
tarix25.04.2016
ölçüsü293.25 Kb.
  1   2   3   4   5   6   7

Das Rom der Päpste (Frühmittelalter) Seminar „Rom im Mittelalter“


Das Rom der Päpste (Frühmittelalter)
Einleitung
Die Anfänge des Papsttums

(Marlies Reinhold)


Vom geistlichen Hirten zum Stadtherrn: Das Papsttum von der Spätantike zum Frühmittelalter

(Bastian Technau)


Die politische und wirtschaftliche Situation innerhalb Roms im Übergang von Spätantike zum Frühmittelalter

(Claudia Freitag)


Die Langobarden in Italien

(Julia Bohn)


Ein Theologisches Grundproblem der Zeit. Der Kampf gegen den Arianismus

(Verena Schneider)


Das Papsttum unter Gregor dem Großen

(Maria-Elisabeth Brell)


Das Pilgerwesen Roms im Zeitalter Gregors des Großen

(Sven Segger)


Das Theologieverständnis Gregors des Großen

(Michelle Kress)


Topographie Roms nach Gregor I.

(Claudia Schreiber)


Die Pippinische Schenkung und die Entstehung des Kirchenstaates

(Franziska Peters)


Das päpstlich-fränkische Bündnis

(Belal Chahrour)


Schlussbetrachtung
Das Rom der Päpste (Frühmittelalter)

Einleitung
Kaum ein anderer Faktor hat die Stadt Rom im Mittelalter mehr geprägt als die Päpste zu dieser Zeit. Viele Bauwerke zeugen von der Präsenz und dem Einfluss des Christentums. Noch heute gilt die Stadt Rom als Symbol des Christentums und noch immer strömen Pilgerscharen nach Rom, um die Vatikanstadt mit Petersdom, Engelsburg und Vatikanische Museen zu bewundern.

Doch zuerst die Frage: Was ist der Papst? Das Wort Papst heißt ursprünglich Vater und hat eine ähnliche Funktionärsbezeichnung wie Präsident oder Generalsekretär. „Der Heilige Stuhl ist Völkerrechtssubjekt und unterhält diplomatische Beziehungen zu 168 Staaten“1 Dies macht die römisch-katholische Kirche so einzigartig, denn keine andere Glaubensgemeinschaft besitzt diesen Rang.

Im Verlauf des Mittelalters hat sich das Verhältnis der Päpste und des Christentums stetig gewandelt. In dieser Zeit änderten sich sowohl die Politik als auch die Institutionen Roms vielfach, aber ein Fundament blieb erhalten: Die feste Verankerung des Bischofsamtes in der städtischen Gesellschaft. Während zu Beginn des 4. Jahrhunderts die weltliche Herrschaft der Päpste über Rom kaum vorhanden war, begann sich diese Macht im 8. Jahrhundert zu entwickeln, um im 13. Jahrhundert ihren Höhepunkt zu erreichen.

Doch wie kam es zu dieser Machtentfaltung? Als einer der bedeutendsten Papstpersönlichkeiten, welcher zu dieser Entwicklung beigetragen hat, gehört mit Sicherheit Gregor der Große. Besonders ist hierbei, dass nur zwei Päpste in der Geschichte den Beinamen „der Große“ bekommen haben. Gregor war der erste Papst des Mittelalters und der letzte Papst der christlichen Antike. Die vierzehn Jahre seines Pontifikats führten zu einem Wendepunkt in der Geschichte Roms und Europas, da unter ihm die Kirche wesentliche Staatsaufgaben wie die Versorgung der Bürger durch Wohlfahrtszentren und allgemeine öffentlicher Bauten übernahm. Somit kann man sagen, dass unter ihm der Grundstein für die spätere Machtstellung des Papsttums in Rom gelegt wurde.

Seit Gregors dem Großen war das Papsttum das religiöse Zentrum der westlichen Christenheit. Dies war der Grund, warum immer mehr Pilgerscharen nach Rom kamen und den Weg ebneten für die wachsende politische Bedeutung der Stadt. Dies diente einerseits Rom, da die Pilger die wichtigsten Träger des römischen Einflusses in Westeuropa waren und so die römische Kultur verbreiteten, und andererseits der Kirche und dem Papsttum, da dessen Vorrangstellung gesichert wurde. Gleichzeitig zwang die Pilgerflut die Kirche zu Bautätigkeiten, welche man noch heute in Rom bewundern kann.

Dennoch kann die Geschichte der Päpste in Rom keineswegs als reine Erfolgsgeschichte gesehen werden, denn die Zeit des Mittelalters ist gleichwohl geprägt von stetigen und wiederkehrenden Auseinandersetzungen zwischen Papsttum und Kaisertum, bei denen es hauptsächlich um Macht- und Rivalitätsfragen ging. Als bestes Beispiel gilt hier der Investiturstreit, welcher im Jahr 1075 und erst 1122 mit dem Wormser Konkordat endete.

Der Investiturstreit war der Höhepunkt eines politischen Konfliktes im mittelalterlichen Europa zwischen geistlicher und weltlicher Macht um die Amtseinsetzung von Geistlichen.

Auch heute noch erfreut sich Rom großer Beliebtheit, wenngleich die Machtstellung der Päpste mit der des Mittelalters nicht mehr vergleichbar ist. Der Papst ist heutzutage hauptsächlich eine moralische Instanz, was sich wahrscheinlich auf den allgemeinen Bedeutungsverlust von Religion in unserer Gesellschaft zurückführen lässt.



Die Anfänge des Papsttums

Marlies Reinhold

  1. Einleitung

Der Papst gilt als Nachfolger des Apostels Petrus im römischen Bischofsamt. Er trägt heute unter anderem die Titel Bischof von Rom, Statthalter Jesu Christi, Nachfolger des Apostelfürsten, Summus Pontifex der gesamten Kirche, Patriarch des Abendlandes und Souverän des Vatikanstaates. Das Symbol des Papsttums löst verschiedene Arten von Gefühlen bei den Menschen aus, sogar in derselben Person und zur gleichen Zeit, wie Liebe und Hass, Hoffnung und Verzweiflung, Sicherheit und Furcht, Milde und Härte sowie Loyalität und Teilnahmslosigkeit. Der Papst verkörpert sowohl die Idee der absoluten Macht als auch die des selbstlosen Diener Gottes und steht für die Christen als die seelsorgerische Einheit. Im Idealfall bringt er in der Rolle des Hirten die Einheit der Kirche zum Ausdruck.
Das Papsttum ist die einzige Institution, die seit dem frühen Römischen Reich ununterbrochen fortbesteht… Es hat viele große und heiligmäßige Päpste gegeben, viele unbedeutende und nicht wenige, die unwürdig oder schlecht waren; aber das Amt an sich ist immer größer gewesen als die Persönlichkeit, und es besteht fort.“2
Vor allen im Mittelalter hatten die Päpste eine herausragende Rolle, unter anderem als Ernährer der Stadt. Doch wie hat alles angefangen? Gab es schon zu Beginn einen Papst und was hat dieser gemacht? Diesen und weiteren Fragen wird im Folgenden nachgegangen.

  1. Hauptteil

Um die Geschichte des Papsttums nachvollziehen zu können, ist es unabdingbar auch die geschichtlichen Veränderungen der Kirchenstruktur und -verfassung seit den frühchristlichen Anfängen zu kennen, beginnend mit der Entstehung von Unterschieden kirchenrechtlicher Qualität zwischen den einzelnen Bischofskirchen. Doch ich hole noch ein wenig weiter aus und beginne bei dem so genannten „Ersten Papst“, dem Apostelfürsten Petrus.

    1. Petrus und seine direkten Nachfolger

Als gesichert gilt lediglich, dass Petrus in Rom war und als Märtyrer zwischen 64 und 67 durch die Verfolgung Neros seinen Tod fand; nachdem er laut der Legende auf der Flucht vor dem grausamen Tod Christus traf, der ihm sagte, dass er nach Rom käme um wieder gekreuzigt zu werden, woraufhin Petrus reuig umkehrte und ermordet wurde. Man weiß jedoch nicht genau, ob Petrus aufgrund der Primatsverheißung in der Bibel die Initiative zur Übernahme einer dominierenden und primatialen Rolle ergriff, denn er wurde in der Papstliste von Bischof Irenäus von Lyon als der erste Papst aufgeschrieben. Petrus war allerdings eher als Missionsprediger in den schon bestehenden Gemeinden mit ihren vorhandenen Presbyten, also einer Gruppe von Bischöfen, die die Gemeinde kollegial leiteten, unterwegs. Dadurch lässt sich erkennen, dass das Bischofsamt in den Anfängen von einer ganzen Gruppe von Bischöfen ausgeübt wurde, d.h. in der damaligen Zeit existierte noch keine Aufeinanderfolge Einzelner, es wurde lediglich das Leitungsgremium immer wieder aufgefüllt.

Man kann nicht mit Sicherheit sagen, wer nach Petrus die römische Gemeinde leitete. Doch da auf Geschlossenheit der Namensreihe Wert gelegt wurde aufgrund der ununterbrochenen Tradition der Petrusnachfolge, entstand auch ein so genanntes „Papstbuch“, der Liber Pontificalis, in welchem Name, Herkunft und Regierungszeit der einzelnen Bischöfe von Rom eingetragen wurden, teilweise mit Bemerkungen.



    1. Primatsanspruch

Erstmalig lässt sich gegen Ende des 2. Jahrhunderts im Streit um einen einheitlichen Ostertermin der Gesamtkirche unter Viktor I. (189-198) ein Primatsanspruch erkennen. Dieser Bischof exkommunizierte die Kirche Kleinasiens und andere, als sie sich seinen Vereinheitlichungsabsichten nicht fügten. Man sah dies als Störung des friedlichen Systems, des Kollektivs der Bischofskirchen, an, da ein einzelner Bischof allen anderen seine Vorschriften aufzwingen wollte. Ob jedoch Viktor seine angestrebte Rolle zum Beispiel mit Petrus begründete oder ob er eine gewichtige Autorität beanspruchte, ist nicht belegt.

Lediglich mit Vorbehalt wird der Primatsanspruch auch bei Kallist (217-222) angesehen, da nicht sicher ist, ob er oder Bischof Agrippinus von Karthago gemeint war, den Tertullian3 verhöhnte und beschimpfte, weil dieser Bischof ein untragbares Bußedikt erließ, durch das er Wolllust und Ehebruch gegen alle Überlieferung unter die durch kirchliche Buße vergebbaren Sünden aufgenommen hatte. Tertullian gab seinem ungenannten Gegner die ironisch gemeinten Titel „pontifex maximus“ (Oberpriester), „episcopus episcoporum“ (Bischof der Bischöfe), „bonus pastor et benedictus papa“ (guter Hirt und gepriesener Vater) und „apostolicus“ (apostolische Autorität). Er kritisierte auch die seiner Meinung nach missbräuchliche Exegese von Mt 16,18f., die sich der Antagonist zunutze gemacht hatte:


Aber auch ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten des Totenreichs werden nicht fester sein als sie.

Ich werde dir die Schlüssel der Himmel geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch in den Himmeln gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird in den Himmeln gelöst sein.“4
Hier wäre zum ersten Mal die Berufung auf den Papst als Felsen und Petrusnachfolger festgehalten worden, vorausgesetzt Tertullian spricht hier von Kallist und nicht von Agrippinus, denn dann wäre der Vorgang bedeutungslos.

Der ausdrücklichste Primatsanspruch ist durch Stephan I. (254-257) geäußert worden im Zusammenhang mit dem Ketzerstreit in der Mitte des dritten Jahrhunderts. Die Kirchen in Rom und Afrika waren unterschiedlicher Meinung im Fall von Konversionen aus häretischen Gemeinden bezüglich der Anerkennung der von den Irrgläubigen gespendeten Taufe. Aufgrund der Diskussion forderte das afrikanische Episkopat die Eigenständigkeit aller Bischöfe mit ihren theologischen Ansichten zu respektieren. Doch Stephan wollte sein Bild der zentralistischen Kirche, in dessen Mittelpunkt er sich selbst sah, durchsetzen und griff hierbei wieder auf das Felsenwort in Mt 16,18f. (als erster, wenn Kallist ausfällt) zurück, das ihn seiner Meinung nach berechtigte, die Kirchen mit anderer Meinung in Afrika und Kleinasien zu exkommunizieren. Doch wie auch bei Viktor konnte sich Stephan nicht gegen die übrigen Teilkirchen, die ein anderes Kirchenbild besaßen, durchsetzen.



Zuletzt wird in diesem Zusammenhang noch der Bischof Miltiades (310/11-314) genannt, welcher den Herrschaftsantritt im Westreich durch Kaiser Konstantin im Jahr 312 miterlebte. Er bekam vom Kaiser nach Ausbruch des donatistischen5 Schismas in Afrika ein Schreiben mit dem Befehl, zusammen mit den derzeitigen Bischöfen von Autun, Köln und Arles ein Gerichtsverfahren in Rom zur Klärung und Schuldzuweisung mit entsprechenden Folgen durchzuführen. In seinem Schlusswort verkündete er in der Ich-Form das Urteil, obwohl die Bischöfe auch daran beteiligt waren, sodass er eine primatiale Pointe setzte. Auch schon bei den einzelnen Teilen des Verfahrens sprach er stets das letzte Wort und trat insgesamt wie ein Einzelrichter auf. Hieran erkennt man auch eine unzweifelhafte Sicherheit gewichtiger Kompetenz des Bischofs von Rom im Westen.

    1. Zentralisierung der Verehrung

Alle Orts- und Gebietskirchen waren in den frühchristlichen Anfängen gleichwertig, autonom und existierten ohne andere Rückbindung als eine Kette von Einzelkirchen, wobei die Grundsätze der kirchlichen Lehre und Ausübung vereint und synodal abgesteckt wurden. Zur Mitte des zweiten Jahrhunderts hin steigerte sich jedoch das Bedürfnis nach einer sicheren Tradition sowie nach einem Kontakt zum apostolischen Ursprung. Die Ortskirchen, welche entweder der Überlieferung nach von einem der Jünger gegründet wurden, einen Apostel als ersten Bischof hatten oder im Besitz eines Apostelgrabes waren, wurden verehrt und höher gewichtet, denn man ging davon aus, dass dort eher die apostolische Lehre gepredigt wurde. Die anderen Kirchen nahmen Teil an diesem Wahrheitsbesitz ohne jedoch selbst privilegiert zu sein oder die gleiche Qualität wie apostolische Kirchen zu haben. Rom war somit die einzige Kirche im gesamten Westen des Reiches, die in diesem Sinne von apostolischer Qualität zeugte. Aufgrund der Größe, der politischen Bedeutung und der geografischen Lage einzelner Städte besaßen bestimmte Kirchen dieser Metropolen ein deutliches Übergewicht über andere Kirchen, wodurch auch die Bischöfe der Hauptstädte eine Reihe von Rechten über ihre Amtskollegen und Kirchen in der Gegend innehatten. Auch die römische Kirche profitierte als Hauptstadtgemeinde vom politischen Rang und vom Mythos der Stadt, sodass Rom hoch geschätzt wurde und somit gelegentlich universalkirchliche Ansprüche deutlich von Seiten Roms geäußert wurden. Die römische Kirche besaß auch binnenchristliche Vorteile (unterstützt durch die Internationalität Roms in Einwohnerschaft, Kultur und Verkehr), die in ihrer Gesamtheit von anderen Kirchen schwer einzuholen waren, denn sie war berühmt für den Doppelursprung in Petrus und Paulus, dessen Gräber sie auch besaß und hatte deshalb auch einen konkurrenzlosen wie unbestrittenen Anspruch auf Petrus. Des Weiteren waren auch die Größe und das Alter der Gemeinde und die traditionelle Bewährung in der christlichen Verwirklichung, womit die Karitativität gemeint war, nicht zu verkennen.



  1. Zusammenfassung

Das heutige Papsttum besitzt eine zentralistische Kirchenverfassung der lateinisch-römischen Tradition. In den ersten drei Jahrhunderten existierte jedoch keine monarchische Auslegung des Petrusamtes. Vielmehr wurde die kirchliche Einheit im Gesamtepiskopat gesehen und nicht in einem einzelnen Bischof. Der Primatsanspruch des Bischofs von Rom war vor der Einführung des monarchischen Bischofsamtes in Rom, also vor 140/150, nicht zu erwarten. Man fand ihn erstmals Ende des zweiten Jahrhunderts bei Viktor I (189-198) beim Streit um einen einheitlichen Ostertermin. Verstärkt und offenbar selbstbewusster wurde dieser Primatanspruch von Stephan I. (254-257) geäußert, der explizit auf das Felsenwort in Mt 16,18f. einging und somit seine Begründung für eine zentralistische Kirche mit ihm als Mittelpunkt manifestierte. Jedoch konnten sich weder Viktor noch Stephan bei den Teilkirchen durchsetzen.

Man entwickelte erst circa ab der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhundert Interesse für die frühen, urchristlichen Verhältnisse, aber man recherchierte nicht nach heutigen Methoden, sondern indem man die Vorstellung der Nachwelt als Maßstab nahm. Die Verbindlichkeit der geltenden Kirchenordnung und -verfassung, auch des Bekenntnisses und des Petrusamtes, wurde in der Form ausgedrückt, dass sie an den Anfang zurückdatiert wurden.


Alles was gegenwärtig wichtig ist, war demnach schon seit Anfang so, wie man es jetzt hatte. […] Die Kirche war in der Vergangenheit immer schon das, als was sie jetzt faßbar und kenntlich ist, während sie tatsächlich erst im Lauf des Prozesses dieser Geschichte das geworden ist, was ihre jeweilige historische Gestalt war.“6
Somit war für die Menschen im späten zweiten Jahrhundert klar, dass es seit Anbeginn die Sukzession monarchischer Bischöfe gab und eine Liste geführt wurde, in der Petrus als erster Bischof von Rom stand und selbst die frühen Nachfolger des Apostelfürsten das monarchische Primat über die gesamte Kirche ausübten.



  1. Literaturverzeichnis

Arnaldi, G., Marazzi, F., Sanfilippo, M.: Art. “Rom”, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 7, München 1995 ,Sp. 967-978.

Brunhölzl, F.: Art. „Tertullian im MA“, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 8, München 1997, Sp. 559-560.

Fuhrmann, Horst (Hg.): Die Päpste, München 1998.

Granfield, Patrick (Hg.): Das Papsttum. Kontinuität und Wandel, Westfalen 1984.

Greschat, Martin (Hg.): Das Papsttum I. Von den Anfängen bis zu den Päpsten in Avignon, Bd. 11 (Gestalten der Kirchengeschichte), Stuttgart u.a. 1985.

Hödl, L.: Art. „Donatisten, Donatismus“, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 3, München, Zürich 1986, Sp. 1235-1236.

Kirchenrat des Kantons Zürich (Hg.): Die heilige Schrift des Alten und des Neuen Testaments, Zürich 1987.

Krautheimer, Richard (Hg.): Rom. Schicksal einer Stadt. 312-1308, München 1987.

Schwaiger, G.: Art. „Papst, Papsttum“, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 6, München, Zürich 1993, Sp. 1667-1685.


Vom geistlichen Hirten zum Stadtherrn:

Das Papsttum von der Spätantike zum Frühmittelalter
Bastian Technau


  1. Einleitung

Im folgenden Abschnitt wird die Entwicklung des Papsttums von der Spätantike bis ins Frühmittelalter dargestellt. Insbesondere soll hierbei auf die Rolle und Funktion des „Papstes“ in der Stadt Rom eingegangen werden.

Im vorhergehenden Abschnitt wurden „Die Anfänge des Papsttums“ beginnend mit dem Apostel Petrus (im 1. Jh. n. Chr.) bis hin zum römischen Bischof Miltiades (311-314) beleuchtet. Dementsprechend wird nun im Folgenden, beginnend mit dem Jahr 314, die Liste der „Päpste“ fortgeführt. Endpunkt dieser Ausführungen wird der Beginn des Pontifikats Gregor I. sein, mit welchem sich der anschließende Absatz „Das Papsttum im Zeitalter Gregors des Großen“ beschäftigen wird.

Auf der weltlichen Seite beginnt dieser Abschnitt eigentlich schon mit dem Jahre 306, als Konstantin I. (der Große) Kaiser des Römischen Reiches wird. Und enden werden die folgenden Ausführungen dann inmitten der Amtszeit des (ost-)römischen Kaisers Maurikios (582-602).


  1. Römisches Reich – Kaiser – Christentum – Papst – Rom

    1. Die weltliche Situation vom 4. bis 6. Jahrhundert n. Chr. im Römischen Reich

Schon unter Kaiser Diokletian I. entstand im Römischen Reich ein Mehrkaisertum, welches, nach dem Tod von Diokletian im Jahre 305 n. Chr., Konstantin I. die Mit-Regentschaft als römischer Kaiser ermöglichte. In der Schlacht an der Milvischen Brücke 312 siegte Kaiser Konstantin I. gegen einen seiner Mit-Regenten und führte diesen Sieg auf die Hilfe des Gottes der Christen zurück, dessen Monogramm er nach einer Vision auf seine Schilde hatte malen lassen. Als Reaktion auf diese göttliche Hilfe verfügte er mit dem Toleranzedikt von Mailand 313 Religionsfreiheit im Römischen Reich. Ein Jahr später berief Konstantin I. ein Konzil in Arles ein, um den Donatisten-Streit7 zu klären. Das Ergebnis des Konzils war die Bestätigung der Taufe und der Priesterweihe. Nachdem sich Konstantin I. im gesamten Römischen Reich gegen alle Rivalen hatte durchsetzen können, wurde er wohl um das Jahr 324 Alleinherrscher des Reiches. Im selben Jahr noch veranlasste er den Umzug der Kaiserresidenz von Rom nach Byzanz. Dort im Osten des Reiches wollte er sein Neu-Rom etablieren. Dies gelang und führte zu einer großen Abwanderungsbewegung der Ober- und Führungsschichten von Rom in die neue Stadt Konstantins. Damit wurde Konstantinopel die neue Hauptstadt des Römischen Reiches. Als Kaiser, und damit nach römischem Recht auch oberster Priester, sah sich Kaiser Konstantin I. natürlich auch der Religion verpflichtet, nicht nur wegen seiner Erfahrungen im Jahr 312. Deshalb berief er 325 das Konzil von Nicäa ein, auf welchem die christliche Kirche sich gegen den Arianismus8 stellte.

Kaiser Theodosius I. machte 380 das Christentum zur Staatsreligion im Römischen Reich. Ein Jahr später berief er das Konzil von Konstantinopel (381) ein, auf welchem die Aufwertung der Kirche von Konstantinopel beschlossen wurde. Seit Kaiser Theodosius I. bzw. seit dem Jahr 395 bestand vorwiegend eine Teilung der Herrschaft des Römischen Reiches auf einen west- und einen ost-römischen Kaiser; zum Teil gab es aber noch weitere Mit-Regenten.

Um 410 wurde Rom von einfallenden Westgoten erobert. Der west-römische Kaiser Romulus Augustulus wurde 476 vom Germanenkönig Odoaker abgesetzt; dies bedeutet das Ende des West-Römischen Reiches.

Kaiser Markian berief 451 das Konzil von Chalkedon ein. Hier wurde die Dreifaltigkeit Gottes festgelegt.

Im Jahr 452 brach ein Hunnensturm über Italien herein. Drei Jahre später plünderten die Vandalen Rom. Um 500 konvertierte der Frankenkönig Chlodwig I. mitsamt seinem Stamm zum christlichen Glauben der römischen Kirche.

Der ost-römische Kaiser Justinian I. (527-565) eroberte seit 535 viele west-römische Gebiete von den eingefallenen Goten zurück, wodurch er fast wieder das alte Römische Reich herstellte. 537 besetzte er Rom, welches 546 zeitweise von den Ostgoten zurück erobert wurde. Seit 554 war Rom wieder im Oströmischen Reich. In dieser Zeit entstanden erneut engere Verbindungen zwischen dem, wegen den Einfällen der Völker aus dem Norden, teilweise zerstörten und bevölkerungsmäßig geschrumpften Rom und der Hauptstadt des Reiches Konstantinopel. Der Exarch in Ravenna regierte als Statthalter des ost-römischen Kaisers über das byzantinische Italien. 553 berief Justinian I. das Zweite Konzil von Konstantinopel ein, auf dem abermals das Problem der Dreifaltigkeit thematisiert wurde.

Seit 568 gab es immer wieder Langobarden-Einfälle in Italien; damit endet aber auch die Völkerwanderung, die seit ungefähr 375 andauerte und ihre Spuren im gesamten Römischen Reich nachhaltig hinterließ. Auch 579 wurde das byzantinische Rom von Langobarden belagert.

Der ost-römische Kaiser Maurikios schuf während seiner Regierungszeit seit 582 die oben erwähnten so genannten Exarchate, die die Randgebiete des Reiches sichern sollten.



    1. Die geistliche Situation vom 4. bis 6. Jahrhundert n. Chr. im Christentum

Vor dem Toleranzedikt von Mailand 313 wurden die Christen im Römischen Reich immer wieder verfolgt und zum Teil auch ihrer Besitzungen beraubt. Erst Kaiser Konstantin I. ließ die Christen mit der 313 verfügten Religionsfreiheit im Reich in die offizielle Legalität kommen und ihre Besitztümer zurück erlangen. Er beabsichtigte wohl, das Christentum als einendes Element für das Römische Reich zu nutzen. Somit lässt es sich wohl auch erklären, warum er 325 in Nicäa das erste Ökumenische Konzil als eine staatliche Veranstaltung einberief.

Schon zu Beginn seiner Amtszeit beauftragte Kaiser Konstantin I. den römischen Bischof Miltiades gemeinsam mit Kollegen aus dem Westreich, über einen afrikanischen Bischof Gericht zu halten in Rom. Hierdurch sah sich der Bischof von Rom, Miltiades, als Vorsitzender dieses Synodalgerichtes und brachte die vorrangige Kompetenz der römischen Kirche im Westen des Reiches zur Geltung.9

Die Verlegung der Kaiserresidenz des Römischen Reiches 324/25 durch Kaiser Konstantin I. drängte Rom in eine Randlage im Reich. Deswegen und durch ein Erstarken der Kirche Konstantinopels als Kirche der neuen Reichshauptstadt entstand eine fortdauernde Rivalität zwischen den Bischöfen von Rom und von Konstantinopel.

Der Kaiser befreite alle Kirchen von Steuern und gewährte ihnen eine, von kaiserlichen Gerichten unabhängige Rechtsprechung. Kaiser Theodosius I. schließlich machte 380 das Christentum zur Staatsreligion im Römischen Reich. Dadurch wurde das Christentum allgemein sehr gestärkt.

Das Konzil von Konstantinopel (381) unter Kaiser Theodosius I. führte zu einer Aufwertung der Kirche von Konstantinopel und einer weiteren Verschärfung der Rivalität von römischem Bischof und dem Patriarchen von Konstantinopel.

Trotzdem oder gerade deswegen wurde der Primatsanspruch der römischen Bischöfe ab der zweiten Hälfte des 4. Jh. stetig weiter propagiert und auch, mittels an Ortskirchen gerichteter Briefe, von Rom aus ausgeübt. Freilich stieß das römische Bemühen um eine Vormachtstellung in der christlichen Kirche nicht überall auf Zustimmung. So konnte der römische Bischof zwar im West-Römischen Reich mehr oder minder seinen Führungsanspruch durchsetzen; im Osten des Reiches aber verhallten seine bischöflichen Weisungen meist oder riefen gar Gegenreaktionen der dortigen Bischöfe hervor. Außerdem musste der römische Bischof stets darauf achten, sich nicht mit dem Kaiser zu überwerfen, denn dieser war schließlich nach geltendem römischen Recht, welches auch für die römische Kirche verbindlich war, der Oberste Priester des Römischen Reiches und deswegen stellte der Kaiser automatisch die höchste religiöse Instanz des Reiches dar. Und aus diesem Grunde waren innerkirchliche Zwistigkeiten auch immer Angelegenheiten des Reiches und bedurften der kaiserlichen Einmischung. Damit ist auch klar, warum die Konzilien immer vom Kaiser und nicht von irgendwelchen Bischöfen einberufen wurden.

Der römische Bischof stützte sich mehr und mehr auf seine Nachfolge und Erbschaft des Apostels Petrus und zog Nutzen aus den zwei Apostelgräbern der Stadt Rom.

Zur Zeit Bischof Leo des Großen, also um 450, splitterten sich einige Teilkirchen von der großen Kirche ab. Bischof Leo der Große verstand sich sowohl als Ortsbischof, als Metropolit der Provinz um Rom und auch als Patriarch des Abendlandes und zeigte sich somit als selbstbewusstes Oberhaupt der christlichen Kirche.10 Er war es, der das römische Bischofsamt gegenüber den anderen Bischöfen des Römischen Reiches noch stärker hervor hob und in kirchlichen Fragen eine führende Rolle für das römische Bischofsamt als legitim und notwendig ansah.

Simplicius war 476 in Rom Bischof, als sich das West-Römische Reich unter Romulus Augustulus in der endgültigen Auflösung befand.

Bischof Gelasius I. (492-496) stellte die herausragende Stellung des römischen Bischofsamtes (in Religionsfragen) gegen den Kaiser hervor; in diesem Zusammenhang ist deshalb auch die Rede von der „Zwei-Gewalten-Lehre“11.

Bischof Felix II. (483-492), erster aus dem römischen Stadtadel stammender „Papst“, machte den Führungsanspruch der römischen Kirche im Osten des Reiches deutlich.

498 entschied sich der Ostgotenkönig Theoderich bei der Doppelwahl des römischen Bischofs für den Konstantinopel-feindlichen Symmachus als Bischof und nicht für dessen Gegenspieler Laurentius. 501 befand eine von König Theoderich einberufene Synode, dass kein Mensch den „Papst“ richten dürfe.

Bischof Hormisdas (514-523) söhnte sich wieder mit Konstantinopel aus und beendete das Ost-West-Schisma der Kirche. Bischof Johannes I. von Rom ließ 525 den Ostertermin für die nachfolgenden Jahre berechnen. Hierbei entstand eine umfassende Berechnung der Weltgeschichte nach Christi Geburt und damit (Grund legend) die noch heute gültige Zeitrechnung. Mit dem Ostgoten Bonifatius II. hatte Rom 530 den ersten germanischen „Papst“. 533 erfolgte die erste namentliche Umbenennung eines römischen Bischofs nach der Wahl, weil Bischof Johannes II. als oberster Bischof nicht wie der römische Gott Mercurius (griechisch: Hermes) heißen wollte; Jahrhunderte später bürgerte sich dies dann nach jeder Papstwahl ein.

537 rückten (wieder) ost-römische Truppen in Rom ein und setzten als neuen römischen Bischof Vigilius ein. Damit war die Stadt Rom und das römische Bischofsamt trotz kurzer mehrmaliger Verluste und Rückeroberungen der Stadt Rom, spätestens aber seit 554, wieder im (restaurierten) Römischen Reich beheimatet. Um dieser neuen Situation Ausdruck zu verleihen, und um Rom an das Reich zu binden, wurde der Bischof von Rom kaiserlicher Reichspatriarch für den Westen des Reiches als Erster neben den Patriarchen von Konstantinopel, Alexandrien, Antiochien und Jerusalem. Außerdem stand die Wahl des römischen Bischofs seit 555 unter dem ost-römischen Kaiserrecht und diese Wahl war somit durch den Kaiser bzw. in Vertretung durch den Exarchen in Ravenna abzusegnen!12 Dies zeigt sehr deutlich, dass das römische Bischofsamt im Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter nicht nur von inner-kirchlichen Faktoren gelenkt war, sondern dass das entstehende Papsttum immer auch vom weltlichen Herrscher determiniert wurde.

Nach einem Hochwasser 589/90 in Rom erlag Bischof Pelagius II. der Pest. Sein Nachfolger wurde Papst Gregor I.

  1   2   3   4   5   6   7


Verilənlər bazası müəlliflik hüququ ilə müdafiə olunur ©azrefs.org 2016
rəhbərliyinə müraciət

    Ana səhifə